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March 17, 2007
Oberösterreichische Nachrichten
Irene Judmayer
Interview mit Gottfried Helnwein
Wo Donald duckt ...
Anlässlich der Ausstellung "Donald Duck - Die Ente ist Mensch geworden" im Karikaturmuseum Krems
Helnwein: "In Europa hat Donald eine viel grössere Bedeutung erlangt als in seinem Geburtsland Amerika, wo er mit einer Phalanx von aufgeblähten, stiernackigen Super-Heroes in engen Trikots konkurieren musste. Amerika war damals auf dem Höhepunkt seiner politischen und wirtschaftlichen Macht und strotzte nur so vor Selbstbewusstsein und Allmachtsphantasien, die sich auch in in ihren neuen Mythen ausdrückte. Zwischen Superman, Captain America, den Power Rangers, oder was sie sonst noch an phantasievollen Namen hatten, mit ihren gewaltigen Oberweiten und den Fähigkeiten durch die Lüfte zu zischen, Energiestrahlen auszusenden, die alles versengten, was da kreuchte und fleuchte, oder Wolkenkratzer zerkrümmeln zu können, als ob sie Kekse wären, - dagegen nahm sich dieser bleiche, schmalschultrige Erpel im Matrosenjäckchen und ohne Hose doch ein bisschen ärmlich aus. Für uns Kinder in Österreich und Deutschland, deren Eltern gerade den 2ten Weltkrieg verloren, und uns eine gewisse Leere und Ratlosigkeit hinterlassen hatten, war der Verlierer und Pechvogel Donald hingegen eine sehr gute Identifikationsfigur."
Keiner quakt so schräg wie er, keiner hat so einen prächtigen Bürzel,
keiner ist so ein Pechvogel: Donald Duck. Künstler und „Donaldist“ Gottfried Helnwein gestaltet im Karikaturmuseum Krems eine Ausstellung (ab 24. 3.) über die weltberühmte Comicfigur.
Was fasziniert Sie (neben der perfekten Zeichnung) persönlich an dieser Figur des Künstlers Carl Barks?
Carl Barks war bereits 34 als sich sein Traum erfülte, vom Zeichnen leben zu können. In der Zeit der Depression, in der grosse Arbeitslosigkeit herrschte, wurde er von Walt Disney in seine damals schnell expandierende Kunstfabrik in Burbank aufgenommen. Donald existierte zu diesem Zeitpunkt bereits. Ursprünglich war er nur als Hintergrund- oder Nebenfigur in den Zeichentrickfilmen gedacht, aber er drängte sich, gegen den Willen seiner Schöpfer, ständig in den Vordergrund und begann bald sogar mit Micky zu konkurieren. Letztendiglich blieb er aber nichts als eine aufdringlich schnatternde und quäckende Comic-Kreatur. Bis zu jenem denkwürdigen Tag, als er seinen Erlöser traf, der aus ihm einen Menschen machen sollte: Carl Barks. Umgekehrt hat aber Donald auch Barks erlöst und aus einem durchschnittlichen Witzzeichner einen der bedeutendsten Künstler des Abendlandes gemacht.
Es war einer jener magischen Augenblicke in der Menschheitsgeschichte, wo eine neue Kultur geboren wurde.
Für uns Nachkriegskinder hat Barks das Tor in eine neue Dimension aufgestossen und uns einen Blick ins Jenseits gestattete, das nun einen neuen Namen hatte: Entenhausen.
Haben Sie selbst Wesenszüge, von denen Sie sagen können, hier steckt der Donald Duck auch in Ihnen?
In Europa hat Donald eine viel grössere Bedeutung erlangt als in seinem Geburtsland Amerika, wo er mit einer Phalanx von aufgeblähten, stiernackigen Super-Heroes in engen Trikots konkurieren musste. Amerika war damals auf dem Höhepunkt seiner politischen und wirtschaftlichen Macht und strotzte nur so vor Selbstbewusstsein und Allmachtsphantasien, die sich auch in in ihren neuen Mythen ausdrückte.
Zwischen Superman, Captain America, den Power Rangers, oder was sie sonst noch an phantasievollen Namen hatten, mit ihren gewaltigen Oberweiten und den Fähigkeiten durch die Lüfte zu zischen, Energiestrahlen auszusenden, die alles versengten, was da kreuchte und fleuchte, oder Wolkenkratzer zerkrümmeln zu können, als ob sie Kekse wären, - dagegen nahm sich dieser bleiche, schmalschultrige Erpel im Matrosenjäckchen und ohne Hose doch ein bisschen ärmlich aus.
Für uns Kinder in Österreich und Deutschland, deren Eltern gerade den 2ten Weltkrieg verloren, und uns eine gewisse Leere und Ratlosigkeit hinterlassen hatten, war der Verlierer und Pechvogel Donald hingegen eine sehr gute Identifikationsfigur.
Wissen Sie noch, wann Sie das erste Mal in Ihrem Leben mit Donald Duck in Kontakt kamen?
Wir lebten damals in Favoriten, einem traditionellen Arbeiterbezirk Wiens, der zu jener Zeit zur sowjetischen Besatzungszone gehörte und ich kam mir vor wie in einem schlechten Stummfilm in Zeitlupe.
-Bis eines Tages mein Vater vom Büro nach Hause kam und das erste Micky Maus Heft mitbrachte. Als ich es öffnete, und zum ersten mal heiligen Entnerhausener Boden betrat, hatte ich mein Damaskuserlebnis.
Ist er eigentlich Ihre Entenhausener Lieblingsfigur? (Falls nein: welche dann?)
Für mich ist und war Donald immer die zentrale Lichtgestalt Entenhausens.
- Der Ort an dem ich meine schönsten Stunden verbrachte, war allerdings Onkel Dagoberts Geldspeicher. Es war mir stets ein Hochgenuss gemeinsam mit dem alten Bankier Duck in dessen Taler zu springen, darin herumzuwühlen wie ein Maulwurf und sie in die Luft zu werfen, dass sie uns auf die Köpfe prasselten.
Nach welchen Kriterien haben Sie die Ausstellung für das Karikaturmuseum Krems zusammengestellt?
Eine grosse Zahl von Originalseiten, Titelblättern, Skizzen und Figurinen sollen die Entwicklung Donalds von den Anfängen im Trickfilm bis zu den Barksschen Höhepunkten veranschaulichen.
Darüberhinaus sollen die Ausstellung und der Katalog aber auch eine Ahnung davon geben, wie sehr dieser Donald des Carl Barks die Herzen einer ganzen Generation von Künstlern in ihren Kindertagen berührt und inspiriert hat.
Warhol, Lichtenstein, Steven Spielberg, George Lucas, Robert Crumb, Deix, aber auch H.C. Artmann, Urs Widmer, Peter Handke, Rainald Götz und Robert Schindel haben Donald in ihren Werken Tribut gezollt. Unter ihen auch zwei Nobelpreisträger für Literatur: Elfriede Jelinek hat ein anrührendes Stück Prosa über Ahörnchen und Behörnchen und deren schwieriges Verhältnis zu Donald geschrieben, und Günter Grass konfrontiert die Familie Duck in seinem Gedicht "Advent" aus dem Jahr 1967, mit den Schrecken des Wettrüstens.
Theodor W. Adorno hat einmal gesagt: «Donald Duck in den Cartoons wie die Unglücklichen in der Realität erhalten ihre Prügel, damit der Zuschauer sich an die eigenen gewöhnen kann.»
Oder um es mit den Worten Erika Fuchs' auszudrücken: «Sicus, Picus, Sellericus! – Auf Deutsch: Da haben wir den Salat.»
Carl Barks
Donald Duck ....und die Ente ist Mensch geworden
Das zeichnerische und poetische Werk von Carl Barks
Karikaturmuseum Linz
25. 03. 2007 bis 04. 11. 2007
www.karikaturmuseum.at

Katalog
147 Seiten
Hardcover
ISBN 3-902407-04-2
Carl Barks und Gottfried Helnwein in Grants Pass, Oregon
1992




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