Selected Articles
March 21, 2006
ORF
Helnweins Rückkehr
Retrospektive und Themenschau zugleich: "Face It" im Linzer Kunstmuseum Lentos.
"Provokateur", "Schockkünstler": Sein "altes" Image hat Gottfried Helnwein in Österreich nicht richtig ablegen können, seit er das Land vor 20 Jahren verlassen hat. Nun widmet das Linzer Kunstmuseum Lentos dem Kunststar, der in Los Angeles und Irland lebt, eine umfassende Werkschau - und bietet damit die Gelegenheit, einen neuen Blick auf Helnwein zu werfen.
Untitled (Payton 2)
mixed media (oil and acrylic on canvas), 2005, 160 x 106 cm / 62 x 41''
Gesichter a la Helnwein
Insgesamt 40 Bilder werden bis 5. Juni gezeigt. Der Schwerpunkt liegt bei großformatigen Werken, die großteils noch nie in Österreich zu sehen waren.
Es handle sich bei "Face It" gleichzeitig um eine Retrospektive und Themenschau, heißt es aus dem Lentos. Im Mittelpunkt steht das Motiv des menschlichen Gesichts; dazu hat der Künstler Exponate aus seinem gesamten Werk ausgewählt.
Auch die für Helnwein typischen Selbstporträts sind ausgestellt. Frühe Bilder mit bandagierten Körpern und Gesichtern sind genauso zu sehen wie jüngste Arbeiten, die die Ikonografie des Nationalsozialismus zum Inhalt haben.
Umstrittener Hyperrealismus
Vor einem Vierteljahrhundert etablierte sich Helnwein vor allem durch seine Titelbilder und Illustrationen für das Nachrichtenmagazin "profil". Die für Helnwein typischen hyperrealistischen Darstellungen verletzter und verunstalteter Menschen stießen nicht immer auf Gegenliebe;
"Klischees aus den 70ern"
"Zu meiner Überraschung erinnern sich Leute immer noch an mich, aber die meisten haben einfach irgendwelche Klischees aus den 70er Jahren im Kopf", so Helnwein.
Heute erlebt nicht nur die figurative Malerei einen neuen Boom, Helnwein hat auch seine Produktionsweise weiterentwickelt. Er setzt neue Mittel wie digitale Fotografie - zum Teil malerisch bearbeitet - und Video ein und hat sich an Popkultur und Medien angedockt. Zahlreiche Bilder im Lentos dokumentieren etwa Helnweins Zusammenarbeit mit "Schockrocker" Marilyn Manson.
Brücke zu Hollywood
"Ich arbeite mit vielen verschiedenen Medien sehr eklektizistisch. Ich glaube, das ist die einzige Form, in der man als Künstler heutzutage mit so viel Information umgehen kann. Ich mache Fotografie, Malerei, Bühnenbilder, Videos", so Helnwein.
Derzeit arbeite er auch mit Sean Penn an einem Filmprojekt: "Diese Grenzüberschreitung ist für mich immer ganz wichtig gewesen. Für mich gibt es diese Barriere zwischen verschiedenen Medien oder Stilen nicht so sehr."
"Feuer unter dem Arsch"
Eines ist über die Jahre hinweg gleich geblieben: Helnweins Bilder lösen nach wie vor heftige Reaktionen aus. "Es ist ein notwendiger Prozess, und ich glaube auch, dass Kunst auch immer wieder aufregen muss", erklärt der Künstler. "Eine wichtige Funktion der Kunst ist, dass sie den Bürgern ein bisschen Feuer unter dem Arsch macht."
Einfach nur zu schockieren sei aber nie seine Absicht gewesen: "Das wäre ein dümmlicher Beweggrund, irgendwas zu machen. Meine Arbeit war eigentlich immer ein Versuch, mit dem, was auf mich einwirkt, zurechtzukommen oder darauf zu reagieren, und manchmal auch, sich zu wehren oder zurückzuschlagen."
Die Ausstellung
"Gottfried Helnwein - Face It", Lentos Kunstmuseum Linz, 10. März bis 5. Juni, täglich außer dienstags von 10.00 bis 18.00 Uhr, donnerstags von 10.00 bis 22.00 Uhr.
Epiphany I (Adoration of the Magi)
mixed media (oil and acrylic on canvas), 1996, Denver Art Museum
Links:

* Lentos
* Gottfried Helnwein

ORF.at
Retrospektive des Donald-Duck-Zeichners
Helnwein und Deix planen eine Themenausstellung über Carl Barks und seinen Einfluss auf europäische Künstler.
Neue Deix-Schau
Zum fünfjährigen Bestehen des Karikaturmuseums wurde in Krems gerade die neu gestaltete Dauerausstellung "Deix in the City" eröffnet. Helnwein, der mit dem österreichischen Karikaturisten und Satiriker eng befreundet ist, hielt die Laudatio zur Vernissage.
Links:

* Carl Barks (Wikipedia)
* Karikaturmuseum Krems
* Gottfried Helnwein




back to the top