Films
May 31, 2005
3sat
ZDF, ORF, SRG, ARD
Alexander W. Rauscher
Kulturzeit
Gottfried Helnwein und der Rosenkavalier
Einige der Szenen der Oper erinnern an Bilder, die man bereits von Helnwein kennt: malträtierte, geschundene Kreaturen, Verwundete, bandagierte Köpfe. Immer schon waren es vor allem die Schwachen und Wehrlosen, mit denen sich der Künstler beschäftigt hat, weil "mich das immer interessiert hat", wie er selbst bekennt. "Wahrscheinlich, weil der Mensch in dem Stadium am wenigstens korrumpiert ist - und auch am meisten verletzbar und ausgeliefert."

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr
Gottfried Helnwein hat den "Rosenkavalier" in L.A. ausgestattet
Eine der beliebtesten Opern-Romanzen hat an der L.A Opera Premiere gefeiert: "Der Rosenkavalier" von Richard Strauss. Die Produktion in L.A. ist quasi in österreichischer Hand: Maximilian Schell führt Regie und Gottfried Helnwein ist für Bühnenbild und erstmals auch für Kostüm verantwortlich. Nicht selten hat Helnwein in der Vergangenheit der Gesellschaft einen Spiegel vorgehalten und mit seinen Arbeiten zu Themen wie Kindesmissbrauch deutlich Stellung genommen. Fakt ist: Seine Kunst polarisiert. So auch in L.A.
Drei Akte in drei kräftigen Farben, die auch die Zeit des Barock dominierten. So sieht der österreichische Maler Gottfried Helnwein den "Rosenkavalier": Gold und Gelb für Reichtum, das Blau für den erwartungsvollen Morgen und das Rot für den Moment, in dem alles explodiert: Liebe, Hass und Revolte. Maximilian Schell und sein Team wollten die Oper von Richard Strauss in völlig neuen Bildern zeigen.
Farben sinnbildlich für Emotionen
Beim "Rosenkavalier" in Los Angeles hat der erfahrene Bühnenbildner Gottfried Helnwein zum ersten Mal auch die Kostüme gestaltet. Drei Farben in verschiedenen Schattierungen sind es, mit denen er auch verschiedene Emotionen auszulösen beabsichtigt - auf dieser Idee basiert sein monochromes Konzept. Intensiv hat sich der Künstler mit Inhalt, Musik und historischem Hintergrund des "Rosenkavalier" beschäftigt. Helnwein lebt heute abwechselnd in Irland und Downtown L.A., der Stadt ohne Gedächtnis und ohne Zukunft, zerstörerisch und doch auch inspirierend. Denn das, was in L.A. passiert, gebe einen Ausblick darauf, was Europa erwartet, glaubt er.
Maximilian Schell, der auch einige Jahre in der Stadt der Engel gelebt hat, kehrte dieser allerdings den Rücken, als er ein einschneidendes Erlebnis mit einer jungen Frau hatte, die nicht einmal Mozart kannte. Dass Octavian, der Liebhaber des weiblichen Feldmarschalls im "Rosenkavalier" eine Hosenrolle ist, das weiß allerdings auch das Opernpublikum in Los Angeles. Trotzdem hat das Plakat zur Produktion, auf dem sich zwei Frauen zum Kuss nähern, bereits vor der Premiere zu einer mittleren Kontroverse geführt. Operndirektor Placido Domingo ist dennoch begeistert von der Inszenierung: "Die Regie von Maximilian ist wundervoll und mit Kurt als Baron Ochs und der großartigen Besetzung, denke ich, dass das sicher ein großer Erfolg wird."
Geschundene Kreaturen als besonderer Reiz
Einige der Szenen der Oper erinnern an Bilder, die man bereits von Helnwein kennt: malträtierte, geschundene Kreaturen, Verwundete, bandagierte Köpfe. Immer schon waren es vor allem die Schwachen und Wehrlosen, mit denen sich der Künstler beschäftigt hat, weil "mich das immer interessiert hat", wie er selbst bekennt. "Wahrscheinlich, weil der Mensch in dem Stadium am wenigstens korrumpiert ist - und auch am meisten verletzbar und ausgeliefert."
Der Rosenkavalier by Richard Strauss
2005
Der Rosenkavalier by Richard Strauss
2005, with Maximilian Schell, Los Angeles Opera
Der Rosenkavalier by Richard Strauss
2005




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