International Press
October 21, 2017
shz
Wedel-Schulauer Tagblatt, Schleswig Holsteinischer Zeitungsverlag
Inge Jacobshagen
Weltbekannt-und-umstritten-Gottfried-Helnwein-Bilder-kommen-ins-Ernst-Barlach-Museum
Weltbekannt und umstritten - Gottfried Helnwein-Bilder kommen ins Ernst-Barlach Museum
Das Ernst-Barlach Museum zeigt ab November Bilder des Ausnahmekünstlers Gottfried Helnwein
Nach Markus Lüpertz und Friedensreich Hundertwasser kann das Ernst Barlach Museum den nächsten großen Namen präsentieren. Ab dem 6. November wird der Künstler Gottfried Helnwein seine Bilder im Wedeler Haus an der Mühlenstraße zeigen. „Das Kind“ heißt die Schau, die neben Malereien auch Zeichnungen und Fotografien ausstellt.
Wedel | Nach Markus Lüpertz und Friedensreich Hundertwasser kann das Ernst Barlach Museum den nächsten großen Namen präsentieren. Ab dem 6. November wird der Künstler Gottfried Helnwein seine Bilder im Wedeler Haus an der Mühlenstraße zeigen. „Das Kind“ heißt die Schau, die neben Malereien auch Zeichnungen und Fotografien ausstellt.

„Helnwein ist einer der kompromisslosesten Künstler der Gegenwart“, befindet Museumsleiter Jürgen Doppelstein über den weltweit bekannten Österreicher, der mit seiner Kunst  schockieren will. In seinem Werk setze sich Helnwein überwiegend mit den Themen Schmerz, Verletzung und Gewalt auseinander – gleichermaßen  den Körper und die Psyche betreffend. „Seine künstlerischen Interventionen sind von einer schmerzhaften Unmittelbarkeit, deren emotionale Energie sich direkt auf den Betrachter überträgt“, sagt Doppelstein.

Mit seinen Darstellungen von verletzten, malträtierten Kindern will Helnwein liebgewordene kindertümelnde Bildvorstellungen angreifen. „Die Menschen sind empört, beleidigt, peinlich berührt, verunsichert, verwirrt und fühlen sich bedroht durch ein Stück Leinwand mit ein paar Milligramm Farbe darauf“, sagt der  Künstler selbst über seinen Arbeiten. Die Betrachter wüssten sogar, dass die Bilder nur Fiktion sind. Und dennoch: „Im Fernsehen können sie Kriege, Morde, Folter und Tote ansehen, ohne ein Problem damit zu haben. Von einem Stück Leinwand hingegen werden sie aus der Bahn geworfen.“

Der Anblick sei manchmal kaum auszuhalten, findet auch Doppelstein. Blut, Narben, Wundmale und Bandagen: Sanfte Kindergesichter sind bei Helnwein oftmals durch Verletzungen furchtbar entstellt. Was aber bedeute das schon gegen die täglich von vielen Millionen von Kindern erlittenen Schmerzen, Qualen und Folterungen?, fragt der Museumsleiter. „Helnwein denunziert die Kinder nicht“, betont Doppelstein. „Er greift unsere Neigung an, vor dem Leiden der Anderen die Augen zu verschließen“. Die Bilder würden das Leid der Kinder aus dem Persönlichen ins Universelle heben und damit die Blindheit und Abgestumpftheit des Betrachters als auch die Sucht nach heiler Welt und die Angst vor der Realität als etwas zutiefst Unmoralisches entlarven.

„Im Moment des Erschreckens vor der plakativen Wahrheit erkennen wir, was das Ganze zusammenhält: die Gewalt und das Böse“, analysiert Doppelstein. Das Böse halte paradoxerweise die Menschheit in dem Maße gefangen, in dem es die einzelnen Menschen voneinander trennt und bedroht. „Und es ist diese Dialektik, die Helnwein in seiner Kunst zu einer Ästhetik des Schmerzes verdichtet“,  so der Museumsleiter. Genau das mache seine Relevanz aus, genau das zeige die kunsthistorische Bedeutung des Künstlers, hebt Doppelstein hervor.

Geplant ist, die Ausstellung bis  April 2018 zu zeigen.






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