January 1, 1979
Profil
Wien
Gerhard Mayer
Helnwein -Zeichnungen: Schön und Schaurig
"Sie wanden sich über meiner Kehle; ihre kalten Lippen suchten die meinen; halb war ich erstickt unter ihrem würgenden Druck: ein Ekel, für den die Welt keinen Namen hat, preßte mir die Brust zusammen, und jagte eisige Schauer durch mein Herz." Je mehr sich Helnwein in eine Zeichnung vertiefte, desto dunkler und düsterer wurde sie: Finster und drohend schwärzen sich Gebäude und Menschen. Ein Laternenträger strahlt so nicht mit einem gleißenden Lichtkegel Klarheit in die Dunkelheit, sondern er strahlt ein finsteres, drohendes Kraftfeld aus. Mitunter fraß sich dann Helnweins Rasierklinge in die schwarzen Zeichnungen und zog Lichtstreifen in die Bilder, die das Geheimnissvolle der Szenen nur verstärkten.
Sie wanden sich über meiner Kehle; ihre kalten Lippen suchten die meinen; halb war ich erstickt unter ihrem würgenden Druck: ein Ekel, für den die Welt keinen Namen hat, preßte mir die Brust zusammen, und jagte eisige Schauer durch mein Herz."
Für diese Szene aus Edgar Allan Poes Erzählung "Grube und Pendel" zeichnete Gottfried Helnwein mit Tausenden Federstrichen die "Faszination des Grauens": In den Klauen der Inquisition liegt der Delinquent unter dem sausenden, rasiermesserscharfen Pendel, das sich langsam auf ihn niedersenkt; während ihm unzählige Kanalratten die Lederfesseln zernagen.
Solche Alptraumszenen wählte Helnwein für sein Poe-Zyklus. Mit 60 Zeichnungen stattete er 13 Schauergeschichten des amerikanischen Erzählers aus. Als Buch und Ausstellung präsentieren sich jetzt Helnwein's Poe-Interpretationen. Sie sind ein schaurig-schöner Ausflug in schweißtreibende Angstträume voll lauernder, heimstückischer Gefahren, geheimnisvoller Bedrohungen und unterbewußter Schrecken.
Helnwein, der Schockmaler, sieht seinen Poe als den großen Gruselmeister, der selbst, ständing an der Schwelle von Angst und Wahnsinn schreibend, in seinen Geschichten eine suggestive Geisterbahn schuf. So will er ihn auch gezeichnet haben: nicht mit den plakativen Schockeffeckten siner Bilder, sondern den subtilen, düsteren Horrorschatten seiner Federzeichnungen.
Je mehr Helnwein in eine Zeichnung vertiefte, desto dunkler und düsterer wurde sie: Finster und drohend schwärzen sich Gebäude und Menschen. Ein Laternenträger strahlt so nicht mit einem gleißenden Lichtkegel Klarheit in die Dunkelheit, sondern er strahlt ein finsteres, drohendes Kraftfeld aus. Mitunter fraß sich dann Helnweins Rasierklinge in die schwarzen Zeichnungen und zog Lichtstreifen in die Bilder, die das Geheimnissvolle der Szenen nur verstärkten.
Für Zeichner Helnwein ist sein Poe-Zyklus eine weitere Route auf seiner Expedition durch die von ihm noch unerforschten Gebiete visueller Darstellung. Den Weg bahnt er sich mit Konzentration und vollem Einsatzt. An den Poe-Zeichnungen arbeitete Helnwein sechs Monate lang täglich zwölf Stunden.




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