Interviews
March 2, 2003
Neue Vorarlberger Tageszeitung
Austria
Barbara Gasser
Magazin
"Kunst unter Ausschluss der Öffentlichkeit ist sinnlos"
Gottfried Helnwein hat das Cover für die neue CD des Skandal-Musikers Marilyn Manson gemacht.
Wie ist die Zusammenarbeit mit Marilyn Manson entstanden? GOTTFRIED HELNWEIN: Ich habe ihn vor einem Jahr kennen gelernt, seitdem arbeiten wir an verschiedenen Projekten. Unter anderem an Videos und Street Performances. Wir planen auch, gemeinsam eine Installation in Wien zu machen.
Gottfried Helnwein gestaltete das neue Cover des Kultmusikers Marilyn Manson. Zwei skandalträchtige Künstler unter sich. Das Album, das demnächst in Österreich erscheinen wird, wurde im Haus von Ozzy Osbourne präsentiert. Für Helnwein, er lebt seit knapp einem Jahr auch in Los Angeles, der Beginn einer neuen künstlerischen Ära.
Gottfried Helnwein zieht Hollywoods prominenteste Künstler an wie die Motten das Licht. Beck, Leonardo DiCaprio oder Arnold Schwarzenegger reißen sich um den 56-jährigen Wiener und seine Kultobjekte.
Mit seinen als "Entartete Kunst" bezeichneten großformatigen hyperrealistischen Acrylbildern hat Helnwein Anfang der 70er-Jahre in Wien eine Woge des Protestes ausgelöst. Mitte der 80er-Jahre verließ der "Schockmaler von Wien" seine Geburtsstadt. Eine ganz andere Welt ist das Fabriksgelände in Los Angeles' Downtown.
Wie ist die Zusammenarbeit mit Marilyn Manson entstanden?
Helnwein: Ich habe ihn vor einem Jahr kennen gelernt, seitdem arbeiten wir an verschiedenen Projekten. Unter anderem an Videos und Street Performances. Wir planen auch, gemeinsam eine Installation in Wien zu machen.
Sie leben in Irland und sind seit kurzem auch in Los Angeles?
Helnwein: Ich hab mich immer an neuen Plätzen und Orten umgesehen. Irland hat mich wegen seiner absoluten Stille fasziniert. Für Künstler einfach der ideale Platz. Ich habe ein neues Universum für mich entdeckt. Ich habe früher nie Landschaften gemalt, aber in Irland habe ich Lust dazu gekriegt. Amerika und Los Angeles sind der Kontrast dazu. Ich glaube, dass der Ort, an dem man lebt, sich in den Bildern widerspiegelt. Die Einflüsse, denen man ausgesetzt ist, sind inspirierend. Kein Künstler ist wirklich autark, jeder reflektiert die Gesellschaft, in der er lebt.
Ihre Familie pendelt mit Ihnen?
Helnwein: Ja, wir sind immer wie Zigeuner herumgezogen und das ist heute noch so. Meine Kinder gehen mit uns freiwillig mit, obwohl sie schon erwachsen sind.
Erinnern Sie sich an Ihr erstes Bild?
Helnwein: Als Kind habe ich nie gemalt, - nur gezeichnet. Mein erstes gemaltes Bild entstand 1969. Ich wollte in die Akademie aufgenommen werden und da musste man was herzeigen. Da ich nichts hatte, hab' ich halt einfach ein Bild gemalt und wurde dann tatsächlich aufgenommen. Mich interessierten immer die menschlichen Emotionen, das menschliche Gesicht, daher waren meine ersten Bilder Menschen in einer extremen Situation und immer sehr emotional. Schmerz, Aggression, das waren Bereiche, die mich immer interessiert haben. Emotionen sind ein wesentlicher Teil der Kunst. Mir war die spontane Reaktion der Betrachter immer sehr wichtig. Kunst unter Ausschluss der Öffentlichkeit ist sinnlos.




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