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November 21, 2023
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stayinart
Gottfried Helnwein oder die Ästhetik der Angst
Klaus Albrecht Schröder
In Gottfried Helnweins Gemälden, so beschreibt es Klaus Albrecht Schröder in der cover story treffend, »scheint das Licht sich vor dem zu fürchten, was es aus dem Schatten hervorholt«. Eine brillante Metapher für das Zeitgeschehen.




Mit Light | Darkness schließen wir unsere Folge der Gegensatzpaare.
Und dieser Abschluss trifft mitten ins gegenwärtige Sein.

Die Auseinandersetzung mit dem physikalischen Phänomen Licht und Dunkelheit begleitet Menschen seit jeher. Nach wie vor ringt die Wissenschaft darum, das Faszinosum rund um Lichtquanten, Photonen und Higgs-Teilchen restlos aufzuklären. Doch gelingt uns das überhaupt ?

Licht und Dunkelheit sind untrennbar miteinander verbunden. Ihr Wechsel ist wesentlicher Bestandteil unseres Lebens und trägt viele metaphorische Bedeutungen in sich. Licht – oft als Quelle des Lebens und der Wärme angesehen – steht für Klarheit, Erkenntnis und Hoffnung. Obwohl Dunkelheit Licht enthält, finden wir in ihr Geheimnisse und Unbekanntes. Sie ist ein Ort der Verborgenheit, der Angst – und auch der Träume. Wie gehen Kunstschaffende in ihrer Vision, ihrer Forschung und in ihrem Ausdruck damit um? 

Wie viel Schöpferkraft lässt dieses physikalische Phänomen zu? Einen verdichteten Ausschnitt an möglichen Antworten liefert diese Ausgabe, ohne den Anspruch zu erheben, restlos aufzuklären.


In Gottfried Helnweins Gemälden, so beschreibt es Klaus Albrecht Schröder in der cover story treffend, »scheint das Licht sich vor dem zu fürchten, was es aus dem Schatten hervorholt«. Eine brillante Metapher für das Zeitgeschehen.

GOTTFRIED HELNWEIN ODER DIE ÄSTHETIK DER ANGST
Klaus Albrecht Schröder


Was inspiriert Helnwein zu solchen ungeheuerlichen Albträumen? Woher bezieht er seine Einsichten in die Gemeinheit und Niedertracht menschlicher Natur? Woher rühren seine geradezu halluzinatorischen Fähigkeiten? Was hat ihn die Massaker an amerikanischen Schulen sehen lassen, noch ehe sie sich ereignet haben? Helnwein spürt den auf Gewalt und autoritärer Unterdrückung basierenden Kitt, der unsere Gesellschaft im Innersten zusammenhält: Die Ausbrüche der Gewalt überraschen ihn so wenig wie den Seismographen die Eruption eines Vulkans. Diese Darstellungen der Schattenseiten sind umso verstörender, je schöner und ruhiger sie werden. Helnweins Bilder der letzten Jahre sind aggressiv und erhaben zugleich. Sie sind abstoßend und von einer verführerischen Schönheit. Sie feiern den Schmerz und die Wunde als Moment einer erhabenen Melancholie, sie zelebrieren das Pathos der Grausamkeit. Die Erhabenheit verdankt sich dem scharfen Wechsel zwischen den tiefen Schatten und hellen Zonen, die wie mit Scheinwerfern aus der Dunkelheit herausgeschnitten sind. Helnwein malt ruhige Zustände träumerischer Unwirklichkeit, die umso mehr beunruhigt, je weniger wir die Ursache der Gewalt und des Zwangs kennen.

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