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Konfrontationen
January 1, 1971
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Winterpalais des Prinzen Eugen, Wien
Konfrontationen
Group Show



Das Jahrzehnt der Kulturpolitik

Der Kunst ihre Freiheit
Hannes Androsch

1968 war auch in Österreich ein Jahr der Wende. Waren die Ereignisse in ihrer Wahrnehmbarkeit nicht so spektakulär wie in Frankreich oder Deutschland, so entstand in der Folge auch kein militanter Radikalismus, aber die Tiefe der politischen und geistigen Veränderungen ist durchaus vergleichbar.

(Auszug)

Rudolf Hausner, einer der profiliertesten „Phantastischen Realisten“, Professor an der Kunsthochschule in Hamburg und der Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz zu Wien, lässt sich von uns dazu anregen, über die Präsentation seiner Meisterklasse für Malerei im barocken Rahmen nachzu-
denken. Daraus entsteht „Konfrontationen“, eine Ausstellungsreihe im Rahmen der Wiener Festwochen.
Im Vorwort zum Katalog der ersten „Konfrontationen“ formuliert Rudolf Hausner die Gedanken zu diesem kulturpolitischen Versuch. Das Vordergründige kreativer Öffentlichkeitsarbeit ist durchaus mitgesellschafts-und kulturpolitischen Motiven unterfüttert.
Professor Hausner schreibt der dauernden Einrichtung eines heterogenen Prozesses in der renovierten Üppigkeit das Wort: „Konfrontation ist notwendig zur Verdeutlichung divergierender Tendenzen. Es ist Konfrontation, wenn moderne Kunst in einem alten Palais ausgestellt wird, es bedeutet Konfrontation, wenn zwölf Künstler, die kein gemeinsames ästhetisches oder weltanschauliches Konzept verbindet, gemeinsam ausstellen und damit zwölf verschiedene Interpretationen der Aktualität konfrontieren.

Die Architektur des Hauses repräsentiert die autoritäre Gesinnung einer feudalen Gesellschaft. Das großartige Bauwerk ist mit seinen Räumen und ihrem Dekor eine wunderschöne Apotheose der Macht seines Bauherrn.
Die jungen Künstler dagegen repräsentieren die demokratische Gesellschaft unserer Zeit mit ihren polyvalenten Standpunkten, die gleichberechtigt nebeneinander existieren.“
Dem Wunsch des Professors, dass aus diesem ersten Konfrontationsversuch „eine ständige Einrichtung werden könnte“, entspricht Hannes Androsch, 1972 bereits auf dem Weg zum Langzeitminister, mit deutlicher Bereitschaft:

„Ein Land kann aber nicht nur von der Tradition leben. Es muss auch die Konfrontation mit der Gegenwart wagen. Österreich ist derzeit wieder daran, geistige Großmacht zu werden. Lange Jahre waren wir Europas größter Talenteexporteur. Jetzt mehren sich endlich die Nachrichten über Rückkehrwünsche nach Österreich.

Unsere jungen Autoren werden an den großen deutschen Bühnen gespielt, unsere Maler und Bildhauer werden in alle Welt zur Präsentation ihrer Werke eingeladen. Ein Aufbruch zu neuen Ufern? Vielleicht!
Um das feststellen zu können, brauchen wir Maßstäbe, brauchen wir Konfrontationen.
Wir haben daher – ich sozusagen als Hausherr und Dr. Sinowatz als der für Kunst zuständige Ressortchef – die Studenten einer Meisterklasse der Akademie der bildenden Künste eingeladen, diese Konfrontation zu wagen.“

Die Einladung zu Diskussion und Konfrontation wird von den Lehrern und Studenten der Kunsthochschulen engagiert angenommen. Viele, die im künstlerischen Schaffen Österreichs einen wichtigen Platz einnehmen
sollten, stellen ihre Werke erstmals im Finanzministerium einem größeren Publikum vor.

Gottfried Helnwein, Josef Bramer, Franz Zadrazil, Ulrich Gansert, Josef Kaiser, Edith Spira, Siegfried Anzinger, um nur einige zu nennen.











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