Wie geht es ihnen, wenn sie durch die Ausstellung schreiten?
Ich bin sehr glücklich, denn die Ausstellung ist wirklich sehr gut gelungen. Bei meinen Ausstellungen ist es immer wichtig, dass die Bilder dramaturgisch richtig hängen, die Installation ist ganz wichtig. Denn es gibt Künstler, bei denen es nicht so wichtig ist, wo die Bilder beliebig hängen können und das geht bei mir leider nicht. Denn bei meinen Bildern ist es sehr wichtig, wie man sie hängt, das macht einen großen Unterschied aus und was das betrifft, muss ich sagen, ist es die beste Ausstellung, die ich bis jetzt gehabt habe, die Bilder sind hervorragend aufgehängt und positioniert worden.
Waren sie die ganzen letzten Wochen in Wien und Umgebung?
Ja, ich war in der letzten Zeit in Wien, habe dauernd gearbeitet, habe Interviews gegeben und viel vorbereitet. Demnach habe ich die ganze Zeit sehr viel gearbeitet, aber meine Familie ist da und wir haben auch gefeiert, denn die Familie ist aus allen Teilen der Welt zusammengekommen.
War die Familie schon in der Ausstellung?
Nein, sie waren noch nicht in der Ausstellung. Sie werden die Ausstellung bei der Eröffnung zum ersten Mal sehen.
Wie sehr nervt es sie, auf den „Schockmoment“ in Interviews angesprochen zu werden? Nervt es oder ist es wichtig, dass sie das immer unterstreichen?
Es ist mir eigentlich egal, weil ich bei der Art von Arbeit, die ich mache, also bei meinen Bildern, bei meiner Kunst geht es um einen Dialog, das heißt meine Kunst erregt Emotionen, sorgt für Aufregung, demnach ist es nichts, was einem kalt lässt oder was man distanziert betrachten kann. Es ist von der Interpretation von irgendwelchen Theoretikern oder Experten abhängig. Die Bilder vermitteln sich unmittelbar und lösen bei den Menschen auch was aus. Das heißt ein Teil des Prozesses ist die Reaktion der Leute und das ist mir auch sehr wichtig, ich akzeptiere alles und habe damit überhaupt kein Problem.
Ist es manchmal so, dass sie sich Inkognnito in ihre eigenen Ausstellungen begeben, um die Reaktionen der Leute zu sehen?
Ja, also ich gehe immer wieder in Ausstellungen und habe es gern, wenn Leute mich ansprechen und ich direkt erfahre, wie Leute ganz spontan reagieren und wie ihre Gedanken zu den Bildern sind, den jedes Bild löst bei den verschiedenen Menschen unterschiedliche Assoziationen und Emotionen aus. Ich habe gesehen, dass ein und dasselbe Bild absolut konträre Emotionen bei dem einen oder anderen hervorrufen kann. Demnach ist es für mich immer sehr interessant mit Leuten zu reden und zu erfahren, was es für sie bedeutet und es bei ihnen auslöst. Ich habe von den Betrachtern, von meinem Publikum sehr viel gelernt, auch über meine eigene Arbeit.
Haben sie mit 75 den Eindruck, dass es langsamer wird oder der Output stärker wird?
Es wird eigentlich mehr. Ich bin deutlich mehr auf meine Arbeit konzentriert als jeher. Ich vergeude nicht mehr viel Zeit, bin nicht mehr so abgelenkt und es wird immer mehr Arbeit und mehr Herausforderung, ich muss mich mehr konzentrieren, es wird immer mehr.
Sollte man sich vorbereiten, bevor man die Ausstellung anschaut?
Nein ganz im Gegenteil, ich finde es gut, wenn Menschen das Museum einfach betreten und sich auf sich selbst verlassen, auf ihre eigenen Sinne, ihre eigenen Gefühle. Sie sollen sich die Bilder anschauen und selbst herausfinden, was sie empfinden und wenn es sie nicht interessiert, einfach zum nächsten Bild weitergehen. Ich finde, man sollte sich einem Kunstwerk sozusagen öffnen, ausliefern und dieses anschauen, man kann ja wegschauen, wenn es einem nicht gefällt.
Fabian J. Holzer
Ressortleiter Szene & Kultur