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June 19, 2011
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Area Striker
Gottfried Helnwein - die stille der unschuld
die (kino)doku über den grossmeister des hyperrealen horrors lässt mich als zuschauer ganz neue töne und farben wahrnehmen.
draussen trommeln die schweren tropfen gegen die fenster. eine laute, donnernde sommernacht. 
auf 3 sat läuft eine doku über einen der wenigen wirklichen österreichischen weltstars, über gottfried helnwein. 
es sollen zwei spanndende stunden werden, die mich total in ihren bann ziehen. wie macht er das eigentlich, der helnwein?
Gottfried Helnwein (* 8. Oktober 1948 in Wien) ist ein österreichisch-irischer Künstler.
Helnweins Œuvre umfasst absolute Gegensätze: Das Triviale, etwa der Disneykultur, wechselt ab mit Untergangsvisionen der Seele, die Göttlichkeit des Kindes kontrastiert mit Horrorbildern von Kinderschändung. Sein Grundthema bleibt die Gewalt, das physische und seelische Leid, das ein Mensch dem anderen zufügt. Der Künstler variiert dieses Thema innerhalb zweier Komplexe, die sich über viele Jahre hin durch sein Werk ziehen.
setzt Helnwein sich mit sich selbst als Künstler auseinander. Der bandagierte Mensch, mit chirurgischen Instrumenten gefoltert, schreit seine Qualen hinaus. Helnwein zeichnet das Künstlerporträt eines auf Leiden reduzierten Menschen. Damit steht er in der spätmittelalterlichen Tradition des Schmerzensmannes. Helnwein geht einen Schritt weiter als Nauman, dessen Video Clown-Folter den Künstler als lächelnden Narren der Welt porträtiert. Es geht Helnwein nicht nur um sich selbst als Außenseiter der Gesellschaft. Der Künstler als Märtyrer, so heißt es bei Peter Gorsen, erhalte eine zentrale Bedeutung in Helnweins Werk, weil es zur Projektionsfläche des Weltgeschehens wurde. Zum autobiografischen Gehalt seines Selbstporträts sagte der Künstler in einem Interview: „Damit meine ich überhaupt nicht mich, sondern ich nehme mich, weil ich jederzeit als Modell verfügbar bin: Was ich meine, ist einfach einen ‘Menschen’.“ Von diesem handeln die Selbstbildnisse – vom leidenden, verletzten, unterworfenen, gefolterten Menschen, dem nur noch der verzweifelte Schrei bleibt.[7]
Der Wiener Kunsthistoriker, Direktor der Albertina, Klaus Albrecht Schröder bezeichnet das von Helnwein mehrfach variierte Selbstporträt mit verbundenem Kopf, den von Wundklammern geblendeten Augen und dem aufgerissenen schreienden Mund als selbstevidente Metapher für die elementare menschliche Bedingung heutiger Existenz[8]
Anlässlich der Ausstellung Melancholie – Genie und Wahnsinn in der Kunst (Neue Nationalgalerie, Berlin, Galeries nationales du Grand Palais, Paris, 2006) schreibt Moritz Wullen in seinem Essay Black Box – Der schwarze Innenraum des melancholischen Bewusstseins in der Bilderwelt des 20. Jahrhunderts: „In einer fotografischen Inszenierung Gottfried Helnweins erhebt sich der Künstler, fäulnisschwarz und monumental wie das Mahnmal einer letzten Einsicht: ‘So ist Verzweiflung, diese Krankheit im Selbst, die Krankheit zum Tode. Der verzweifelte ist todkrank. Der Tod ist nicht das letzte der Krankheit, aber der Tod ist in einem fort das Letzte…“ [9]
Roland Recht, Direktor des Musée d’Art Moderne in Straßburg, sieht Helnwein als Teil einer Tradition in der österreichischen Kunst, die bis ins 18. Jahrhundert zurückgeht, zu der auch Künstler wie Messerschmidt, Schiele, Rainer, Nitsch und Schwarzkogler zählen, die in ihrer Arbeit den eigenen Körper als Ort von Verletzungen, Schmerz und Tod darstellen.[10]
Helnwein zählt zu den bekanntesten, aber auch umstrittensten deutschsprachigen Künstlern nach dem Zweiten Weltkrieg. Bekannt wurde er vor allem durch seine hyperrealistischen Bilder von verwundeten und bandagierten Kindern. In seinem gesamten Schaffen setzt er sich mit den Themen Schmerz, Verletzung und Gewalt auseinander, und berührt dabei auch Tabu- und Reizthemen der jüngeren Geschichte.
So wird insbesondere auch das Thema Nationalsozialismus in seinen Werken verarbeitet; im Zentrum seiner Arbeit steht aber vor allem die Darstellung des Kindes.
… bemerkt wikipedia ein bisschen trocken.
elnwein selbst – immer perfekt gestylt, mit passender kopfbinde und (sonnen)brille – als haupt- und nebendarsteller in einem grossartigen künstler portrait. zwischen irland und los angeles, zwischen grünen landschaften und abgefuckten factories, immer an bildern in seinen ateliers arbeitend, kratzend, malend – chirurgisch präzise, minimaler atelier schmutz, trotzdem: helnwein trägt beim malen chirurgen handschuhe.
seine foto sessions mit den “bandagierten” kindern wirken freundlich grotesk – das grausame unerträgliche entsteht durch das bild erst im auge, im hirn des betrachters.
eine der schönsten szenen im film: helnwein besucht schwarzenegger im büro und sie sprechen gemeinsam über ein bild von helnwein in arnies konferenz zimmer: eine riesen cinemascope ansicht kalifornischer gegend und wüste, an der der künstler drei jahre gearbeitet hat.
…. naja und tausend andere kleine geschichten, die dieses portrait absolut sehenswert machten. die einblicke in des künstlers familien leben sind  authentisch, sympathisch. echt cool,  der typ!!! … und meint über sich und seine arbeit:
“Und der Tag, an dem mich die gesamte Spießergesellschaft umarmen würde, wäre der Tag, an dem ich meine künstlerische Arbeit beenden würde. Dann wüsste ich, ich habe etwas falsch gemacht.”
“Die Stille der Unschuld – Der Künstler Gottfried Helnwein”
Claudia Schmid, Deutschland 2009, 116 Min.
Eine BilderSturm FilmproduKtion in Koproduktion mit dem Westdeutschen Rundfunk
“Hyperrealistische Darstellungen verletzter, missbrauchter Kinder. Appelle gegen das kollektive Verdrängen. Ein Spiel mit Gegensätzen: Unschuld und Schrecken, Ohnmacht und Gewalt, Schönheit und Leid. Mit seiner »Schockästhetik« provoziert der österreichische Maler und Fotokünstler Gottfried Helnwein seit über 30 Jahren. Das Portrait eines Unbequemen. Filmemacherin Claudia Schmid hat Gottfried Helnwein zwei Jahre lang begleitet und ihn in verschiedenen Schaffensprozessen in seinem Schloss in Irland und in seinem Atelier in Los Angeles beobachtet. Dabei gibt der Film einen sensiblen Einblick in die Intensität des künstlerischen Prozesses und in Helnweins persönliches Umfeld. In der Verbindung von filmischer Beobachtung und Gesprächen über Kunst, Politik und Gesellschaft entstand ein dichtes Portrait über einen kompromisslosen künstlerischen Provokateur.”
(quelle: helnwein.at)

Post Published: 19 Juni 2011
Author: Area Striker
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Tags: gottfried helnwein




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