News Update
October 7, 1975
Kronenzeitung
Kultur
Erwin Melchart
Vom Horrortrip zum Seelenstrip
Galerie Brandstätter: Gottfried Helnwein-Zeichnungen
Von Gottfried Helnwein hat man im Wiener Ausstellungsreigen länger nichts gesehen. Er hat die Zeit und die damit verbundene Erfahrung genützt. Er hat sich verändert. Seine neuen, sensiblen Zeichnungen in der Galerie Brandstätter sind keine vordergründigen Gruselschocker.
"Ich bin im grossen meiner Thematik treu geblieben", weiss Helnwein, "immer noch beschäftige ich mit Problemen der Psychiatrie, der Pädagogik, mit sozialen Zwängen, mit den Korrekturen, den Regulierungen, die unsere Gesellschaft am einzelnen durchführt, und mit psychischem Terror."
In den vierzig gezeigten Blättern gelingt es Helnwein, die Gefahr der Geisterbahnmalerei zu überwinden. Mit locker gelöstem Strich symbolisiert er in aggressiven Aktionen, in Fallgruben, an Korrekturen und körperlich-seelischen Verkrampfungen seine Thematik, schafft aber durch den freieren, skizzenhafte hintergründigen Stil die nötige Distanz.
Vom Horrorschock zum Psychostriptease zwischenmenschlicher Beziehungen.
(Auszug)
Die Rinne (The Drain)
India-Ink on paper, 1975, 70 x 50 cm / 27 x 19''
Ausstellungskatalog, Galerie Brandstätter Wien
1975




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