Internet
December 17, 2003
Offenbach-Post online
Holger Strehl
Die Wiederauferstehung der Groteske
Marilyn Manson in Frankfurt
Mit seinem aktuellen Album „The Golden Age Of Grotesque“ hat Marilyn Manson mit seiner gleichnamigen Band einen weiteren, künstlerischen Schritt gewagt. Beeinflusst und inspiriert wurde der Sänger, Maler und Prediger Marilyn Manson während seiner Arbeit an der Lyrik durch die Epoche der Groteske. Die von den Nazis verbotene Kunstrichtung aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts paarte Manson mit einer provokant in Szene gesetzten Leni-Riefenstahl-Ästhetik. Unterstützt wurde er beim Design der Show von Österreichs Ausnahmekünstler Gottfried Helnwein, der einen nicht unwesentlichen Beitrag zur visuellen Umsetzung der Manson-Groteske beisteuerte. Eine überdimensionale von Helnwein gestaltete Büste des Schock-Rockers zierte bei „Fight Song“ die Bühne, auf dem Kopf zwei Mickey-Maus-Ohren, die gleichen, die auch das Haupt des Sängers zierten. Von einer drei Meter hohen Kanzel predigte der Provokateur und rief auf zum Kampf gegen Unterdrückung und Fremdbestimmung, als wollte er förmlich durch seine bizarren Bilder und durch sein narzisstisches Auftreten wachrütteln.
The Golden Age, (Black Mirror 3)
photograph, 2003, 80 x 200 cm / 31 x 78''
Pünktlich zum 2. Advent kam der „Antichrist“ nach Frankfurt, um in der Festhalle seine „Grotesque Bourlesque“ vorzustellen. Der Titel der Show verspricht Verheißungsvolles, denn sein Name ist ebenfalls Programm: Gemeint ist der gepriesene, verhasste, verehrte und gefürchtete Rockstar Marilyn Manson. Von vielen Kritikern verschrien, gilt er als die Verkörperung der Provokation, der Ekstase und der Gewalt. Viele Mütter sehen es nicht gerne, wenn ihre minderjährigen Töchter blass geschminkt und mit einer verrissenen Strumpfhose bekleidet das Haus verlassen, um mit Gleichgesinnten auf einem „Rock´n´Roll-Maskenball“ ihrem Star zu huldigen.
In vielen Wohnzimmern Frankfurts schimmerte der Schein der Adventskerzen, als sich Marilyn Manson im dichten Bühnennebel aus seinem chrom-schwarz blitzenden Thron erhob. Schwere Violinen-Klänge untermalten das Erscheinen der zwei riesigen MM-Runen, die rechts und links hinter dem Lichtschleier erstrahlten. Schwermütig und schleppend schritt der hagere, blasse Künstler zum Bühnenrand, als brachiale Rocksounds die Festhalle beschallten und sie förmlich überfluteten. Die knapp 10.000 Besucher ließen ihren Emotionen freien Lauf. Selbst auf den Rängen hielt es niemand auf seinem Sitzplatz, als Manson „This Is The New Shit“ anstimmte.
Mit seinem aktuellen Album „The Golden Age Of Grotesque“ hat Marilyn Manson mit seiner gleichnamigen Band einen weiteren, künstlerischen Schritt gewagt. Beeinflusst und inspiriert wurde der Sänger, Maler und Prediger Marilyn Manson während seiner Arbeit an der Lyrik durch die Epoche der Groteske. Die von den Nazis verbotene Kunstrichtung aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts paarte Manson mit einer provokant in Szene gesetzten Leni-Riefenstahl-Ästhetik. Unterstützt wurde er beim Design der Show von Österreichs Ausnahmekünstler Gottfried Helnwein, der einen nicht unwesentlichen Beitrag zur visuellen Umsetzung der Manson-Groteske beisteuerte.
Eine überdimensionale von Helnwein gestaltete Büste des Schock-Rockers zierte bei „Fight Song“ die Bühne, auf dem Kopf zwei Mickey-Maus-Ohren, die gleichen, die auch das Haupt des Sängers zierten. Von einer drei Meter hohen Kanzel predigte der Provokateur und rief auf zum Kampf gegen Unterdrückung und Fremdbestimmung, als wollte er förmlich durch seine bizarren Bilder und durch sein narzisstisches Auftreten wachrütteln. Manson ließ sich wie in einem guten Varieté für jeden Song eine neue, abartige, skurrile und selbstironische Live-Umsetzung einfallen. In wechselnder Garderobe stellte sich Marilyn Manson sichtlich gerne in den Mittelpunkt, ob nun mit künstlich verlängerten Gliedmaßen oder im langen Zebra-Pelzmantel mit Zylinder.
Er präsentierte in Vollendung den Gegensatz in seiner Kunst, die sich schon in seinem Synonym widerspiegelt. Sein Name beinhaltet gleichwohl die Ikone Marilyn Monroe als auch den ominösen Serienkiller Charles Manson. Nichts ist einseitig gut und nichts einseitig böse. Dies ist die Moral der „Grotesque Bourlesque“, die deutlich vermittelt wurde und eine eindrucksvolle Atmosphäre erzeugte.




back to the top