May 30, 1992
Die Rheinpfalz
Thomas Petri
48 berühmte Frauen porträtiert
Pfalzgalerie zeigt in einer Ausstellung Werke von Gottfried Helnwein
Aus seinen Gemälden und auch Aktionen, die er parallel dazu initiiert hat, spricht die Betroffenheit, die die Opfer von Gewalt, die Schwachen und Wehrlosen in ihm wachrufen; und Helnwein provoziert mit seiner Kunst einen Schock, der zum Nachdenken über Gewalt und Terror - wie das 1989 in Öl und Acryl auf Leinwand gearbeitete Bild "Landschaft" über die Flugzeugkatastrophe von Ramstein - zwingt und anregt. Helnwein fordert seinen Betrachter zu Zustimmung oder Ablehnung auf, wie Gisela Fiedler-Bender in ihrem Vorwort im Katalog schreibt - ein Mittelmaß ist nicht möglich.
Antonin Artaud
mixed media (oil and acrylic on canvas), 1990, 131 cm x 167 cm / 51'' x 65''
Wer kennt sie nicht, die Portraits, Covers und Plakate von Gottfried Helnwein, seine Gemälde, Zeichnungen und Aquarelle, die schonungslos und schockierend das Grausame der Realität hinausschreien? In der Pfalzgalerie besteht die Möglichkeit, sich eine Auswahl der Werke des weltbekannten Künstlers anzuschauen. Morgen, Sonntag, eröffnet Dr. Gisela Fiedler-Bender um 11 Uhr die Ausstellung, in der über 70 Aquarelle, Öl-Pastelle, Zeichnungen und Gemälde aus den 80er und 90er Jahren - darunter die "48 Portraits" berühmter Frauen -, vier großformatige Polaroid-Aufnahmen und etwa ein Dutzend fotografierten Portraits berühmter Köpfe enthalten sind.
Der 1948 in Wien geborene Künstler lebt seit etwa sieben Jahren in Burgbrohl in der Eifel - für die Pfalzgalerie Anlaß, den im Bundesland beheimateten Künstler, der demnächst auch parallel in San Francisco ausstellen wird, in einer Sonderausstellung zu würdigen. Helnwein erhielt seine Ausbildung an der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt und der Akademie der Bildenden Künste in Wien.
Mit Gemälden und Aquarellen von Kindern erregte er bereits während seiner Studienzeit die Aufmerksamkeit. "Unorthodox", wie Helnwein sagt, arbeitete er Anfang der 70er Jahre mit Buntstift, Aquarell und allem, was ihm unter die Finger kam. Als Vorlagen dienten ihm Zeitschriften, vor allem Elternzeitschriften, für sein erstes großes Thema "Kind". Vor dem Hintergrund der "Morbidität" und Kinderfeindlichkeit seiner Heimatstadt Wien und deren "repressiven Klima" hat Helnwein sich besonders der gequälten und verwundeten Kinder angenommen - als "eine Art Protest", wie Helnwein dies charakterisiert.
Aus seinen Gemälden und auch Aktionen, die er parallel dazu initiiert hat, spricht die Betroffenheit, die die Opfer von Gewalt, die Schwachen und Wehrlosen in ihm wachrufen; und Helnwein provoziert mit seiner Kunst einen Schock, der zum Nachdenken über Gewalt und Terror - wie das 1989 in Öl und Acryl auf Leinwand gearbeitete Bild "Landschaft" über die Flugzeugkatastrophe von Ramstein - zwingt und anregt. Helnwein fordert seinen Betrachter zu Zustimmung oder Ablehnung auf, wie Gisela Fiedler-Bender in ihrem Vorwort im Katalog schreibt - ein Mittelmaß ist nicht möglich.
Bekannt sind Helnweins Portraits in Aquarell auf Papier von "Idolen und Mythen", wie der Künstler eines seiner Beschäftigungsfelder nennt: Hans Krankl, den WM-Helden von 1978 im Spiel gegen Deutschland, Peter Alexander, James Dean, Keith Richards, Mick Jagger oder Donald Duck.
Helnweins letztes Projekt ist die im vergangenen Jahr entstandene Serie "48 Portraits" berühmter Frauen in Öl, Acryl und Ink-Jet auf Leinwand; jedes dieser Porträts mißt 70 auf 55 Zentimeter und zeigt berühmte Frauen, wie Hannah Arendt, Josephine Baker, Simone de Beauvoir, Maria Callas, Marlene Dietrich, Gertrude Stein oder Mileva Einstein, um nur ein paar zu nennen.
Einen eigenen Raum in der Pfalzgalerie nehmen die Fotografien Gottfried Helnweins ein. Der Künstler wollte keine neutralen Gesichter, ablichten, sondern - seinem Interesse für's Gesicht entsprechend - bekannte Leute. Auf Bromöldruckpapier hat Helnwein Portraits von Willi Brand, Andy Warhol, Clint Eastwood, Michael Jackson, Arno Breker oder William Borroughs abgezogen. Mit einer großformatigen Polaroidkamera hat Helnwein Selbstportraits und Portraits seines Sohns Ali - seine Kinder nehmen in seiner künstlerischen Arbeit einen großen Raum ein - aufgenommen.
Eines der ausgestellten Helnwein Bilder, das 1990 entstandene monochrome (grünblau) Portrait in Öl, Acryl und Ink-Jet auf Leinwand von Antonin Artaud möchte die Pfalzgalerie für Ihre Sammlung erwerben. Zur Ausstellung liegt ein ausführlicher Katalog mit einem Text von Gisela Fiedler-Bender vor. In der Pfalzgalerie sind die Werke Helnweins bis 5. Juli zu sehen. Anschließend wandert die Ausstellung ins Kunstmuseum Thun/Schweiz.




back to the top