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March 29, 2007
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Fach des Referats: Kunst
Vergleich Cindy Sherman Untitled #96 – Gottfried Helnwein Selbstportät
Cindy Sherman - 2.Version
Cindy Sherman und Gottfried Helnwein Selbstbildnisse können zweifelsohne in die Porträtform „ästhetisches Selbstbildniss mit politischer Aussage“ kategoriert werden. Betrachtet man ihre Werke jedoch im Vergleich, z.B. Hinsichtlich der gestalterischen Mittel oder der Art der Inszenierung, so lassen sich, neben einigen weiteren Gemeinsamkeiten, viele Unterschiede der beiden Künstler feststellen
Self-Portrait
polaroid, 1987, 70 x 52 cm / 27 x 20''
Cindy Sherman, "Untitled #96"
1981
Hinsichtlich der Gestaltungsmittel unterscheiden sich C.Sherman und G. Helnwein vor allem in der Farbgebung ihrer Selbstporträts. Während in Shermans Porträt die Farbe rot dominiert und sie sich somit einer Ton-in-Ton-Harmonie bedient, wendet Helnwein in seinem Porträt mehre Farben an, jedoch ist auch bei ihm eine Tendenz zur Blaustichigkeit der Farben erkennbar.
Betrachte man die Formen, so wirkt Shermans Selbstbildnis durch seine starren, kantigen Formen im Hintergrund und die gegensätzlichen, weichen Formen des Gesichtes kontrastär. Verglichen mit der eher harmonischen Farbgebung entsteht so ein Farb-Form-Kontrast.
Helnweins Werk weist eher weichere, runde Formen auf, dies wird jedoch, bedingt durch die Gabel in seinen Augen und die durch den augerissenen Mund sichtbaren, scharfkantigen Zähne, kompensiert.
Bei der Wahl der Lichtquelle weisen beide Künstler eine klar definierte Richtung, von der das Licht ausgeht, vor. Die Schatten die dadurch hervorgehen unterscheiden sich jedoch. Während Cindy Shermans Selbstbildnis naturalistische Schatten, also Schatten mit verschiedenen Grau-Schwarz-Abstufungen vorweist, findet man bei Helnwein zum größten Teil bläuliche Schatten.
Wendet man sich der Symbole zu, die die beiden Künstler für ihr Porträt gewählt haben,um die Aussage zu verstärken bzw. unterstützen, so bedient sich Sherman einem undefinierbaren Zettel, der nichts genaueres über seine Herkunft und Bedeutung verrät, sodass der Betrachter zum Nachdenken angeregt bzw. gezwungen wird.
Helnwein äußerst sich hinsichtlich der Symbole deutlicher und krasser. Er wählt typische Atrribute des Schmerzes und des Leidens wie z.B. Gabeln, die in die Augen stechen. Hier soll es dem Betrachter also weniger schwer gemacht werden zu erkennen, was die Person fühlt oder denkt. Der Schmerz, den die dargestellte Person, also Gottfried Helnwein selbst, empfinden muss, ist offensichtlich für den Betrachter erkennbar.
Bei der Inszenierung wählt Cindy Sherman eine fotorealistische Darstellung eines sehr offen und aufreizend positionierten, jungen Mädchens. Sie erzeugt eine Diskrepanz zwischen dem Dargestellten und den Assoziationen, die der Betrachter normalerweise beim Betrachten eines jungen Mädchens hat. Ihre geselschaftskritische Intention ist es, das typische Frauenklischee darzustellen, es aber sofort wieder zu brechen, indem sie das Prinzip der Mehrdeutigkeit in der Gestaltung anwendet. Die moralische Intention ist es, dem Betrachter Schuld zuzuweisen, weil sie diesem sexuell geprägte Assoziationen vorwirft.
Helnwein hingegen zieht es vor, die Geselschaft dahingehend zu kritisieren, dass er ihr vorwirft, Blauäugig zu sein und sich der Hilfebedürftigen zu verschließen.
Er inszeniert einen Schrei oder auch Aufschrei eines Hilfebedürftigen schmergeprägten Menschen, sodass man als Betrachter das Gefühl haben kann selbst angeschrien zu werden.
Beide Künstler jedoch stellen sich selber nicht direkt dar. Sherman ist verkleidet und sagt selbst über sich, dass sie sich nicht direkt selber porträtiert. Helnwein verschließt seine Persönlichkeit, die ja ausschlaggebend für ein Selbstporträt ist, dahingehend, dass er seine Augen nicht zeigt, da diese von Gabeln durchstochen sind.
Zeitlich gesehen sind die beiden Selbstporträts mit nur zwei Jahren Zeitunterschied entstanden.
Durch den biographischen Hintergrund der beiden Künstler geht jedoch hervor, dass Sherman Parallelen zu den 60-er jahren zieht und sich die Emanzipation der Frau zum Thema macht und Positionen berühmter Persönlichkeiten in Pin-up-Magazinen in ihren Bilder aufgreift.
Helnwein ist ein Nachkriegskind und bekannt für seine Kritik gegenüber den Nationalsozialisten.
So lässt sich vermuten, dass er sich auch hier gegen diese wendet und sie kritisiert.
Es weisen also beide Künstler deutliche oder auch weniger deutliche politische Kritik auf, wenn diese auch vollkommen unterschiedlich umgesetzt worden sind.
Schlußfolgernd lässt sich feststellen, dass die beiden Selbstporträts oberflächliche Gemeinsamkeiten haben, sich jedoch bei näherer Betrachtung durchaus stark voneinander unterscheiden.
Self-Portrait
silver print, 1981, Albertina Museum Collection, Vienna
untitled
photograph, 1986
The last Days of Pompeij I
photograph, 1987
Self-Portrait
photograph, 1984
Cindy Sherman, "Untitled Film Still #3"
1977
Self-Portrait
1970
Eine Träne auf Reisen
photograph, 1986




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