International Press
October 4, 2013
Stern Magazin
Hamburg
Gottfried-Helnwein
Gottfried Helnwein
Die Köpfe der blutüberströmten Kinder sind bandagiert, ihre Augen sind leer, gequält durch aufgespannte Folterinstrumente: Der österreichische Maler Gottfried Helnwein schockt seit dem Beginn seiner Karriere mit blutrünstigen Bildern von gequälten menschlichen Kreaturen.

Wien - Die Köpfe der blutüberströmten Kinder sind bandagiert, ihre Augen sind leer, gequält durch aufgespannte Folterinstrumente: Der österreichische Maler Gottfried Helnwein schockt seit dem Beginn seiner Karriere mit blutrünstigen Bildern von gequälten menschlichen Kreaturen.

Dabei ziehen sich Abbildungen von Kindern wie ein roter Faden durch seine Werke. "Ich bin immer wieder beim Kind gelandet", sagt Helnwein in Interviews immer wieder. Am Dienstag (8. Oktober) wird der Maler und Fotograf 65. Jahre alt.

Große Proteste löst der stets in schwarz gekleidete Maler mit den gewalttätigen Bildern schon länger nicht mehr aus. Der dargestellte Missbrauch und die Misshandlungen wird nicht mehr wie einst als Provokation empfunden, sondern als ein Finger in die Wunden legen.

Er porträtierte Schock-Rocker Marilyn Manson und machte Cartoon-Figuren wie Mickey Mouse salonfähig. Besonders die Beschäftigung mit den Disney-Charakteren veränderte sein eigenes Leben stark: "Von Donald Duck habe ich mehr gelernt als in allen Schulen, die ich besucht habe", sagte Helnwein im Mai in Wien.

Seine eigene Kindheit im Wien der Nachkriegszeit habe er als bedrückend empfunden: "Wien war damals ein wahrhaft dunkler und schrecklicher Ort." Mit den ersten Comicheften rund um Mickey Mouse habe sein Leben erstmals einen Sinn gehabt: "Es war wie das Betreten eines utopischen Paradieses."
Seine ersten Werke bringen ihm in seiner Heimatstadt den Ruf eines "Blut-und-Narben-Malers" ein, doch er macht auch international auf sich aufmerksam. Als Grafiker gestaltet er die Titelbilder von Magazinen wie "Spiegel", "Esquire", "Time" und "Playboy". Sein "Selbstporträt" von 1981 als Plattencover der Band Scorpions - ein schreiender Mann mit bandagiertem Kopf und Gabeln in den Augen - pinnen sich reihenweise Jugendliche als Kultposter an die Wand.
In der Zwischenzeit ist seine Kunst in der Szene anerkannt. In den vergangenen Jahren stellt Helnwein verstärkt in den USA aus. Zu seinem Geburtstag widmete ihm auch die Wiener Albertina eine große Retrospektive. Noch bis Mitte Oktober sind 200 Arbeiten vom Beginn seiner Karriere bis hin zu den jüngsten Werken in seiner Heimatstadt zu besichtigen.
Auch Ausflüge in die Oper wagte der Maler: Etwa bei "Der Ring des Nibelungen" 2006 in der Bonner Oper. Für das Bühnenbild, das er mit reichlich spritzendem Theaterblut, viel Flammen und jeder Menge an SS-Männer erinnernden Kriegern in Szene gesetzt hat, erhielt er viel Applaus.
Eine Karriere im ursprünglichen Sinne habe er nie angestrebt, sagte er rückblickend: "Ich wollte keine Bilder verkaufen, sondern sie nur machen." Konservativer ist der einstige Revolutionär, der seine kinnlangen Haare mit Stirnbändern bändigt und stets verdunkelte Sonnenbrillen und viel Schmuck trägt, jedenfalls geworden: Er lebt auf einem Schloss in Irland, ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder.
Helnwein at work
2011
Studio Los Angeles
2011
at the studio
2010




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