Bibliography
January 1, 2000
Ruhr-Universität Bochum
* Fachbereich: Amerikanistik - Literatur
Frank Brinkmann
Edgar Allan Poe - Wahn und Wirklichkeit
in ausgewählten Kurzgeschichten: William Wilson, The Tell-Tale Heart, The Man of the Crowd.
* Autor: Frank Brinkmann, Zucker, Matthias
* Fachbereich: Amerikanistik - Literatur
* Kategorie: Hausarbeit
* Institution: Ruhr-Universität Bochum
* Jahr: 2000
* Seitenzahl: 25
* Note: 1,0
* Veranstaltung: Einführung in die Amerikanische Literaturwissenschaft
* Literaturverzeichnis: ~ 11 Einträge
* Größe: 372 KB
* Archivnummer: V43248
Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2
2. Edgar Allan Poe - Eine Biographie 3
3. Ausgewählte Kurzgeschichten 6
3 - 1. William Wilson
3 - 1 - 1. Der Inhalt 6
3 - 1 - 2. Eine Interpretation 7
3 - 2. The Tell-Tale Heart
3 - 2 - 1. Der Inhalt 10
3 - 2 - 2. Eine Interpretation 11
3 - 3. The Man of the Crowd
3 - 3 - 1. Der Inhalt 15
3 - 3 - 2. Eine Interpretation 16
4. Ein Vergleich 20
5. Schlussbemerkung 22
6. Quellen- & Literaturverzeichnis 23
1. Einleitung

...Aus der Ferne dringt eine leise Melodie. Ruhig, nur aus vier Akkorden bestehend. Sie wiederholt sich gleichmäßig und konstant, beinahe wie das Ticken einer Uhr. Allmählich scheint sie sich zu nähern und wird immer deutlicher. Bis die flüsternde Stimme eines Mannes erklingt:
„You should have seen him
Lying alone in helpless silence in the night
You should have seen him
You would have seen his eye reflecting in the light
So for the old man
Ashes to ashes, earth to earth and dust to dust
No one will see me
No one with guilt to share, no secret soul to trust“1
Dies ist der Beginn des Songs The Tell-Tale Heart des Alan Parsons Project - einer Musikgruppe, die vor einigen Jahren ein komplettes Album basierend auf Kurzgeschichten Edgar Allan Poes aufgenommen hat. Es stellt sich die Frage, was dieses Album mit dem hier zu bearbeitenden Thema zu tun hat: Nun, direkt vielleicht gar nichts. Indirekt zeigt sich jedoch, wie populär die Werke Edgar Allan Poes sind - und eben nicht nur unter Literaturwissenschaftlern, Historikern oder einer Gruppe Liebhaber. Junge Leute setzen sich in ihrer Freizeit mit seinen Werken auseinander, welche anscheinend noch immer - nach über 150 Jahren - den Zeitgeist treffen. Doch das war nicht immer so...
Zu Lebzeiten war Edgar Allan Poe alles andere als ein erfolgreicher oder gar anerkannter Schriftsteller. Es war stets sein Traum, doch erfüllte sich dieser erst nach seinem Tod. Immer wieder lebte er finanziell am Rande des erträglichen, manchmal bangte er sogar um seine Existenz. Julian Symons bringt es auf den Punkt: „The stories [...] were for him at the time primarily a means of making money.“2 Warum Poes Werke Mitte des 19.Jahrhunderts einen solch geringen Zulauf fanden, erklärt sich der amerikanische Autor Vernon Parrington 1927 folgendermaßen: „The problem of Poe, fascinating as it is, lies quite outside the main current of American thought.“3 Mit anderen Worten: Sie schienen den damals vorherrschenden, literarischen Strömungen Amerikas einfach nicht zu entsprechen.
Heutzutage zählt Poe zu den Protagonisten amerikanischer Literatur und hat vor allem das Genre der Kurzgeschichte entscheidend geprägt. Im Folgenden möchten wir uns mit Edgar Allan Poes Darstellung von Wahn und Wirklichkeit in William Wilson, The Tell-Tale Heart, sowie The Man of the Crowd beschäftigen und die Relevanz dieser Elemente aufzeigen. Hierbei werden wir uns zunächst den jeweiligen Geschichten im Einzelnen zuwenden. Später soll ein Vergleich hinsichtlich unserer Fragestellung vorgenommen werden, um diese schließlich in ein Gesamtbild einzuordnen. Doch es fällt schwer, Poes Werke vollkommen losgelöst von seiner Person zu betrachten. Es lassen sich interessante Verknüpfungen zu einzelnen Lebensumständen und -abschnitten herstellen, die im Verlauf dieser Arbeit noch von Bedeutung sein werden. Daher erscheint es sinnvoll, mit einer kurzen Biographie zu beginnen.
2. Edgar Allan Poe - Eine Biographie
Edgar Allan Poe wurde am 19. Januar 1809 in Boston, Massachusetts, geboren. Da sein leiblicher Vater die Familie bald darauf alleine ließ und seine Mutter 1811 an Tuberkolose starb, wuchs er bei seinem Onkel John Allan und dessen Frau Frances auf. Dieser war Tabakexporteur in Virginia. So verbrachte er - mit Ausnahme eines Englandaufenthalts von 1815 bis 1820 - seine gesamte Kindheit in Richmond. „Edgar is growing wonderfully and enjoys a good reputation as both able and willing to receive instruction.“ -John Allan in a letter, September 28, 1818 4 1826, im Alter von siebzehn Jahren, begann er ein Studium an der „State University of Virginia“. Während seines ersten Jahres war Poe sehr erfolgreich, doch begann er ebenfalls mit dem Glücksspiel und verschuldete sich hoch.
Eine unglückliche Entwicklung nahm auch seine Liebesbeziehung zu Sarah Elmira Royster. Ihre Eltern störte es, dass er nicht als rechtmäßiger Erbe des Vermögens seiner Stiefeltern vorgesehen war, und so stellten sie sich einer Beziehung in den Weg. Jeglicher Briefverkehr wurde unterbunden, bis Elmira schließlich fortgeschickt wurde, um permanent unter Aufsicht zu stehen. Zur selben Zeit erfuhr sein Stiefvater von den hohen Spielschulden. Er weigerte sich strikt für diese aufzukommen, und Poe konnte die Studiengebühren für das folgende Jahr nicht mehr bezahlen. Nach einem Streit kam es zum Bruch zwischen Beiden. Mittellos flüchtete er nach Boston, um sich eine neue Existenz als freier Schriftsteller aufzubauen. Doch dieser Versuch scheiterte jäh, und so trat er noch im selben Jahr (1827) unter dem Namen „Edgar A. Perry“ in die Armee ein.
1829 versöhnte sich Poe wieder mit seinem Stiefvater - kurz bevor seine Stiefmutter Frances Allan verstarb. Diese betete dafür, ihren Jungen vor ihrem Tod noch einmal sehen zu dürfen. Sie sollte nicht eher begraben werden, bis ihr Stiefsohn sich persönlich von ihr verabschieden konnte - doch es war zu spät. Als Poe im Hause seiner Stiefeltern eintraf, hatte John Allan die Beerdigung bereits eingeleitet. Um sein momentan neutrales Verhältnis zu seinem Stiefvater zu festigen und dessen Respekt und Anerkennung zurück zu gewinnen, trat er 1830 der „U.S. Military Academy West Point“ bei. Doch schon bald darauf heiratete sein Stiefvater erneut und interessierte sich kaum noch für Poe. Ohne wahre Perspektive tat er nun alles, um die Akademie wieder zu verlassen und tat dies bereits ein Jahr später unehrenhaft.
Poe traf nun den Entschluss Berufsschriftsteller zu werden und bereiste in den folgenden Jahren Amerikas Literaturhochburgen. Von 1831 - 1835 lebte er zusammen mit seiner Tante und Cousine, Maria und Virginia Clemm, in Baltimore. Als Freiberufler schrieb er das, was momentan gefragt war und unterstützte die Familie dadurch finanziell so gut es ging. 1833 gewann er mit MS Found in a Bottle einen Schreibwettbewerb, wobei ihm einer der Jurymitglieder die Position als Herausgeber des „Southern Literary Messenger“ in Richmond zusicherte. Diesen erfüllte er in den Jahren 1835 - 1837 brilliant. Während dieser Zeit, im Jahre 1836, heiratete er seine damals erst dreizehn-jährige Cousine Virginia und entwickelte ebenfalls seine Vorliebe zum Alkohol. Diese zwei Interessen beanspruchten ihn sehr stark, physisch wie psychisch.
„No man is safe who drinks before breakfast.“ - Thomas Willis White to Edgar Allan Poe, September 29, 1835 5 Finanzielle Schwierigkeiten führten Poe wieder Richtung Norden, genauer: nach New York und später nach Philadelphia, wo er sich 1838 niederließ. Dort veröffentlichte er sein Buch The Narrative of Arthur Gordon Pym, welches sich aber nur sehr schlecht verkaufte. Somit kehrte er zurück in seine Tätigkeit als Herausgeber, zunächst beim „Burton´s Gentleman´s Magazine“ und anschließend beim „Graham´s Magazine“. Neben einigen Aufsätzen schrieb er hier einige seiner wichtigsten Kurzgeschichten: The Fall of the House of Usher, William Wilson, The Masque of the Red Death, sowie The Murders of the Rue Morgue.




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