Bibliography
February 2, 1988
Verlag dtv
Germany
William Beckford
Vathek
eine orientalische Erzählung mit 11 Radierungen von Gottfried Helnwein
Übersetzer: Wolfram Benda Nachwort von Wolfram Benda ISBN 3-42302203--5
Vathek. Eine orientalische Erzählung.
Gottfried Helnwein, William Beckford
Winkler, München; 1987
Gebundene Ausgabe
William Beckford, Vathek. [Erstdruck]
10 Radierungen und eine Holzschnittinitiale von Gottfried Helnwein. Baskerville-Antiqua, 194 S., 19 x 28 cm.
Edition de Tête: 170 Exemplare, stahlblaues Kalbhalbleder. € 550,00
Vorzugsausgabe: 25 Exemplare, eine zusätzliche Radierung, zitronengelbes Oasenziegenleder (vergriffen).
Luxusausgabe
5 Exemplare, alle 11 Graphiken handkoloriert, tiefblaues Oasenziegenleder mit mehrfarbigen Lederintarsien auf Vorder- und Rückdeckel (vergriffen).
Vathek.
Helnwein, Gottfried]. - Beckford, William.
Eine orientalische Erzählung. (= Sechster Druck der Bear Press Wolfram Benda).
Bayreuth, The Bear Press, 1985. 4°. Mit 10 ganzs. Orig.-Radierungen u. einer Holzschn.-Initiale von Gottfried Helnwein. 193 (1) S., Stahlblauer OHKalbldr.-Bd. a. 5 Bünden m. Rückenverg., goldgepr. Rückentitel u. Kopfgoldschnitt in marmor. OPp.-Schuber. Eines von 170 (ges. 200) von Gottfried Helnwein im Druckvermerk signierten Exemplaren der „Edition de Tête" (bez. „E. A"). - „Gedruckt von der Offizin Poeschel, Eschwege, in der Baskerville-Antiqua auf Zerkall-Bütten. Alle 200 Exemplare, handgebunden von Helmuth Halbach, Königstein, enthalten zehn Radierungen von Gottfried Helnwein, eingedruckt von Kurt Zein, Wien [.]. Der Text wurde gesetzt von Kurt Mosebach und gedruckt von Rudolf Ritscher", [ Hard Cover].
Beckford, William (1759-1844)
Englischer Schriftsteller, Kunstsammler und Exzentriker. Berühmt machte ihn seine Novelle Vathek, eine arabische Erzählung (1786), die erste orientalische Gothic Novel innerhalb der englischen Literatur.
1. LEBEN
Beckford wurde am 1. Oktober 1759 als Sohn des reichsten Mannes von England in Fonthill (County Wiltshire) geboren und genoss bis zu seinem 18. Lebensjahr eine vorzügliche Ausbildung in Französisch, Latein, Griechisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch sowie in Philosophie, Jura, Physik und Literatur. (Einer bereits frühzeitig einsetzenden Legendenbildung zufolge soll der nur drei Jahre ältere Wolfgang Amadeus Mozart sein Klavierlehrer gewesen sein.) Mit 19 Jahren verliebte er sich in den zehnjährigen William Courtenay, den späteren Earl of Devon, der damals als schönster Junge Englands galt – eine Affäre, die nach ihrer Entdeckung und einer Zeitungskampagne sechs Jahre darauf ein Ende fand; Züge von Courtenay flossen später in die Figur des Gulchenrouz im Vathek ein. Bereits nach dem Tod des Vaters 1770 hatte Beckford dessen großes Vermögen geerbt; nun reiste er durch Europa, lebte vornehmlich in Portugal und erwarb Bücher sowie Kunstgegenstände für seine umfangreiche Privatsammlung.
1782 verfasste Beckford unter dem Einfluss der Geschichten aus Tausendundeiner Nacht, die er im Original lesen konnte, sowie der exotisch-ironischen Erzählungen Voltaires bzw. Anthony Hamiltons in französischer Sprache sein unbestrittenes Meisterwerk, die autobiographische Novelle Vathek, eine arabische Erzählung, die 1786 ohne Erlaubnis des Autors unter dem Titel Vathek: An Arabian Tale in seiner Muttersprache Englisch erschien; erst 1787 kam die ursprüngliche Fassung Vathek. Conte Arabe heraus. Vathek, eine weitere Selbststilisierung ihres Verfassers, sowie Beckfords Reserviertheit gegenüber der Gesellschaft und seine exzentrische, dekadente Lebensweise trugen dem Autor den Ruf eines eigenbrötlerischen und mürrischen Genies ein. (So versammelte er in seinem Schloss auf einem riesigen abgezäunten Gelände, auf dem auch Jagden abgehalten wurden, einen ganzen „Harem" knabenhafter Angestellter; darüber hinaus wurden Beckford ein Hang zu sadomasochistischen Orgien und Kenntnisse der schwarzen Magie nachgesagt.) Mit Modern Novel Writing: or, the Elegant Enthusiast und Azemia verfasste der Autor 1796 bzw. 1797 zwei Burlesken zu Liebesromanen. Daneben schrieb er einige Reisetagebücher.
Ende des 18. Jahrhunderts erwarb Beckford das Anwesen Fonthill Abbey und verwandelte es mit Hilfe des führenden Architekten seiner Zeit, James Wyatt, in eine gewaltige gotische Wohnkathedrale mitsamt einem etwa 90 Meter hohen Turm, über zehn Meter hohen Eingangstüren, zahlreichen Geheimtüren und einem 100 Meter langen Eingangsbereich; in den Wohnräumen waren außer in den Sommermonaten permanent 60 Feuer in Betrieb. Zum „Palast der fünf Sinne"gehörte auch eine Parkanlage mit einer etwa fünf Meilen langen Allee. 1800 wurde das künstliche Phantasieschloss, welches erhebliche Ähnlichkeiten zu den Architekturen aus Vathek aufwies, feierlich eingeweiht: neben Künstlern wie Benjamin West, Schriftstellern und Kunsthändlern waren auch Admiral Lord Nelson und seine Frau Emma Hamilton als Ehrengäste geladen. Der Grundsatz des Ästhetizismus, das Leben zu verkünsteln, war hier bestmöglich erfüllt. Auf Fonthill Abbey residierte der Exzentriker fast ein Vierteljahrhundert mit seinen zahlreichen Dienern, „Zwergen", Musikern, Künstlern und Pferden, von seinen ausgesperrten Nachbarn als „Fool of Fonthill" („Narr von Fonthill") misstrauisch beäugt. 1823 musste Beckford Fonthill Abbey für fünf Millionen Dollar verkaufen – zwei Jahre später stürzte das Gebäude in sich zusammen; nur der Nordflügel blieb erhalten – und erstand ein Anwesen in der Nähe von Bath, wo er sein Lansdown Baghdad genanntes Domizil mit einem kleineren Turm errichten ließ. Er starb 84-jährig am 2. Mai 1844 in Bath. Die zu Vathek gehörenden Episoden (französisch Episodes de Vathek, englisch Episodes of Vathek) kamen erst posthum 1909/10 heraus.
Vathek (1786)
Anlaß für "Vathek" war eine von Beckford ausgerichtete und von der Presse zum Skandal erklärte Festlichkeit auf seinem Landsitz zu Weihnachten 1781, die mehrere Tage anhielt und zu der offenbar auch schwarze Messen gehörten ("die Verwirklichung des Romantischen in seiner ausschweifendsten Form. Kein Wunder, daß mich diese Szenerie zur Beschreibung der Hallen des Eblis inspirierte"). Geschildert werden die physischen und psychischen Abenteuer des eher schwächlichen Kalifen Vathek, eines geschichtlich belegten Enkels Harun-ar-Raschids, der sich aufgrund seines unstillbaren Sinnes- und Wissensdrangs zum Pakt mit dem Unterweltgott Eblis entschließt. Am Ende steht die ewige Verdammnis: "die kostbarste Gabe des Himmels - die Hoffnung -" ist dem unglückseligen, schließlich "sich selbst" überlassenen Vathek in der "inwendigen Hölle" (Lord Byron) seines ausgezehrten Geistes genommen: "So fiel der Kalif Vathek, der sich um eitlen Prunkes und verbotener Macht willen mit tausend Missetaten besudelt hatte, endloser Pein und ungelinderter Gewissensqual anheim; während dem demütigen, dem verachteten Gulchenrouz eine Ewigkeit in ungestörter Seelenruhe und im reinen Glück der Kindheit zuteil ward". Zentrale, aus "Tausendundeiner Nacht" übernommene Motive sind die Antagonismen des Überflusses und des Dursts, ein Gegensatz, in dem sich das zerrissene Wesen des Protagonisten spiegelt.




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