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April 27, 2025
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Kronenzeitung
Dompfarrer Faber im Gespräch: „Helnwein war mir ein guter Seelsorger“
Maria Eberhöfer
Interview
Ich habe jetzt gerade am Vormittag in der Früh noch mit der Kritik vom Fastentuch voriges Jahr von Gottfried Helnwein beschäftigt, was mir sehr, sehr schmerzvoll noch immer am Herzen liegt. Aber nur beleidigt darauf zu regieren wäre keine adäquate Lösung, überlegen, was kann ich in der Zukunft anders machen und ich freue mich schon auf das ein oder andere Projekt in Zukunft mit Gottfried Helnwein und anderen Künstlerinnen und Künstlern.



(Auszug)


Kritisieren Sie etwas an der Kirche?


Vor allem mich. Da beginne ich, dass ich nicht dem nachkomme, was ich mir eigentlich vorgenommen habe, was der Wille Gottes für mich und klar erkennbar ist. Aber natürlich dann auch Verhältnisse innerkirchlich, wo ein Beharrungsvermögen, eine Scheinheiligkeit, ein „Obermoralistentum“ noch immer nicht ausgerottet ist. Das ist Jesus nicht anders ergangen, mit den Pharisäern und Hohepriestern. Diese Gefahr besteht in jeder spirituellen oder gläubigen Gemeinde, dass man nur sich selbst genügt, aber zu wenig nach außen geht. Zu viel an innerkirchlichen Dingen herumbasteln und glauben, damit die Welt zu retten, dabei aber noch nichts geleistet zu haben für den Dienst an den Menschen, an der Not der Welt.

Sie kritisieren sich selbst, wie ist das gemeint?


Dass ich gut daran tue, mir selbst den Spiegel vorzuhalten. Gestern sagte ich meinem Beichtvater, dass es höchste Zeit ist für einen Termin bei ihm und heute habe ich noch einen bei meinem Psychiater, auch um meine Lebensbalance zu betrachten und mich und meine Beweggründe immer wieder zu hinterfragen. Will ich glänzen? Will ich nur gefallen? Bin ich nicht faul? Bin ich nicht auf mich selbst gekrümmt? Nein. Ich soll auf Gott ausgerichtet werden, damit ich mehr Freude und mehr Einsatz habe für die Menschen.

Was bringen Sie denn mit, dass Sie trotz aller Gerüchte um Frauen, Auftritte in der Klatschpresse, Führerscheinabnahmen etc. eine solch schützende Hand über sich genießen?


Die schützende Hand Gottes weiß ich ganz sicher über mir, weil ich wirklich seit 27 Jahren sehr gerne als Dompfarrer hier arbeite und weiß, dass dieser Dienst, diese Bereitschaft, in die Stadt hinauszugehen, sehr willkommen ist. Gleichzeitig muss ich sagen, ich bin jetzt 63 geworden, ich muss Schwerpunkte setzen und manches kann ich eben besonders gut, und manches können andere viel besser, da klatsche ich dann auch Beifall. Ich habe viele Fehler. Sie haben vielleicht schon in manche Richtungen was aufgezählt, aber ich habe keine Eifersucht und keinen Neid und das wappnet mich ein bisschen vor missmutig werden und sich ärgern über. Ich habe früher Kritik ein bisschen zu wenig ernst genommen, wo ich Neid und Eifersucht dahinter vermutet, habe aber auch solche Menschen können sehr viel Sand ins Getriebe bringen, dass insgesamt der Sache schadet und mir und meinen Beziehungen, meinen Möglichkeiten zu wirken. Das muss ich einfach auch Kritik gelten lassen. Ich habe jetzt gerade am Vormittag in der Früh noch mit der Kritik vom Fastentuch voriges Jahr von Gottfried Helnwein beschäftigt, was mir sehr, sehr schmerzvoll noch immer am Herzen liegt. Aber nur beleidigt darauf zu regieren wäre keine adäquate Lösung, überlegen, was kann ich in der Zukunft anders machen und ich freue mich schon auf das ein oder andere Projekt in Zukunft mit Gottfried Helnwein und anderen Künstlerinnen und Künstlern. Und nächstes Jahr steht wieder was Besonderes an!

Sie behaupten wirklich von sich, frei von Neid zu sein?


Ja, das habe ich in die Wiege mitbekommen. Ich habe andere Fehler, aber ich bin nicht neidig.


Sie hatten im Zuge der „Causa Helnwein“ auch Rücktrittsgedanken, stimmt das?


Das war natürlich sehr schmerzlich, weil man gedacht hat, was wir ausgemacht haben, gilt und dass es nicht wegen Hunderter, Tausender Proteste abgehängt wird. Aber Gottfried Helnwein war mir ein sehr guter Seelsorger. Der hat mich aufgerichtet, als ich ihn angerufen habe, in meiner völligen Depression und gesagt, ich soll es nicht so ernst nehmen, wir werden etwas anderes finden. Am Tag darauf durfte ich ihm wieder Seelsorger sein, weil er zerstört war und sehr verärgert, dass das so gelaufen ist. Ich habe viele gute Freunde, die sagen, wegen eines Ärgers zurückzutreten wäre ganz dumm und das möchte ich auch auf die Seite schieben.





Dompfarrer Toni Faber (rechts) vergangenes Jahr mit Künstler Gottfried Helnwein im Wiener Stephansdom bei der Präsentation des ersten Tuchs seines Oster-Triptychons.
2024




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