Exhibitions
February 17, 2006 - May 7, 2006
Neue Nationalgalerie, Berlin
Galeries nationales du Grand Palais, Paris
Moritz Wullen
Leiter des Referats für Ausstellungen der der Staatlichen Museen zu Berlin
Melancholie - Genie und Wahnsinn in der Kunst
MÉLANCOLIE, GÉNIE ET FOLIE EN OCCIDENT
The exhibition of ones own body as putrefying mass began with George Grosz’s self portrait as a suicide figure in a coffeeshop and spans past that to self-portraits by Francis Bacon in which he appears to been wrung through a meat grinder, all the way up to Günter Brus’ depictions of his mutilated body. The liberation of melancholic consciousness through death does not offer a philosophical perspective any more. Instead of that suicide becomes cultically sublimated in a performance of masochistic self-mutilation. In one of Gottfried Helnwein’s photographic installations the artist rises, monumetal and black with putrefaciton, like the memorial of a last revelation: And so is despair, this disease within the self, the disease towards death. The desperate is fataly ill. Death is not the last of the disease, but death is continously the last. To be released from this disease through death is an impossibility, because the disease and its agony and death are just, not to be able to die. Therefore the history of Modernity is also a success story of Melancholy and the invasion of her shadow, into the last paradises of confidence in existence and the world.
MÉLANCOLIE, GÉNIE ET FOLIE EN OCCIDENT
Galeries Nationales du Grand Palais
du 13/oct./2005 au 16/janv./2006
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Neue Nationalgalerie, Berlin
17.02.06 - 07.05.06
Black Mirror VII
photograph, 1987
Black Box
Der schwarze Innenraum des melancholischen Bewusstseins in der Bilderwelt des 20. Jahrhunderts
Moritz Wullen
Die Farbe der Melancholie ist die Unfarbe Schwarz. Das erklärt sich zum einen aus der Etymologie des Begriffs, der in der Zusammenziehung der griechischen Woerter melas (schwarz) und chole (Galle) seinen Ursprung hat. Die Melancholie, so die These der Humoralpathologie, werde durch eine uebermässige Ausschuettung dunklen Gallensafts verursacht. Dieses Erklaerungsmodell ist fuer die moderne Medizin zwar nicht mehr sonderlich aktuell, aber die farbmetaphorische Neigung zu Schwarz eignet der Melancholie bis heute. Ein schoenes Beispiel bietet die private Website www.darkromance.de, auf der die Autorin über sich nicht mehr sagen will, als dass sie “sehr sensibel, zurueckhaltend und oft auch sehr melancholisch” ist. An erster Stelle ihrer favorisierten Filme steht der Gothic-Kultklassiker The Crow (1993), und entsprechend unbunt ist das Layout: Überall dominiert Schwarz. [...]
Fuer diese letzte Stufe der melancholischen Verzweiflung hat die Bildkultur der westlichen Moderne eine ultimative Metapher gefunden: den Zombie. Der Mythos des Untoten ist zwar älter, doch keine andere Zivilisation wurde von Zombies in vergleichbarer bildtechnischer Fulminanz, albtraumhafter Anschaulichkeit und Unzahl heimgesucht. Und diese Invasion zielte keineswegs nur auf die Ebenen des Comics, des Films und der Horrorliteratur. Auch die Gipfellagen der höheren Künste waren vor Ihnen nicht sicher.
Die Zurschaustellung des eigenen Körpers als Verwesungsmasse beginnt mit den Selbstporträts von George Grosz als Suizidgestalt im Kaffeehaus und reicht über die wie durch den Fleischwolf gedrehten Konterfeis eines Francis Bacon bis hin zur Leichenfledderei am eigenen Leib bei Günter Brus, Kurt Kren oder Frank Tovey, dem jüngst verstorbenen Enfant terrible der experimentellen New-Wave-Szene der 1980er Jahre. Die Befreiung des melancholischen Bewusstseins durch den Tod bietet keine philosophische Perspektive mehr. Es ist ihm ohnedies schon anheim gefallen. Stattdessen wird der Suizid in einer Performance masochistischer Selbstverstümmelung kultisch sublimiert.
In einer fotografischen Inszenierung Gottfried Helnweins erhebt sich der Künstler, fäulnisschwarz und monumental wie das Mahnmal einer letzen Einsicht: “So ist Verweiflung, diese Krankheit im Selbst, die Krankheit zum Tode. Der verzweifelte ist todkrank. Der Tod ist nicht das letzte der Krankheit, aber der Tod ist in einem fort das Letzte. Von dieser Krankheit erlöst zu werden durch den Tod ist eine Unmöglichkeit, denn die Krankheit und deren Qual und der Tod ist gerade, nicht sterben zu können.”
So ist die Geschichte der Moderne nicht zuletzt auch eine Erfolgsgeschichte der Melancholie und des Eindringens ihres schwarzen Spuks in die letzten Paradiese des Seins- und Weltvertrauens. Vielleicht wird das 21. Jarhrhundert ganz ihr Signum tragen. Wer Rettung sucht, der vermag ganz offenbar weder auf sich selbst, noch auf die anderen und schon gar nicht auf den Tod zählen.
(Auszug)




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