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April 1, 2005
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Ludwig Museum Schloss Oberhausen
Gottfried Helnwein – Beautiful Children
Vom 19. Juni bis 2. Oktober zeigt die Ludwig Galerie Schloss Oberhausen mit den Kinderbildern das zentrale Thema des umstrittenen Künstlers. Und auch mit dieser Ausstellung überschreitet Helnwein erneut Grenzen und polarisiert, indem er das Kind nicht als unschuldiges und liebenswertes, sondern als verletztes, entblößtes, gedemütigtes und misshandeltes Wesen darstellt.

[ruhr-guide] Mit abgewandtem Blick sitzt die Mutter im Gottfried Helnwein: Epiphany I (Die Anbetung der Könige), 1996, Mischtechnik auf Leinwand, 210 x 333cmZentrum der Darstellung und hält auf ihrem Schoß einen unbekleideten Jungen. Es ist das klassische Bild der Madonna mit Kind. Doch in Gottfried Helnweins Gemälde "Epiphany I (Die Anbetung der Könige)" aus dem Jahr 1996 ist das heilige Paar umringt von Männern in SS-Uniformen. Maria und das Jesuskind werden von Nazioffizieren bestaunt – ein Skandal. Das Kind blickt den Betrachter direkt an. Man kann sich diesem Blick kaum entziehen und wird Teil und Täter an dem unerhörten Vorgang, bei dem die Grundlagen des Christentums mit dem Terror der jüngsten deutschen Vergangenheit verknüpft sind.
Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, mit Gewalt und Terror und mit dem Schrecken des Holocaust Gottried Helnwein: Peinlich, 1993, Farbstift, Aquarell und Tusche auf Zeichenkarton, 60 x 35 cmthematisiert Helnwein immer wieder in seinen Bildern. Das zentrale Thema in seinem gesamten Werk ist jedoch das Kind, das nicht als unschuldiges und liebenswertes, sondern als verletztes, entblößtes, gedemütigtes und misshandeltes Wesen gezeigt wird. So, wie sich Helnwein in seinen vielen Selbstbildnissen dargestellt hat, schreiend, verletzt oder bandagiert, überträgt er diese theatralischen Inszenierungen nun auf das Kind und stilisiert es so zum Märtyrer.
Am Beispiel des Kindes führen den Betrachter Helnweins Bilder schonungslos die Leidensfähigkeit des Menschen vor Augen. Das Schockierende seiner Darstellungsweise ist, dass er die lieb gewordenen Klischees von der glücklichen Kindheit zerstört und den Betrachter zum Mitwisser, Augenzeugen und Mittäter macht. Und damit kommt er der Realität, wie sie in den TV-Nachrichten nur allzu oft berichtet wird, unverschämt nahe und vermag durch seine Kunst den Menschen ihre Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit vor Augen zu führen.
Helnwein selbst sieht die Welt am liebsten durch die Augen Gottfried Helnwein: Kuss, 2004, digitale Fotografie, 120 x 184 cmdes Kindes: "Jedes Erziehungssystem zu allen Zeiten und in allen Gesellschaften hatte immer nur ein Ziel: Menschen gefügig zu machen, sie zu brechen." Und so stellt er das Kind als gefügig gemachtes, gebrochenes Wesen dar und er enthüllt zudem die subversive Kraft hinter den malträtierten, Fratzen schneidenden Grimassen: die Kraft der Unschuld und des Widerstandes, der Beharrlichkeit und des Ungehorsams. Es sind verbotene, äußerst beunruhigende Bilder, weil sie radikal mit der Idee von der heilen Kindheit brechen, weil sie mit Tabus konfrontieren und die Grundsätze der Gesellschaft in Frage stellen.
Dabei kann sich der Betrachter der Faszination dieser Bilder kaum entziehen. Durch Helnweins neue Technik verschmilzt in den Bildern die minutiöse Detailgenauigkeit der Fotografie mit dem inneren Leuchten altmeisterlicher Malerei. Was wie fotografierte Wirklichkeit erscheint, erweist sich bei genauem Hinsehen als gemalt. Seine Bilder über das Kind, aber auch über die Katastrophen der Geschichte und unserer Zeit erscheinen dem Betrachter deshalb irritierend vieldeutig. Wie in seinen Porträts von Arno Breker bis Andy Warhol, Che Guevara und Marilyn Manson verschwimmen die Themen Schein und Sein, Maske und Gesicht, Bild und Wirklichkeit bis zur Unkenntlichkeit.
Im Jahr 2004 wurde dieses zentrale Thema in Helnweins Werk in der Ausstellung "The Child" im San Francisco Fine Arts Museum präsentiert. Mehr als 123.000 Besucher sahen diese schockierenden und zugleich faszinierenden Bilder, die jetzt erstmals in diesem Umfang in Deutschland zu sehen sind. Die Schau "Gottfried Helnwein – Beautiful Children" entstand in enger Zusammenarbeit von Künstler, Ludwig Galerie und Wilhelm-Busch-Museum Hannover. Nach der ersten Station in Hannover zeigt die Ludwig Galerie Schloss Oberhausen die Ausstellung in wesentlich erweiterter Form.
Gottfried Helnwein – Beautiful Children
19. Juni bis 2. Oktober 2005
Ludwig Galerie Schloss Oberhausen
Konrad-Adenauer-Allee 46
46042 Oberhausen
0208 - 412 49 28
Öffnungszeiten:
Di bis So 11.00 – 18.00 Uhr




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