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June 20, 2012
Diplomarbeiten Agentur
Alexander Fuchs, Carsten Majewski
Black Metal - Musiksoziologische Analyse der Darstellungsformen und -inhalte einer Subkultur
Um die Musik entstand eine Künstlerszene, die teilweise von etablierten Malern frequentiert wurde (H.R. Giger, Andy Warhol, Peter Blake, Gottfried Helnwein etc.)
Inhaltsangabe:Einleitung: Hinter dem Attribut „Black Metal“ verbirgt sich ein subkulturelles Phänomen, das Anfang der neunziger Jahre in Form einer „Zweiten Welle“ zu neuer Blüte erwachte und das bis heute existent ist. Black Metal fungiert hierbei einerseits als stilistische Bezeichnung für stark gitarrenlastige Musik, die allgemein in der Tradition des Heavy Metal steht. Andererseits meint Black Metal aber auch jene spezielle (Jugend-)Szene, die diese Art von Musik produziert und konsumiert. In der Vergangenheit boten vereinzelte Vorfälle innerhalb der Black Metal-Szene Stoff für Negativschlagzeilen, mittels derer Medienlandschaft und Öffentlichkeit teilweise in Aufregung versetzt wurden: der „Satanisten-Mord“ von Sondershausen im April 1993, brennende Kirchen in Norwegen, Morde innerhalb der skandinavischen Black Metal-Szene. Derlei Ereignisse und die Tatsache, daß der Rolle des Black Metal in bezug auf das kulturelle Gesamtspektrum eine eher geringe Gewichtung zukommt (Wissen und Kenntnisse über dieses Genre blieben also vornehmlich Insidern vorbehalten), ließen das Bild einer zwar relativ kleinen aber reaktionären, primär anti-christlich motivierten, satanistischen und okkult-gefährlichen Jugendsubkultur entstehen. Christliche Warnschriften und der „Zeigefinger-Journalismus“ der etablierten Erwachsenenkultur erlebten partiell Hochkonjunkturen. Diese Hintergründe machen plausibel - das ergaben auch Recherchen zu dieser Arbeit - , daß wissenschaftliche Literatur zum Heavy Metal äußerst rar, zum Themenkreis Black Metal explizit überhaupt nicht vorhanden ist. Schon allein aus diesem Grund erscheint eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik als sinnvoll. In die Welt des Black Metal einzutauchen und diese verstehend zu durchleuchten, ist Ziel und Aufgabe dieser Studie. Das Kulturphänomen wird dabei auf mehreren Ebenen erfaßt und reflektiert. So wird der Black Metal zunächst in Form eines rockgeschichtlichen Überblicks musikhistorisch zu fassen versucht und in den Gesamtkontext der Entwicklungen der Sparte Heavy Metal gestellt. Defizite und „Konstruktionsschwächen“ klassischer musiksoziologischer Ansätze werden ebenso eingehend diskutiert wie Aufbau, Funktion und Informationsfähigkeit des Mediums Musik. Im Kern versucht die Studie dem in der soziologischen Forschung bekannten „Bindestrich-Problem“ dadurch zu entgehen, daß die kulturellen Ausdruckssymptome des Feldes Black Metal wissenschaftlich ernst genommen und unter Einnahme der Turnerschen Perspektive als in sich hoch verschlüsselte Metakommentare zu gesellschaftlicher Realität und Gegenwart zu verstehen sind. Dem Verdikt, daß schon allein methodisch bedingt Soziologie der Kunst sich nicht verstehend nähern, geschweige denn Kunst „erklären“ könnte - dies bliebe vornehmlich den Kunstwissenschaften vorbehalten - , will sich diese Arbeit nicht beugen. Im Fokus der wertneutralen Betrachtungen soll vielmehr der Black Metal als ästhetisch wirkende Gegebenheit kultureller Art stehen. Zu diesem Zwecke wird der phänomenologische Ansatz der Rezeptionsästhetik verfolgt und auf diverse Erscheinungs- und Ausdrucksformen dieser Subkultur angewendet. Auf diese Weise entwickelt die Studie eine Mehrebenenanalyse ihres Untersuchungsgegenstandes samt all seiner Charakteristika und kann von daher die Vielschichtigkeit des blackmetallischen Denk- und Gefühlskosmos reflektieren, der eben nicht in sich stichhaltig-logisch, sondern vortheoretisch-künstlerisch-ästhetisch ausgedrückt, gestaltet und vermittelt wird. „Black Metal – Musiksoziologische Analyse der Darstellungsformen und -inhalte einer Subkultur“ offeriert Einblicke durch eine Analyse, die der Ganzheitlichkeit künstlerischen Ausdrucks explizite Beachtung schenkt. Als Datenkorpus dienen fünf exemplarisch ausgewählte Songs bekannter Black Metal-Bands (deren musikalische und lyrische Gestaltungsfunktionen in Interdependenz erarbeitet werden), sowie diverse Präsentationshintergründe (Cover, Artworks, Bandlogos, Corpsepaintings), die eher dem Bereich der Darstellenden Kunst zuzurechnen sind. Herangezogen werden aber auch „außerkünstlerische“ Daten, insbesondere solche, die in Verbindung mit der Selbstreflexion der Protagonisten stehen, welche in vielen Fanmagazinen und anderen Publikationen ebenso ein Podium finden. In diesem Zusammenhang verdeutlicht die Studie, daß das Wirkungspotential des Black Metal nicht allein von der Musik abhängig ist, sondern auch sehr wesentlich von den Apperzeptionsdispositionen (der „Vorbildung“, Instruierung) des Rezipienten. In der Gesamtsicht des Phänomens Black Metal wird deutlich, daß Erklärungsansätze, die ihn als destruktiv-pervers oder satanisch-okkult darstellen, ihn in seiner Bedeutungsvielfalt weitaus unterschätzen. Ähnlich der aus der Literatur bekannten Strömung der Schwarzen Romantik des frühen 19. Jahrhunderts erweist auch er sich als Medium der moralischen Auseinandersetzung mit Aspekten der heutigen Gesellschaft. Wegen des aufklärerischen Ansatzes mit der aus der verstehenden Soziologie bekannten Verfahrensweise der Einnahme verschiedener Perspektiven zum Thema bietet diese Magisterarbeit sensible Einblicke in eine als roh wahrgenommene subkulturelle Welt, gerahmt von einer hartnäckigen und plausiblen Auseinandersetzung mit gesellschaftswissenschaftlichen Theorien und Methoden.
222 Seiten
Deutsch
Verlag: diplom.de
ISBN-10: 3832425500
ISBN-13: 9783832425500




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