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May 27, 2015
Volksbühne Berlin
Die-120-Tage-von-Sodom
Die 120 Tage von Sodom
nach de Sade und Pasolini
40 Jahre nach dem Film von Pasolini hat Johann Kresnik in Zusammenarbeit mit Gottfried Helnwein den Stoff, geschrieben von Christoph Klimke, für Tanz und Schauspiel inszeniert. Uraufführung 27. Mai 2015.




Der wahre Faschismus, ich habe es schon gesagt und wiederhole es, ist der der Konsumgesellschaft..

Pier Paolo Pasolini, 1974




"The 120 Days of Sodom" after de Sade and Pier Pasolini, installation by Gottfried Helnwein, directed by Johann Kresnik, Volksbühne Berlin
2015






"The 120 Days of Sodom" after de Sade and Pier Pasolini, installation by Gottfried Helnwein, directed by Johann Kresnik
2015






"The 120 Days of Sodom" after de Sade and Pier Pasolini, installation by Gottfried Helnwein, directed by Johann Kresnik
2015, Volksbühne, Berlin





Helnwein working on the installation for the stage of "The 120 Days of Sodom", after de Sade and Pier Pasolini, collaboration with Johann Kresnik, Volksbühne Berlin
2015





"The 120 Days of Sodom" after de Sade and Pier Pasolini, installation by Gottfried Helnwein, directed by Johann Kresnik
2015
Der Drang zu konsumieren, ist der Drang, einem unausgesprochenen Befehl zu gehorchen. Wir sollen so sein wie die anderen: im Konsumieren, im Glücklichsein, im Freisein. Wir sollen alle gleich sein auf Befehl und anders sein ist das schwerste Verbrechen. Welch schöne Demütigung. Unser alleiniges Glück soll darin bestehen zu konsumieren.

Pier Paolo Pasolini
Der Traum des Centaur







Die 120 Tage von Sodom nach de Sade und Pasolini, Johann Kresnik, Gottfried Helnwein, Volksbühne Berlin
2015





2015
Der Konsumismus ist nichts anderes als eine neue Form des Totalitarismus, denn er ergreift alle Bereiche und treibt die Entfremdung bis zur äussersten Grenze der anthropologischen Verwahrlosung, ja bis zum Völkermord.

Pier Paolo Pasolini
Aus den Freibeuterschriften







Die 120 Tage von Sodom nach de Sade und Pasolini, Johann Kresnik, Gottfried Helnwein, Volksbühne Berlin
2015
Dem neokapitalistischen System gelingt es immer auf irgendeine Weise, diejenigen seiner Kinder verschwinden zu lassen, die weder gehorsam noch ungehorsam sind. Die Welt der Produktivität und der Konsumgesellschaft stossen sie aus, auf ihre Weise. Die Ordnung verlangt den totalen Gehorsam. In Wirklichkeit sind die Machtmenschen eben Masken. Ich bin sicher, dass, sollte man eine solche Maske lüften, man nicht einmal einen Haufen Knochen oder Asche finden würde: da wäre das Nichts, die Leere.

Pier Paolo Pasolini
Der Traum des Centaur







'The 120 Days of Sodom, based on de Sade and Pasolini, Johann Kresnik und Gottfried Helnwein, Volksbühne, Berlin
2015
'The 120 Days of Sodom, based on de Sade and Pasolini, Johann Kresnik und Gottfried Helnwein, Volksbühne, Berlin
2015
2015
Die Toleranz ist in der Tat nur eine künstliche, denn in Wirklichkeit war kein Mensch je normaler und konformistischer als der Konsument. Folglich ist diese neue Herrschaft in Wirklichkeit eine Form des “totalen Faschismus”.

Pier Paolo Pasolini
Aus den Freibeuterschriften




Die 120 Tage von Sodom

nach Marquis de Sade und Pier Paolo Pasolini


Der jüngste Reiter der Apokalypse

Vier Libertins verschanzen sich an einem entlegenen Ort mit ihren Opfern beiderlei Geschlechts. Ihre Macht erlaubt ihnen, sie in jeder Hinsicht zu befehligen. Perversion, Erniedrigung, sexuelle Gewalt, Mord füllen die Tage. Die Verbrechen werden in der Spirale der Willkür immer grausamer. Es bleiben wenige Opfer am Leben. Mord, schnell oder quälend, allein oder im Bund tötend, übertrifft nichts an menschlicher Barbarei. Gehen Lust und Ekstase mit dem Akt der Auslöschung einher, offenbart sich Sadismus in ausgeprägter Form.

Donatien Alphonse François de Sade, Zeitzeuge der Aufklärung, Protokollant des Bösen und Verbrechens, Namensgeber des Sadismus, schrieb „Die 120 Tage von Sodom“ 1785 in 37 Tagen in Miniaturschrift auf eine Rolle hauchdünnen Papiers hinter Kerkermauern. Mehrfach über Jahre eingebuchtet wegen seiner Gottlosigkeit, seines Lebenswandels, wegen Nötigung, versuchten Mordes und und und.

Die „120 Tage“ sind ein bizarres literarisches Frühwerk mit ausgeklügelter mathematischer Struktur. Anzahl der Personen, die Regeln und Verbote, die Hausordnung, die Tagesabläufe, einschließlich des Erlasses von Begierde und Vergewaltigung. Alles philosophisch untermauert mit einer geradlinigen Dramaturgie der steigenden Linie auf den konsequenten Punkt: Einer überlebt als Gott und Tyrann. Konsequenz der Konsequenz. Noch nicht bei de Sade.
Knapp 200 Jahre später prägt Pier Paolo Pasolini seine Sicht auf den Stoff mit seinem Film „Salò oder die 120 Tage von Sodom“ (1975), der 1944 in der Republik Salò, gegründet von Mussolini, spielt. Die SS sind Deutsche im Verbund mit der italienischen Bourgeoisie für die Freiheit: zum Begehen aller Verbrechen. Eine Ordnung im abgeschlossenen System, um umso mehr der Zerstörung und der Anarchie verfallen zu können. Auffällig Eleganz, Stil und Minimalismus im Gegensatz zur Effizienz der Grausamkeiten. Dem Schmerz des Opfers folgt das Gelächter des Folterers.

40 Jahre nach dem Film wird Johann Kresnik in Zusammenarbeit mit Gottfried Helnwein den Stoff, geschrieben von Christoph Klimke, für Tanz und Schauspiel inszenieren. Die Schicksale von verwahrten jungen Menschen, die Erzählungen grenzenloser Gewaltphantasien, auch an Säuglingen, das Philosophieren, das Verbrechen sei naturgegeben, der Klerus sei der größte Feind, lösen beim Leser/Zuschauer Angst vor dem Ansehen der Gewalt gepaart mit monolithischen sexuellen Perversionen und der Sicht vor dem Töten aus.

So wie Pasolini eine Auseinandersetzung mit dem Thema Faschismus im Sodom-Stoff gesucht hat, und er uns selbst den Hinweis auf unsere Gesellschaft gab, untersucht die Aufführung der Volksbühne eine neue, verborgene Form des Terrors: die Konsumgesellschaft. Pasolini beschreibt sie als Gleichschaltung der Interessen, hervorgerufen durch Verlust der Autonomien von Klassen und Gebieten mit gleichzeitigem Optimieren des Kapitalismus durch die Klasse der Konsumenten, deren Bedürfnisse durch Medien gesteuert werden. An diesem Punkt will die Aufführung ansetzen. Höllenkreise der Leidenschaft, der Scheiße und des Blutes werden durchlitten, Geld kauft Politik, beide kaufen Seelen. Der Mensch wird reduziert auf den Konsum. Die Bedürfnisse werden geweckt und bedient, ehe sie zu formulieren sind. Stimulation über den Warenrausch. Der Konsumfaschismus errichtet sein System von innen, und die Ideologie des Geldes schlägt erst einmal Wurzeln, über die der jüngste Reiter der Apokalypse mühelos hinweggaloppiert.   




2015
Capital must protect itself in every way... Debts must be collected and loans and mortgages foreclosed as soon as possible. When through a process of law the common people have lost their homes, they will be more tractable and more easily governed by the strong arm of the law applied by the central power of leading financiers. People without homes will not quarrel with their leaders. This is well known among our principle men now engaged in forming an imperialism of capitalism to govern the world. By dividing the people we can get them to expend their energies in fighting over questions of no importance to us except as teachers of the common herd.

J.P.Morgan




Die 120 Tage von Sodom nach de Sade und Pasolini, Johann Kresnik, Gottfried Helnwein, Christoph Klimke, Volksbühne Berlin
2015
“Free nations are peaceful nations. Free nations don't attack each other. Free nations don't develop weapons of mass destruction.”

George W. Bush
Midwest Airlines Center, Milwaukee, Wisconsin, October 3, 2003





God loves you, and I love you. And you can count on both of us ..

George Bush
Los Angeles, California, March 3, 2004








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