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December 20, 2006
Kurier
Kultur
Henriette Horny
Interview mit Gottfried Helnwein
Ein-kuenstlicher-Erpel-der-die-Herzen-anruehrt
Ein künstlicher Erpel, der die Herzen anrührt
Gottfried Helnwein und Manfred Deix gestalten 2007 für das Karikaturmuseum Krems eine Donald Duck-Ausstellung
Helnwein: "Donald besteht eigentlich nur aus einer schwarzen Linie, die ein Wesen darstellt, das gar nicht wie ein Mensch aussieht, - aber trotzdem gibt es kein Werk in der gesamten Kunstgeschichte, das menschliche Emotionen besser darstellen konnte, als dieser künstliche Erpel. H. C. Artmann sagte einmal, Donald sei der einzige Mensch, der uns heute noch etwas zu sagen habe".
Der bekennende Donald-Duck Fan Helnwein spricht über die Ente und sich selbst:
Was fasziniert Sie an Donald Duck?
Donald besteht eigentlich nur aus einer schwarzen Linie, die ein Wesen darstellt, das gar nicht wie ein Mensch aussieht, - aber trotzdem gibt es kein Werk in der gesamten Kunstgeschichte, das menschliche Emotionen besser darstellen konnte, als dieser künstliche Erpel.
Wann haben sie Donald kennen gelernt?
In meiner Kindheit. Damals war Wien dunkel wie die Vorhölle. In diese Leere trat Donald Duck wie ein Erlöser, und berührte unsere Kinderherzen zutiefst.
Wo ordnen sie Disney ein?
Das Werk Walt Disneys steht für mich von der Bedeutung her, auf einer Stufe mit dem Michelangelos oder Leonardos. Im 20 Jahrhundert sind Picasso und Disney die großen Revolutionäre und auch Antipoden der Kunst.
Es gibt viele Disney-Kritiker. Wie stehen sie zum Disney Konzern?
Walt Disney war ein großer Visionär und genialer Künstler, unglaublich vielfältig. Er hat Konzepte von Idealwelten bis zu Trickfilmen entwickelt. Eine andere Entität ist der Disney Konzern. In den USA werden Konzerne wie Kriege geführt. Unter der Leitung von Michael Eisner wurde Disney zu einem total kommerziellen Betrieb. Die Famile Disneys stand dem sehr kritisch gegenüber.
Donald Duck war in Europa extrem populär. Wie war das in Amerika?
In Amerika musste Donald gegen eine Phalanx von Superhelden konkurrieren. Die Sieger- und Supermacht USA wollte in den 50er Jahren vor allem stiernackige Muskelprotze, in engen Trikots und Superkraften sehen.
Wir europaischen Nachkriegskinder konnten uns aber sehr gut mit dem Verliere Donald identifizieren. H. C. Artmann sagte einmal, Donald sei der einzige Mensch, der uns heute noch etwas zu sagen habe.
Sie zentrieren die Ausstellung auf Carl Baks, zeichnerischen und textlichen Erfinder von Donald Duck. Interessieren sie spätere Versionen nicht?
Ich glaube, Baks, war der genialste Comiczeichner. Ich war immer der Meinung, dass Comic Kunst eine bedeutende Kunstrichtung des 20. Jahrhunderts ist, die in Museen gezeigt gehört. Nicht nur die schlechten aufgeblasenen Kopien von Roy Lichtenstein, sondern auch die Originale.
In Europa liest man heute Mangas in den USA regieren weiterhin Superhelden. Stirbt Donald aus?
Nein, Donald wird bleiben, wie die Mona Lisa oder die Guernica. Er ist jenseits aller Modeströmungen.
Sie leben in den USA und in Irland....
Ich könnte nicht nur in Amerika leben. Ich bin zutiefst Europäer. Los Angeles ist aber ein guter Platz um den Untergang des Abendlandes zu studieren.
Wie empfinden sie Irland?
Ich wohne da wie ein Renaissance Fürst im Kreise meiner grossen Familie - in einem historischen Gebäude, das aussieht wie die Duckenburg, das Stammschloss der Ducks. Später will ich dort noch ein Waisenheim und eine Bio-Farm mit vielen Tieren gründen.
Wie ist ihre Beziehung zu Wien?
Was ich wirklich vermisse, ist der Wiener Dialekt. Ich halte ihn für die beste Sprache der Welt. Meine Kinder sprechen besser Englisch als Deutsch. Ich habe mir vorgenommen, mit meiner kleinen Enkelin, die in der Schule Englisch und Gälisch lernt, nur im ordinarsten Wiener Dialekt zu sprechen, damit die Tradition erhalten bleibt.
Carl Barks
Carl Barks
Widmung von Carl Barks
1985




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