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January 1, 2004
Blessing
4. Auflage
Herbert Riehl-Heyse
Ach, du mein Vaterland: Gemischte Erinnerungen an 50 Jahre Bundesrepublik

* Publisher: K. Blessing; 1. Aufl edition (1998)
* 271 pages
* Language: German
* ISBN: 3896670263
on Page 165:
"... bin ja froh, daß ich noch ein bißchen hier bleiben darf, obwohl ich einmal in einem Artikel für diesen Gottfried Helnwein Partei ergriffen habe: Der Münchner Sportjournalist, der einem SZ-Kollegen von mir vertraulich erzählt hat, der Riehl-Heyse sei, das wisse er ..."
Kurzbeschreibung
Herbert Riehl-Heyse, einer der angesehensten deutschen Journalisten, erzählt zwei parallele Biographien - seine eigene und die der Bundesrepublik. Als sie geboren wurde, war er neun, als er fünfzig wurde, feierte sie gerade ihre Wiedervereinigung. Voller Witz und Selbstironie läßt Riehl-Heyse Revue passieren, wie er "seine" Republik erlebt hat: die Fußballweltmeisterschaft 1954 und den alten Herren Adenauer, Mauerbau und Rex Gildo, die 68er Revolution und Brandts Kniefall in Warschau, Franz Josef Strauß und die Friedensbewegung. In diesen wunderbar erzählten Erinnerungsbildern kann jeder ein Stück seines Lebens und seiner Bundesrepublik wiederfinden.
Über den Autor
Herbert Riehl-Heyse (1940 - 2003) begann seine journalistische Laufbahn 1968, zuerst beim »Münchner Merkur«, ab 1971 bei der »Süddeutschen Zeitung«. 1989 war er ein knappes Jahr Chefredakteur des »Stern«, dann leitender Redakteur der »SZ«. Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen.
Rezension
(Aus der Amazon.de-Redaktion)
Wenn einer der bekanntesten deutschen Journalisten seine Erinnerungen verfasst, sind damit naturgemäß hohe Erwartungen verknüpft. Es ist die Neugier auf den Blick hinter die Kulissen der Macht, auf prominente Persönlichkeiten und nicht zuletzt auf die persönliche Sicht der Dinge eines meinungsbildenden Publizisten. Herbert Riehl-Heyse, Ressortleiter Innenpolitik bei der Süddeutschen Zeitung, schaut zurück auf die letzten fünfzig Jahre der Bundesrepublik. Es ist die Biografie eines Landes, die er mit seiner eigenen Lebensgeschichte perspektivisch verbindet. Deutsche Nachkriegsgeschichte wird hier in 26 Kapiteln verdichtet.
Der 1940 geborene, meinungsfreudige Autor präsentiert einerseits zwar "nur" Momentaufnahmen, andererseits sind sie aber allesamt von exemplarischer Gestalt. Riehl-Heyse verbindet die Erlebnisse aus seiner Jugend, dem Erwachsenwerden und seiner Arbeit als politischer Kommentator mit den jeweiligen zeitlich passenden Geschehnissen. Er ist dabei bemüht, uns "vom Innersten der Republik" zu berichten, von Affären, Skandale und Stimmungen sowie vom Zustand der jeweiligen Gesellschaft.
Wirklich interessant wird es immer dann, wenn der Autor die Ereignisgeschichte beiseite lässt und von Menschen erzählt. Besonders von denen, die er beruflich viele Jahre aus der Nähe begleitet hat. Von Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl und vor allem von der Person, die für ihn ein Fixpunkt in seinem beruflichen Leben war: Franz Josef Strauß. Die Kapitel, die vom Menschen und vom Politiker Strauß handeln, sind denn auch die besten des Buches. Amüsant schreibt er über die Frauengeschichten von Strauß sowie über die Amigo-Geschichten und Skandale (Fibag, Spiegel). Der geliebte Feind, so Riehl-Heyses Fazit, wurde auch deshalb so geliebt, weil der Genussmensch und begabte Politiker den Traum des Kleinbürgers lebte. Riehl-Heyse liefert mit seinen Erinnerungen einen anderen Blick auf Deutschland, als ihn Geschichtsbücher vermitteln. Geschichte wird hier nicht einfach dargestellt, sondern erzählt. Dies tut er unprätenziös, im Plauderton und damit sehr lesenswert.
Nachtrag: Herbert Riehl-Heyse verstarb im April 2003 im Alter von 62 Jahren an den Folgen eines schweren Krebsleidens. --Alexander Simon




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