May 3, 2006
ORF, 3 SAT
Austria, Germany, Switzerland
Claudia Teissig
Der Provokateur
APOCALYPSE NOW-(ADAYS) ein Film über Gottfried Helnwein
Gottfried Helnwein - ein künstlerischer Anarchist aus Prinzip. Seine Bilder erzählen von apokalyptischen Visionen. Schon seit Beginn seiner Karriere ist Helnwein umstritten. Claudia Teissig porträtiert den genialen Blickfänger.
Mittwoch, 3. Mai 2006
21.15-22.00 3SAT
Helnwein in his studio
2005
Länge: 45`
Gestaltung: Claudia Teissig/ORF
Ausstrahlungstermin: Frühjahr 2006/ ORF + 3 SAT
Format: 16: 9
Filmische Auflösung - Film Look/Progressive Scan (Sony IMX)
Assoziative Bilder- grobkörnig
Drehzeit: März 2006 - Linz/Lentos (2 Tage)
März 2006 Tel Aviv (2 Tage)
Schnittzeit: 10 Tage/Avid(inkl. Laden)
Schauplätze: Wien( historisch - Archiv, Film Helnwein von Peter Hayek 1984)
Los Angeles, USA
Irland, (Archiv - Helnwein Film , Teissig 1999)
Lentos/Linz
Anlaß für das Portät über Gottfried Helnwein ist die Retrospektive im Lentos in Linz
Beginn/introduktion:
"Face it", Ausstellung im Linzer Lentos-Museum; erste umfassende Retrospektive nach Jahren in seiner Heimat Österreich
Für Helnwein, der sich schon seit seiner Jugend in Wien für Geschichte und Politik interessiert, ist seine Kunst eine Art Waffe, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Seit 30 Jahren beschäftigt er sich in seiner Kunst mit den Themen Gewalt, Täter, Opfer; Die Apokalypse ist das Thema, das immer um seine Arbeit kreist, dem er sich versucht anzunähern; diese Katatstrophe hat ihn, wie er sagt immer schon fasziniert. Er will keine moralischen Maßstäbe setzen, es ist seine Gier nach Wissen, was stimmt wirklich, seine Neugier der Geschichte und der Politik gegenüber, die ihn treibt. Helnwein sieht sich als durch und durch politischen Menschen, das politische Klima seiner Heimat (Österreich nach dem Krieg) hat ihn letztendlich dazu "gezwungen" Maler zu werden. In und durch seine Bilder versucht er Antworten zu finden.
Gottfried Helnwein: Face it!
10. März - 5. Juni 2006
Im großen Ausstellungssaal des Lentos Museums wird im Frühjahr 2006 eine umfassende Werkschau von Gottfried Helnwein präsentiert. Das Lentos organisiert damit die erste museale Schau des Künstlers in Österreich, seit er sein Geburtsland - Helnwein ist 1948 in Wien geboren - Mitte der 1980er Jahre verlassen hat. Nach Jahren in Deutschland ist Helnwein heute in Los Angeles und in Irland ansässig.
In Österreich ist Helnwein nach wie vor als "Provokateur" und "Schockkünstler" im Bewusstsein. Der Name Helnwein stand damals für hyperrealistische Darstellungen verletzter und verunstalteter Menschen, oft Kinder, sowie für Bildzitate aus der Populärkultur, vornehmlich aus der Welt des Carl Barks ("Donald Duck").
Angesichts der substanziellen Weiterentwicklung seines Werks, verbunden mit neuen Bildfindungen und dem Einsatz neuer Medien (digitale Fotografie, Video) gilt es, dieses Oevre heute umfassend zu betrachten. Dies erscheint nicht zuletzt auch im Kontext eines Booms neuer figurativer Malerei und angesichts des weitgehend durchgesetzten Bezugs auf Medienbilder sowie auf Populärkultur in der jungen Malerei interessant. Mit einem aktualisierten Blick auf Helnweins Bildsujets und seine Produktionsweise ist ein Künstler zu entdecken, der sich in erster Linie moralischen, emanzipatorischen Motiven verpflichtet fühlt und dessen Platz innerhalb der sogenannten "politischen" Kunst in vollem Umfang erst anzuerkennen ist.
Die Ausstellung wird etwa vierzig Werke aus allen Schaffensperioden seit den frühen 1970er Jahren versammeln. Sie ist gleichzeitig Retrospektive und Themenschau: Die Auswahl wird das Sujet des menschlichen Gesichts als Leitmotiv durch das Gesamtwerk verfolgen. Malerei und Zeichnung sind dabei ebenso vertreten wie - zum Teil malerisch bearbeitete - digitale Fotografie und Video.
Es erscheint ein Katalog im Verlag Christian Brandstätter, Wien.
Historisch- WIEN der 50er Jahre:
Bilder: historisches Wien der 50er Jahre, Arbeiterbezirk, Ausschnitte aus Hajek-Film
Micky & Co, historische Fotos Helnwein; Aufgewachsen in kleinbürgerlichen Verhältnissen in einem Wiener Arbeiterbezirk, die Eltern schwer katholisch empfand er seine Heimat einengend, unfrei, bedrückend.( geboren 1948, ein Nachkriegskind)
War ein schwieriges Kind, weil er sich gegen Regeln auflehnte, zuviel fragte und auf seine Fragen niemals Antworten bekam; in der Schule ein auffälliges Kind, hat sich manchmal im Unterricht mit Rasierklingen die Hände aufgeschnitten; das fließende Blut , das seine Hand überströmte empfand er als Zauberei, als wunderschön; hatte keinerlei Berührung mit Kunst und Kultur - erster Kontakt mit Bilderwelten -Comic: Donald!
Im Alter von 18 erkannte er, dass für ihn kein Platz in dieser Gesellschaft ist. Hatte eigentlich nie vor Maler zu werden, doch war & ist dieser Beruf für ihn der letzte Freiraum in der Gesellschaft. Eigene Gesetze und Regeln, Erkenntnis, dass man durch Bilderwelten Einfluß auf die Gesellschaft nehmen kann. Seine Anfänge als Maler sieht er wie das Agieren eines autistischen Kindes, bewusst distanziert zur Kunst, nahe der Trivialkultur. Bediente sich sämtlicher Stile und Techniken; arbeitet wie eine Wildsau, wie er sagt. In dieser Zeit entstehen so markige Sätze wie "von Disney hab ich mehr gelernt , als von Leonardo da Vinci". - stellt damit den Kunstbetrieb in Frage; Freundschaft mit Manfred Deix;
Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste, Arbeit an seiner ersten hyperrealistischen Serie verwundeter , gequälter Kinder; /unkeusche Kind, Mutter, du hier?, Führer , wir danken dir! - Hitler -Bild wird in der Akademie konfisziert - Helnwein erkennt die Macht & Magie von Bildern; Reaktion vom Publikum wird wichtig für ihn!
Bei seiner ersten Ausstellung im Wiener Künstlerhaus( erste Bandagierungsaktionen, + Auseinandersetzung mit dem NS-Regime) kleben Unbekannte Aufkleber mit "entartete Kunst" auf Helnweins Bilder.
Helnwein sucht nach einem Medium, um eine breite Öffentlichkeit mit seinen Themen zu konfrontieren. Arbeit für Polit- und Kulturmagazin Profil; viele Leser kündigen ihre Abbonements;( Selbstmord in Österreich, Helnwein zeigt ein kleines Mädchen, das sich die Pulsadern aufschneidet)
70er Jahre -Auseinandersetzung mit dem sogenannten "dritten Reich"
Erste Einzelausstellung in der Wiener Albertina; Aktion zum Internationalen Jahr des Kindes
Zum Thema Korrekturen; - Selektion wird ein Schlüsselwort für Helnweins Kunst ( Bild lebenunwertes Leben, in dem er die Verbrechen des Psychiaters Dr. Heinrich Gross im NS-Regime (Spiegelgrund) einer breiten Öffentlickeit bekannt macht.
Ende der 70er Jahre erste Studienreise nach Amerika; Beschäftigung mit Trivialhelden - und Mythen; Bilder H. Krankl, Peter Alexander, James Dean, Stones, Muhammed Ali;
Beschäftigt sich intensiv mit der Spaltung der Kunst in E - und U-Bereich; - bezeichnet dies als Apartheid Situation der Kunst des 20. Jahrhunderts. Bewusste Verweigerung der Museumskunst.
DEUTSCHLAND, 80er Jahre
Bilder: Schloß, wo Helnwein gelebt und gearbeitet hat, Arbeiten im öffentlichen Raum, Ausstellungen, Arbeit für Bühne; Archiv NS-Regime - Hitler-Deutschland
Thema Heimat: Österreich ist für ihn das Abgründige, das Schwarze, der Schmerz; für Helnwein kein Zufall, dass Sigmund Freud, Leopold von Sacher Masoch aus diesem Biotop kommen( oder Charakterköpfe Messerschmidt).
Helnwein fühlt sich in Österreich beengt, zieht nach Deutschland, um auf dem internationalen Kunstmarkt zu reüssieren. Suche nach Freiheit! Distanz zu Bekanntem, Vertrautem; erst durch diese Distanz ist ihm das Österreichische bewusst geworden, nur dadurch konnte er sich weiterentwickeln.
Radikaler Schnitt in seiner Malweise , setzt sich intensiv mit Tabubereichen und Begriffen wie " Untermensch", Entartete Kunst, Lebenunwertes Leben auseinander; Beginn einer Reihe von fotografischer Selbstinszenierungen zu sterbender Held, SS-Mann, Märtyrer, ...
Aufarbeitung des Nationalsozialismus, Beziehung Kunst & Kirche; auf der einen Seite ist für Helnwein die katholische Kirche die größte Verbrecherorganisation der Welt, auf der anderen Seite hat sie auch die größte Kunstexplosion aller Zeiten bewirkt; katholische Kirche umfasst für ihn alles - Apokalypse, Himmel & Hölle;
Ende 80er Jahre öffentliche Installation in Köln "Selektion - neunter november nacht " Arbeit zum Thema "Reichskristallnacht".
Will seine eigenen Grenzen überwinden- Arbeiten am Theater für Zadek, Flimm, Kresnik;
Kontrollwahn und Vorwürfe, er sei Mitglied, sogar Geistlicher der Sientology-Kirche( Helnwein klagte stets und gewann alle Prozesse) treiben Helnwein samt seiner Familie weg aus Deutschland. Empfindet Deutschland nach 12 Jahren als kafkaesk, die Menschen als besessen und fanatisch.( Neonaziszene erschreckend)
1997 IRLAND
Bilder: Schloß, Helnwein in seinem Atelier(alte Kapelle des Schlosses), Ausflüge mit Familie ans Meer, Besuch eines urigen irischen Pubs, Umgebung - Landschaft, Menschen, alte verfallene Kirchen; Bilder Helnwein;
In einem Schloß nahe der irischen Stadt Cork findet Helnwein für sich und seine Familie das richtige Klima und eine neue Freiheit. Irland wird für ihn zu dem Platz, den er immer gesucht hat, wo er frei und unabhängig arbeiten kann. - neben seinem Wohnsitz in Irland hat er zu diesem Zeitpunkt noch ein Atelier in New York. Er erkennt, dass er mehr und mehr nach Ruhe sucht als Basis für seine Arbeit. Ein inspirierender Ort, der viele Künstlerkollegen anzieht.
Arbeit an apokalyptischen Themen, Porträts Misshandelter, Gefolterter, Serie degenerierter Embryonen;
Zum Fürchten aktuell sein 4-teiliger Zyklus "Rammstein". Schon 1997 hatte Helnwein die Köpfe der germanischen Brachial-Band gequetscht und mit Klebebändern deformiert dargestellt. Seine Klebeband-Apokalypse wird im Fall Omofuma innenpolitische Realität in Österreich. Thema: Der Künstler als Seismograph.
Beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Glauben; Christentum, Calvinismus, Buddhismus, Weltreligionen, Sektentum in der Beziehung zur Kunst; Bilder wie z.B. "Anbetung der Könige" entstehen.
Thema Familie; seine Frau Renate und seine vier Kinder Cyril, Ali(nach Muhammed), Mercedes und Amadeus sind ihm Stütze und Ruhepol; kein Ort ist für ihn Heimat, sondern nur wichtige Menschen seines Lebens; lebt nach der Idee einer italienischen Großfamilie; Kinder immer das zentrale Thema in seinem Leben als auch in seiner Kunst gewesen. Arbeit mit Kindern unglaublich befruchtend, ein Lernprozeß. Ihre Unbefangenheit, ihr Ausdruck, ihre Gesten, ihr Zugang zu seinen Themen beeindrucken Helnwein.
USA/ LOS ANGELES
Bilder: Artist district - Loft Familie Helnwein + Atelier; heruntergekommenes Viertel in der Nähe von Little Tokio, unweit von down town; sickos( homeless) bevölkern die Straßen;
Famile, Freunde / Sean Penn, Marilyn Manson, Jason Lee(Sammler von Helnweins Kunst)
Arbeit im Atelier mit Manson , mit Sean Penn; an der Oper Los Angeles Zusammenarbeit mit Maximillian Schell an der Oper "Der Rosenkavalier" Helnwein ist für Bühnenbild und Kostüm verantwortlich.
Helnwein kauft ein loft im artist district in Los Angeles, um sich mit seiner Kunst auf dem amerikanischen Markt zu behaupten. Ausstellung in Museen im ganzen Land zwischen L.A., San Fancisco bis hinauf nach Washington. Helnwein ist anerkannter Künstler in den USA. Arbeit mit Maximillian Schell an der Oper in L.A.
Er ist ein unruhiger Mensch, der schwer sesshaft wird. Ein Getriebener , immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Helnwein braucht den Kontrast zwischen dem ruhigem Landleben in Irland und der aufgeheizten, schnellen Atmosphäre in Los Angeles.
Will sich mit Amerikas protestantisch-calvinistischer Ethik auseinandersetzen. Durch die unsäglich puritanische Tradition herrscht ein richtiger Bilderhass. Trotzdem für Helnwein faszinierend, weil L.A. für ihn der äußerste Punkt im Prozeß des Untergangs des Abendlandes ist. Eine anarchistische Stadt . Amerika ein Kontinent , in dem es nur noch um Profit geht, um entertainment, niemand kümmert sich um den anderen, es sei denn die Interessen der herrschenden multinationalen Konzerne werden berührt. Z.B. Helnwein gestaltete für den Schockrocker M.Manson das Cover einer CD, das der Zensur zum Opfer fiel. Manson mit riesengroßen Micky Maus Ohren! Helnwein, den mit Manson eine Art Seelenverwandtschaft verbindet, arbeitet an einem Manson-Zyklus, den er "The Golden Age of grotesque" nennt. ( shocking Manson mit Micky-Ohren) Gleichzeitig plant er mit ihm und seinem Freund dem Schauspieler und Regisseur Sean Penn an einem Film über Manson.
Alle drei verbindet ihre kritische Einstellung gegenüber dem Amerika George Bushs. Kontrollwahn seit 9/11, Zensur, wenig Bildung, Patriotismus wird schamlos von der Politik ausgenutzt - wer sich öffentlich äußert, bezahlt. Untergangsstimmung.
Installation zum 65. Jahrestag der sogenannten "Reichskristallnacht" im Simon Wiesenthal Center, dem museum of Tolerance.( auf Einladung von der jüdischen Gemeinde)
TEL AVIV
Bilder: Stadt, Menschen, , Politiker; Oper "der Rosenkavalier" / Premiere 17.3. - Reaktionen;
erarbeitet Videoinstallationen für das Bühnenbild; Mit seinen Bildern, die von apokalyptischen Visonen erzählen will Helnwein in Tel Aviv in den Dialog mit der Bevölkerung, mit den Machthabern treten, sie mit seinen Lebensthemen Schmerz und Gewalt , Politik und Religion konfrontieren. Mit seiner Kunst will Gottfried Helnwein eine gesellschaftspolitische Diskussion auslösen.
© Claudia Teissig/ April 2005




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