Films
December 16, 2006
WDR
Westdeutscher Rundfunk
Gerrit Busmann
PREMIERENREPORT - DER RING DES NIBELUNGEN
Kresnik und Helnwein haben hier ein faszinierendes Tanz-Kunstwerk geschaffen
Bühnenbild und Kostüme stammen vom bekannten Künstler Gottfried Helnwein, bekannt für Bilder voller Ekel, Leid und Schmerz. Auch Helnwein will den Menschen den Irrsinn der heutigen von Gewalt geprägten Zeit drastisch vor Augen führen. Gottfried Helnwein : "Es ist eine Zeit des Zerfalls, des Untergangs. Vielleicht ist es völlig sinnlos, aber es gibt einfach Leute wie mich, die so besessen und verbohrt sind, dass sie denken, sie müssten all das festhalten, was da passiert und die Leute zwingen, das anzuschauen."
Die Lokalzeit-Kritik:
* Kresnik und Helnwein haben hier ein faszinierendes Tanz-Kunstwerk geschaffen,
* das durch ein ausdrucksstarkes Ensemble packend präsentiert wird.
* Einige Szenen sind arg derb und drastisch geraten, trotzdem ist die Aufführung sehr hochkarätig.
* Kurz: ein lohnender Abend für Tanzfans mit starken Nerven
* Vier Sterne für Kresniks "Der Ring des Nibelungen" in der Oper Bonn
Der Ring des Nibelungen, Oper Bonn
2006
Das "Choreographische Theater" der Oper Bonn steht vor dem Aus. Zum Ende der kommenden Spielzeit soll das moderne Tanzensemble aus finanziellen Gründen aufgelöst werden. Und damit geht auch sein Leiter Johann Kresnik von Bonn weg - ein international bekannter Choreograph, der für seine stets provokanten Inszenierungen seit vielen Jahren gleichermaßen gefeiert und gehasst wird.
Als letztes großes Werk in Bonn hat Kresnik nun den "Ring des Nibelungen" in Angriff genommen. Der erste Teil dieses Tanztheaterstücks hatte jetzt Premiere. Als Bühnen- und Kostümbildner hat Kresnik dazu den weltberühmten Künstler Gottfried Helnwein engagiert, der sich in seinen Kunstwerken ebenso krass und direkt äußert wie Kresnik als Choreograph.
König Ludwig der Zweite tanzt vor brennenden Ölfeldern und trifft auf Richard Wagner. Schon in den ersten Minuten ist klar: Diese Aufführung ist ganz anders als erwartet. Inhaltlich geht es zwar ansatzweise um Wagners "Ring des Nibelungen" - es tauchen viele Figuren daraus auf -, Musik von Wagner gibt es aber nicht. Das Germanen-Epos steht hier als Sinnbild für die Themen Macht und Geld, Gewalt und Krieg.
Auch Wagners Nähe zu den Nazis wird thematisiert, unter anderem mit Anspielungen auf Charlie Chaplins Film " Der große Diktator". Flammende Öfen wecken dagegen Assoziationen an KZs, stehen aber auch für aktuelle kriegerische Brandherde in aller Welt. Für Johann Kresnik ist es geradezu eine Notwendigkeit, in der heutigen Zeit wieder hoch politisches Tanztheater zu machen.
Johann Kresnik : "Ich glaube, es ist wichtiger als je zuvor. Wir müssen wirklich im Theater gesellschaftskritisch und politisch wieder zu denken anfangen, weil wir wissen genau, wie weit es in der Welt steht."
Bühnenbild und Kostüme stammen vom bekannten Künstler Gottfried Helnwein, bekannt für Bilder voller Ekel, Leid und Schmerz. Auch Helnwein will den Menschen den Irrsinn der heutigen von Gewalt geprägten Zeit drastisch vor Augen führen.
Gottfried Helnwein : "Es ist eine Zeit des Zerfalls, des Untergangs. Vielleicht ist es völlig sinnlos, aber es gibt einfach Leute wie mich, die so besessen und verbohrt sind, dass sie denken, sie müssten all das festhalten, was da passiert und die Leute zwingen, das anzuschauen."
Leicht zu verstehen ist diese getanzte Bilderflut nicht, geschweige denn leicht zu verdauen. Immer wieder überschreiten Kresnik und Helnwein geradezu brutal die Grenzen des guten Geschmacks. Sie wollen eben aufrütteln, nicht unterhalten. Für zartbesaitete Zuschauer ist dieser Abend sicher nicht geeignet. Tanzbegeisterte mit dickem Fell bekommen aber in jedem Fall sehenswertes politisches Tanztheater geboten.
Nach der Premiere gab es langen, kräftigen Applaus und viele Bravos, aber natürlich auch einige Buhs. Die Zuschauer urteilten sehr unterschiedlich.
Premieren-Report von Gerrit Busmann




back to the top