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June 17, 2011
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Kultur
Sophia Felbermair
Die-Faszination-der-Sofortbilder
Die Faszination der Sofortbilder
Für diese großen Bilder, die unter anderen von William Wegman, Gottfried Helnwein und Peter Beard geknipst wurden, war eine extra angefertigte Kamera notwendig
Fertige Bilder auf Knopfdruck - was in Zeiten von Digitalkameras und Fotodrucker das Selbstverständlichste auf der Welt ist, erschien in den 1970er Jahren geradezu revolutionär. Auch viele Künstler, von Andy Warhol über Ansel Adams und Gottfried Helnwein, verfielen dem geradezu magischen Aspekt der Polaroid-Kameras und schufen - mit unterschiedlichsten Konzepten, aber mit demselben Originalmaterial - beeindruckende Werke.
Black Mirror, Self-Portrait
polaroid, 1987, 70 x 52 cm / 27 x 20''
Ob Collagen, als Fotoserien oder im Großformat: In der Wiener Galerie WestLicht sind nun in der Ausstellung „Polaroid (Im)Possible“ zahlreiche Werke aus der unlängst angekauften Polaroid-Sammlung zu sehen, mit der dem Gründer des Sofortbildunternehmens, Edwin Herbert Land, in den 1970er Jahren ein regelrechter PR-Coup gelang. Er ließ renommierte Fotografen und Künstler mit seinem Material experimentieren und baute an zwei Standorten, in den USA und in Europa, Sammlungen auf. Er schuf damit einen wahren Kult um die Sofortbildkameras.
Wie in der Ausstellung zu sehen ist, beschränkte sich die Arbeit des Unternehmens nicht ausschließlich auf die gemeinhin bekannten Kleinbildformate mit dem berühmten weißen Rahmen. So lenken auch Werke im außergewöhnlichen Großformat (50 mal 60 Zentimeter) die Blicke auf sich, die durch beeindruckende Schärfe und Farbqualität fast ebenso bestechen wie durch die Motive.
Spezialkamera für Riesen-Polaroids
Für diese großen Bilder, die unter anderen von William Wegman, Gottfried Helnwein und Peter Beard geknipst wurden, war eine extra angefertigte Kamera notwendig. Mit 1,50 Metern Höhe und einem Gewicht von 106 Kilogramm thront dieser Spezialapparat im Zentrum der Ausstellung. Jan Hnizdo, ehemaliger Chief-Operator bei Polaroid, reiste jahrelang mit der Kamera in einem Transporter durch die Lande, um sie Künstlern zur Verfügung zu stellen - eine Tradition, die er nun auch wieder aufleben lässt: Unter Hnizdos Anleitung werden bekannte österreichische Fotografen mit der Kamera arbeiten dürfen.
Untitled
polaroid, 1987, 70 x 52 cm / 27 x 20''
Mit dem Konkurs von Polaroid 2008 wurde die Produktion der Sofortbildfilme zwar eingestellt - durch die Initiative der unter anderen vom Wiener Florian Kaps gegründeten Firma Impossible erleben sowohl die Filme als auch die Sammlung eine Fortsetzung. Das Unternehmen hat die letzte intakte Polaroid-Filmfabrik im niederländischen Enschede gerettet und die Produktion dort wieder aufgenommen - für einen theoretisch riesigen Kundenstamm, denn geschätzte 300 Millionen funktionstüchtige Polaroid-Kameras sollen angeblich weltweit nach wie vor im Umlauf sein.
Jubiläumsjahr in der Galerie WestLicht
Für Coeln ist der Zeitpunkt, zu dem er nun diese international beachtete Ausstellung präsentieren kann, ein ganz besonderer, feiert er doch in diesem Jahr gleich zwei runde Jubiläen. Vor genau 20 Jahren eröffnete er das kleine Leica-Geschäft in der Westbahnstraße, das erste international, das den Namen der Traditionsmarke verwenden durfte.
Genau zehn Jahre später, der Leica-Shop hatte sich längst etabliert und diente als Vorbild für weltweit mehr als 50 Dependancen, gründete eine private Initiative von Fotoliebhabern rund um Coeln die Galerie WestLicht als gemeinnützigen Verein „zur Förderung der Fotografie in Symbiose von Fotografien und Apparaturen“.
Viel beachteter Ankauf
Mit dem Ankauf der europäischen Polaroid-Sammlung, den Coeln Anfang des Jahres bekanntgab, ist ihm wieder ein Jahrzehnt später der nächste große Schachzug gelungen, der neben internationaler Beachtung auch Kritiker auf den Plan rief - mehr dazu in Polemik um Polaroid-Sammlung.
Für den WestLicht-Leiter, der mit seinen Mitarbeitern in nur drei Monaten nach dem Ankauf eine sehenswerte Auswahl der Bilder präsentiert, ist die Polaroid-Sammlung zweifellos ein fantastisches Geburtstagsgeschenk. Eine logische Fortsetzung wäre für den Leica-Liebhaber „eine Polaroid-Kamera mit Leica-Objektiv“, wie Coeln bei der Präsentation der Ausstellung scherzte. „Impossible“, konterte Kaps.
TV-Hinweis
Der „kultur.montag“ in ORF2 zeigt mit „Die Magie des Augenblicks - ein Wiener rettet das Sofortbild“ in „art.genossen“ am Montag um 23.30 Uhr einen Beitrag über Florian Kaps und das „Impossible Project“ - mehr dazu in tv.ORF.at.
Sophia Felbermair, ORF.at




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