BilderGewalt. Kaum ein die Kunst betreffendes Thema erscheint in Tagen
der Präsenz des sogenannten Islamischen Staates so virulent wie die
Gewalt am Bild und durch Bilder. Die medial verbreitete Zurschaustellung
und Inszenierung des im Irak und Syrien herrschenden Terrorregimes
waren mit ein Anlass, sich interdisziplinär dem Themenfeld der
Bildzerstörung zu nähern, und dies von der Antike bis zur Postmoderne.
Darüber hinaus eröffneten die aktuellen Forschungen zum Bildverständnis
der Reformationszeit im Jubiläumsjahr 2017 neue Zugangswege und regten
zu einer breiteren Analyse des Phänomens an. Im vorliegenden Band ist
der Fokus daher bewusst weit gefasst, sodass nicht nur der eigentliche
Ikonoklasmus, sondern auch die Themenbereiche der Zensur, der
Umkodierung sowie der Neuschöpfung von Kunst in den Blick genommen
werden. Gerade in der Vormoderne ist die Kunst von Zensur und
Umkodierung geprägt: Bei letzterem bleibt das Artefakt zwar meist
erhalten, wird aber im Zuge seiner Neubearbeitung in einen veränderten
Kontext gestellt. In der modernen und zeitgenössischen Kunst findet sich
die Zerstörung und Auflösung des Kunstwerks darüber hinaus als dessen
konzeptioneller Bestandteil ausgehend vom Künstler, vom Publikum oder
auch vom Artefakt selbst.