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March 29, 2009
WAZ
Britta Bingmann
Steiger Awards: Ein glanzvoller Abend
Bochum. Die fünfte Verleihung der Steiger Awards holte wieder viele große Namen
Von Steilmann zur Ferres, zu Roman Herzog, zu Gottfried Helnwein: Der Steiger Award schafft neue, ungewohnte Verbindungen. Guido Westerwelle plaudert angeregt mit Bob Geldof, David Frost gesellt sich dazu. „Das ist das Tolle an dieser Gala, dass es hier wirklich um die Sache geht, dass man nicht immer wieder die gleichen Gesichter sieht”, sagt Sabine Christiansen. So begeistert ist sie offenbar, dass sie zum Schlussbild aller Preisträger prompt mit auf die Bühne kommt – dabei war sie diesmal doch nur Laudatorin.
Sir Bob Geldof and Gottfried Helnwein
2009
Bochum. Die fünfte Verleihung der Steiger Awards holte wieder viele große Namen wie Veronika Ferres, Sir Bob Geldof und Maximilian Schell ins Ruhrgebiet. Die Gala wurde politischer als sonst, aber nicht weniger unterhaltsam. Und überraschte mit vielen eindringlichen Momenten.
Es braucht schon viel Liebe zur Industriekultur, um bei der Anfahrt durch Stahlhausen an einen glanzvollen Abend zu glauben. Ob jemand wie Maximilian Schell bei dieser trostlos-trüben Anfahrt zum Roten Teppich nicht lieber gleich das Weite sucht? Er bleibt – und schwärmt: „Ein toller Abend, vier Stunden unter Freunden.”
Keine Frage: Die Verleihung der Steiger Awards hat Glanz. Der Abend ist weniger bunt, viel politischer als in den Jahren zuvor, aber nicht weniger unterhaltsam. Launig plaudern Laudatoren und Preisträger, aber es gibt auch einige Momente, die berühren, Bilder mit großer Symbolkraft: Romano Prodi und Alexander Kwasniewski, Arm in Arm, strahlend – wie ein gutes Team nach einem gewonnenen Doppel. Spontanen Applaus gibt es, als der Pole sagt: „Wir brauchen mehr Europa.”
Besonders bewegend aber die Verleihung des Steigers an Klaus Steilmann. Die Turnerinnen vom TV Wattenscheid bedanken sich mit einer Gymnastik-Kür auf der Bühne bei ihrem Mäzen. Der fast 80-Jährige, gesundheitlich sichtlich angeschlagen, aber hellwach wie immer, erzählt anschließend, wie es zu der Förderung kam: „Der Mistkerl von Präsident des deutschen Turnerbundes hat das Projekt Olympia einfach beendet, die zugesagten Gelder für die Mädchen einfach nicht gezahlt. Da hab ich das dann eben übernommen.” Nein, auf den Mann ist Steilmann nicht gut zu sprechen: „Dass der es gewagt hat, zur Eröffnung dann noch nach Wattenscheid zu kommen. . .”
Bestenfalls belächelt wurden die Steiger Awards, als sie vor fünf Jahren zum ersten Mal verliehen wurden. Die Tugenden des Steigers zu ehren – Offenheit, Mut, Geradlinigkeit – und das mit Glanz und Gloria, schien absurd. Doch wer will jetzt noch zweifeln an dem Konzept, wenn Veronika Ferres in Anlehnung an einen Sinnspruch versichert: „Wenn wieder einmal Schatten sind in meinem Leben – und ich versichere Ihnen, die gibt es in meinem Leben auch – dann wird dieser Preis mir helfen, mein Gesicht wieder der Sonne zuzuwenden.”
Ungewohnte Verbindungen
Von Steilmann zur Ferres, zu Roman Herzog, zu Gottfried Helnwein: Der Steiger Award schafft neue, ungewohnte Verbindungen. Guido Westerwelle plaudert angeregt mit Bob Geldof, David Frost gesellt sich dazu. „Das ist das Tolle an dieser Gala, dass es hier wirklich um die Sache geht, dass man nicht immer wieder die gleichen Gesichter sieht”, sagt Sabine Christiansen. So begeistert ist sie offenbar, dass sie zum Schlussbild aller Preisträger prompt mit auf die Bühne kommt – dabei war sie diesmal doch nur Laudatorin.
Aber nicht nur sie möchte gerne dazugehören. Das Ruhrgebiet, es hat an diesem Abend viele Freunde. Da wird Solingen, die Heimatstadt von Veronika Ferres kurz mal eingemeindet. Auch Dolly Buster, viel bestaunter Dauergast beim Steiger, erzählt, sie freue sich besonders über dieses tolle Event, weil sie schließlich im Ruhrgebiet wohne. Ob Wesel sich über diese Sichtweise freut, sei dahingestellt.
Politische Dankesrede
TV-Journalist Sir David Frost versichert vehement, natürlich habe er Bochum schon vorher gekannt. Nur Dieter Hallervorden, Preisträger in der Rubrik Entertainment, frotzelt: Zuerst habe er den „Steiger” für eine Art Treppenlift gehalten und als er dann hörte, dass er ihn in Bochum abholen muss: „Ich wusste doch, dass die Sache einen Haken hat.”
Dann wird es wieder ganz ernsthaft: In seiner eindringlichen Dankesrede, sicher einer der Höhepunkte des Abends, fordert Preisträger Bob Geldof die Bundesregierung auf, beim G 20-Gipfel in London eine klare Botschaft zu senden: Auch in der großen Krise dürfe Deutschland die armen Länder nicht aus dem Blick verlieren, müsse die Hilfe weitergehen. „Nur wenn wir die Tugenden des Steigers nicht vergessen, seine Hartnäckigkeit, seine Menschlichkeit”, so der Musiker und Afrika-Aktivist, „dann können wir die Zukunft meistern. Nur dann wird es besser werden.”
Hungrige Gäste
Aber um nicht in Bedeutungstiefe zu ertrinken: Hungrig sei er, deswegen mache er es kurz, frotzelt „Sir Bob”, der eigentlich gar kein Sir ist, sondern „nur” Ritter – um sich Sir nennen zu dürfen müsste er Engländer sein. Gero von Boehm, der eine gute Stunde später schließlich das Lebenswerk von Maximilian Schell würdigt, witzelt: Sir Bob sei inzwischen wahrscheinlich unterzuckert. (War er nicht, ihm wurde zwischenzeitlich kulinarisch geholfen.) Doch bis zehn Uhr müssen sich die 450 Gäste doch gedulden, bis das Büffett offiziell eröffnet wird. Mit nur einer dreiviertel Stunde Verspätung ist das für Steiger-Verhältnisse quasi geradezu pünktlich.
Nein, an der Planung gebe es wirklich nichts zu meckern, meint denn auch Moderator Cherno Jobatey, der mit seinem gewohnt jungenhaften Charme lässig durch den Abend führt. „Klar, andere Galas sind kürzer. Aber nur weil die weniger Leute haben.” So viel Promi-Power, das sei schon selten. „Und einem Maximilian Schell, dem hört man schließlich gerne auch ein bisschen länger zu.”
Dr. Antje Vollmer, former speaker of parliament and Gottfried Helnwein
2009
Former president of Germany Prof. Dr. Roman Herzog (tolerance)
2009
Maximilian Schell
2009
Veronica Ferres
2009




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