July 25, 1970
Kurier
Kultur
Karlheinz Roschitz
Wie sich der Tod maskiert
Bilder von Gottfried Helnwein in der Atrium-Galerie
Helnwein hat das Sterben als Leitfaden seiner Bilder gewählt. Mit feinst gespitztem Stift strichelt er die Maskeraden des unsichtbaren Todes, sein Wirken aufs Blatt: "Gretel Pastetel", popmondän und kapriziös, hält ihre ermordete Puppe im Arm, ein Kind schlachtet Brüderchen auf dem Feld, Blut rinnt aus Nase und Mund des kleinen Kommunistenfritz... Grau und blasse Rottöne werden mit feinem Farbempfinden einander gegenübergestellt. In Landschaften, auf Objekten und Kleidern blühen jugendstilhafte Pflanzenornamente, umranken die kühlen Bestandsaufnahmen der Angst, der Stille, des Verlöschens. Der hochbegabte junge Zeichner und Maler Helnwein stellt sich damit in die vorderste Reihe vielversprechender Talente.
Mit Arbeiten von Gottfried Helnwein, Schüler von Professor Hausner, eröffnet "Atrium"-Galerie-Manager Fritz Moser das funkelnagelneu adaptierte Art-Center im Keller in der Schwindgasse. Grellgelbe, kühngeschwungene Wandpfeiler, Spiegel und ein verwirrendes Geflecht von Aluminiumlüftungsröhren statt eines Plafonds, versetzen quasi in den Maschinenraum eines Dampfers.
Ein ungewöhnlicher Rahmen für Gemälde und Graphik, aber um so effektvoller!
Gemeines Kind
watercolor, colored pencil and pencil on cardboard, 1970, 30 cm x 15 cm / 11'' x 5''




back to the top