Der Kunststar Gottfried Helnwein, Österreicher und in Wien in sehr einfachen Verhältnissen aufgewachsen, sitzt in Cowboystiefeln und Jeans, das Stirnband im halblangen Haar, im Innenhof seiner Burg Brohl, eine halbe Stunde südlich von Bonn entfernt. Heute nacht ist "Jeanmaire" fertig geworden, der Meister entspannt sich. So oder ähnlich wie Helnwein den Brigadier auf dem Plakat zeigt, stand dieser am 9. August 1976 wirklich da. Tatsächlich musste sich der 67-jährige Brigadier am Tag seiner Verhaftung vor den beiden Bundespolizisten, die ihn verhörten, nackt ausziehen. In Urs Raubers Buch "Der Fall Jeanmaire" beschreibt der Brigadier die demütigende Situation selber so: "Am Abend wurde ich richtiggehend abgeführt - abgeführt zur schlimmsten Prozedur, die ich in meinem Leben bisher durchgemacht hatte. In einem Zimmer musste ich alle meine privaten Effekten auf einen Tisch legen. Anschliessend befahl man mir Jacke, Hose, Hemd, Socken und Unterhose auszuziehen. Splitternackt stand ich vor den zwei Uniformierten."