Interviews
January 1, 2007
helnwein interview.com
Andreas Mäckler
Selbstporträt und Menschenbild
Andreas Mäckler spricht mit Gottfried Helnwein
HELNWEIN: Bei diesen Bildern ist es so wie bei meinen Kinderbildern, daß die Augen zum Beispiel bandagiert sind und die Ohren und Teile des Gesichts. Ich habe den Eindruck, daß die meisten Menschen nichts sehen und unfähig sind, zu hören oder etwas wahrzunehmen. Das ist eine Fähigkeit, die mehr und mehr, systematisch über Generationen hinweg, durch komplizierte Erziehungsprogramme zerstört werden soll. Ich glaube nicht, daß es eine Evolution ist, die einfach passiert, sondern daß daran gearbeitet wird: Die Herrschenden, egal wie sie sich nennen, sind immer daran interessiert, Untertanen zu haben, die nichts hören, nichts sehen und vor allen Dingen keinen eigenen Willen haben. In der ganzen Geschichte kenne ich nur Herrschaftssysteme, die ihre gesamte Intelligenz und Macht aufbieten, um Leute blind, taub und verfügbar zu machen. Wenn sich zum Beispiel sechs Millionen Menschen gelbe Sterne annähen und jahrelang in endlosen Reihen in Schlachthäuser treiben lassen, zeigt dies, daß man ihnen schon lange vorher ihren eigenen Willen genommen hatte - und wenn alle anderen nichts davon bemerkt haben, beweist das, daß sie blind und taub waren.
Lichtkind
silverprint, grattage, 1972
Gottfried Helnwein im Gespräch mit Andreas Mäckler
Verlag C. H. Beck München 1992
© 2002 by Gottfried Helnwein und Andreas Mäckler. Alle Rechte vorbehalten.




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