Der Herr Fellini versteht nämlich weiß Gott sein Handwerk, und das Handwerk – sprich Schreiben – soll einer doch wohl beherrschen, der ihn verreißen will."
Auch mit heimischen Film-Produkten geht er behutsam um, betreibt in "Apropos Film" Promotion für sie. Obwohl er sieht, daß bei den geringen zur Verfügung stehenden Mittein diese Streiten "vom ersten Drehtag an nur limitierte Chancen haben", verhält er sich höchst solidarisch, "wir Filmemacher müssen doch zusammenhalten " – wovon seine Kollegen in der Wiener Intrigenküche offenbar weniger halten – und wurde im neugegründeten österreichischen Regieverband gemeinsam mit Axel Corti zum Kassenprüfer ernannt.
Hajek: "Da sieht man, was die Kollegen von mir halten." Er betrachtet seine Fernseharbeiten "Das war André Heller" (der TV-Skandal, der Disc-Jockey André erst zum Heller gemacht hat), "Margot Werner" und "Margot bis Montag" (Hajek als Margot-Macher) und "Dämmerung der Sehnsucht" (u.a. mit Paula Wessely, die er nicht mehr machen mußte) noch als "Cineastentilme" mit negativen Bewertungen und hohen Einschaltquoten. Seine Liebe gilt, seine Bestrebungen gelten aber immer mehr dem konsumierbaren - was oben genannte Produktionen trotz wütender Proteste des Sonanza-verwöhnten Publikums durchaus sind – kommerziellen Film.
"Wir müssen beweisen, daß wir die Leute ins Kino kriegen können, sonst wird man uns alle wegrationalisieren, weil uns niemand braucht. Kein Mensch wird auf die Straße gehen und sagen: ‘Wir wollen einen Film von Herrn XY (Name der Redaktion bekannt) sehen,’ Wir werden 15 aus den USA gespeiste Fernsehkanäle, aber keine eigene Filmproduktion haben."
Das Fernsehen, die Röhre, die Glotze. Das Publikum wird dazu erzogen, immer leichter Konsumierbares zu verlangen, nimmt sozusagen nur mehr Milupa-Brei zu sich und ist mit einem saftigen Steak schon überfordert. Vielleicht kann man sich beim Faschierten treffen - der Hajek wird es schon würzen. Manchem vielleicht zu scharf.
Nach dem Erscheinen seines Kinoerstlings "Pinguin" reagierte der "Neue deutsche Film" ratlos und schockiert. Hajek gingen die Augen auf über die Prüderie und "Studienratsmentalilat" der sogenannten Szene. Auch vorher, bei der Suche nach Schauspielern und Produzenten, erwies sich die Notwendigkeit, einen solchen Film zu machen: was den "seriösen" (Produzenten, Schauspieiern) zu schweinisch war, war den "lbiza-Filmern" zu schwach. Angelika Domröse, großartige DDR-Schauspielerin, befand über das Drehbuch, es handle sich hier wohl um das "mieseste Stück westlicher Dekadenz".
All das bestärkte den Regisseur jedoch nur in seiner Meinung: Wenn (laut Umfrage; ausführliches Materialstudium erfolgte in der Vorbereitungsphase) 60 Prozent aller Frauen unbefriedigt sind, dann stoße man mit einer kommerziellen Filmkomödie über Sexualität - einer witzigen und nicht schlüpfrigen Story über die Probleme hinsichtlich eines doch nicht unwichtigen Kapitels im Leben jedes Menschen - voll in eine Marktlücke sowohl kommerzieller wie auch ethischer Art.
Ethisch: Hajeks Ziel des Unternehmens war es, "die Diskussion über das Thema bei den Kinogehern anzuregen - die Leute sollen aus dem Film rauskommen und das Bedürfnis haben, so schnell wie möglich nach Hause zu gehen, um nachzuholen, was sie allzulange versäumt haben."
Nicht möglich, sollte man meinen, Anfang der achtziger Jahre, nach Oswald Kolle und Hite-Report. Doch möglich, lehren die Reaktionen auf Hajeks Film ...
Warum hat's denn der europäische Film so schwer, warum gibt's den österreichischen Film kaum - und wenn, warum so zaghaft?
Als man in Österreich auf die glorreiche Idee kam, ein Film-förderungsgesetz zu erlassen, waren bereits viele der am Filmschaffen Interessierten nach Deutschland abgewandert, wo ihre Arbeit durch eine längst bestehende Filmförderung unterstützt wurde (die Rede ist von Zeiten vor der "Wende"), und die heimische Filmstruktur war zerstört. Außerdem, der österreichische Markt allein hätte nie genügt, nicht einmal bei den populärsten Hans-Moser-Filmen, immer sei man von Deutschland abhängig gewesen, um auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu sein.
Der derzeitige Filmförderungsfonds, so Hajek, sei mit seinen 20 Millionen für alle österreichischen Filmschaffenden gemeinsam geradezu lächerlich dürftig dotiert – man bedenke, daß in Amerika kaum ein Film mit einem Budget unter 20 Millionen gedreht wird. In den USA hat man eben den längeren finanziellen Atem, von 30 Filmen spielt einer die Ausgaben für alle 29 anderen ein und schafft noch zusätzlichen Profit. In Europa ist man schon nach wenigen Flops dazu gezwungen, das Handtuch zu werfen. Drüben bedeutet Film eine Industrie, Arbeitsplatze, etwas wie die VW-Werke für Deutschland, daher wird investiert, der Markt genau beobachtet und kontrolliert(!) – auch (und vor allem) jener in den europäischen Filmkolonien… Diesseits des Atlantiks wird die Branche kaum ernstgenommen, eher lässig gehandhabt.
Und “poor old Austria” ist eben besonders abgeschnitten vom Pulsschlag der großen Welt, hinkt hinter dem großen Bruder Deutschland her, der seinerseits hinter dem noch viel biggeren brother America herhinkt. Der internationale Filmjournalist Hajek sieht zeitgeistige Wellen mit einem Jahrzehnt Verspätung an österreichiche Gestade schlagen. Also wekten unsere Filme im Ausland zumeist höchstens nostalgische Empfindungen.
Warum aber muß man auch das heimliche Publikum fast mit Gewalt zu österreichischen Filmen in die Kinos zwingen? Oder von filmjournalistischer Seite her wie eine Herde kranker Kühe besprechen?
Hajek: "Aus Zeiten der Prack-Marischka-Antel-Schmonzetten ist eine Art Trauma für die Filmemacher geblieben, Schamgefühle tun sich da auf und ein falsches Kunstverständnis, Erfolg ist suspekt."
Nicht so dem Peter Hajek. Der nimmt für sich das Recht in Anspruch, Filme optimal herauszubringen und davon leben zu wollen, Filmen soll man durchs Filmen lernen, ohne Nebenjobs fürs Überieben annehmen zu müssen ... Bei den Sportlern geht's ja auch. Ganz klar, daß auch nach dem Olympia-Debakel von Sarajevo kein Schilling weniger in den Ski-sport investiert wird. Aber Filme, Filmer?
"Lemminghafte Lust am Untergang" verspürt der sensible Macher (und nicht nur er) allenthalben, der Umgang sei härter und bedenkenloser geworden – er meint damit nicht nur die Umweltproblematik, sondern zum Beispiel auch den Straßenverkehr. Sorglosigkeit und grenzenloser Egoismus prägen diese Zeit - wie vor jedem Krieg.
Aber er filmt weiter, eine sechsteilige Fernsehserie kritisch-komödiantischen Inhalts über "Zeiten wie diese" ist geplant, zwei Spielfilmprojekte liegen vor. Sie macht ihm Spaß, seine Arbeit, auch wenn der Komet kommt - zumindest via Satelliten-TV. Dem wird er die Stirne bieten, "Alle europäischen Filmemacher sind aufgerufen, amerikanische Konsumierbarkeit mit europäischem Geist und Stil zu verbinden!"