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October 19, 2003
ORF
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Michael Höck
Manson und Helnwein: Fruchtbare Zusammenarbeit
Marilyn Manson arbeitet eng mit dem österreichischen Maler und Grafiker Gottfried Helnwein zusammen, der seit einem Jahr in Los Angeles ein Atelier betreibt.
Ganz in diesem Sinne hat sich Manson gemeinsam mit dem aus Österreich stammenden Künstler Gottfried Helnwein einem uramerikanischen Symbol für Erfolg, Integrität und Moral gewidmet.
Helnwein hat das Cover des neuen Manson-Albums gestaltet und laut eigener Aussage Tausende Bilder des Rocksängers angefertigt, die in die Bilderwelt der Manson-Videos eingeflossen sind.
Schnittpunkt: Starke Reaktionen
Manson gilt als Schockrocker, Helnwein wird oft als "Schockmaler" bezeichnet. "Kunst, die keine starken Reaktionen auslöst, hat keinen Wert. Helnwein hat das verinnerlicht und entspricht damit genau dem Kern meiner Musik", beschreibt Manson im "Spiegel" die Zusammenarbeit.
Vertraute Einflüsse
Manson mache "hervorragende Performancekunst", sagte Helnwein. Der Rockstar arbeite mit ähnlichen Einflüssen wie er selbst.
"Aus irgendeinem Grund ist mir alles, was er macht - wie er empfindet, wie er denkt und arbeitet - völlig vertraut", so der Künstler im "Kurier".
Faszinierende Verwandlung
An der Figur Marilyn Manson fasziniere ihn "das Prinzip der ständigen Verwandlung, Erneuerung und Selbsterfindung" und dass es der Musiker schaffe, auch Jugendliche und Leute zu erreichen, die sich wenig mit Kunst auseinander setzen.
Verletzungen als Hauptthema
Helnwein wurde mit fotorealistischen Selbstporträts bekannt. Als schreiender Blinder zierte der gebürtige Wiener Plakate, Magazin- und LP-Cover. Verletzungen gelten als zentrales Thema seiner Arbeiten.
Schon 1966 sorgte er als Schüler der Höheren Grafische Lehr- und Versuchsanstalt mit Selbstverstümmelungsaktionen für Aufsehen.
Als Student an der Akademie für bildende Künste malte er erste hyperrealistische Bilder von verwundeten Kindern.
Kunst des Trivialen
Später befasste sich Helnwein mit Trivialästhetik. Seine liebsten Comic-Motive waren Donald Duck und Micky Maus.
Sein Theaterplakat für Peter Zadeks "Lulu"-Produktion in Hamburg sorgte 1988 wegen der Darstellung eines nackten Frauenunterleibs für einen handfesten Skandal.
Kritischer Beobachter
Der Künstler, der eng mit dem Karikaturisten Manfred Deix befreundet ist, spürte in seinen Arbeiten noch immer gegenwärtige NS-Ideologie auf, thematisierte die hohe Selbstmordrate in Österreich, hinterfragte die Rolle der katholischen Kirche und sprach sich gegen Krieg aus.

Der österreichische "Schockmaler" Gottfried Helnwein setzt das Manson-Universum grafisch um.




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