Die Liebesszene hat es in sich
Wenn Helnwein am Ende des ersten Akts die weitauslcdende Dimension des blauen Salons zu einem Spitz verengt, aus dem die Marschallin und Octavian nicht auskönnen, dazu links unct rechts einen Totenkopf auf die Wand platziert als Vorahnung, dass dieses Liebesleben Iängst dem Ende zugeht, erzeugt des einen tiefgründigeren Effekt. Und eine besondere Pointe, wie missgestimmt Octavian in dieser Produktion Sophie die silberne Rose überreicht. Ihre Abneigung ist wohl durchdacht. Obwohl ihr die Marschallin den Laufpass gegeben hat, wird sie von ihr als Botin missbraucht, da kann men ihren Frust verstehen. Schon wenig später lichtet sich das Geschehen, Iassen die Blicke der beiden erkennen, dass unvermutet die Liebe zu sprießen beginnt. Der bewegendste Moment dieser Aufführung. Aber auch die Bettenszene hat es in sich: Anfangs geben sich die Marschallin und Octavian leidenschaftlich in einem blauen Bett hin, im Finale kehrt dieses Bett in kraftigem Rot wieder. Diesmal sind es Octavian und seine Sophie, die nicht voneinander lassen können. Ein unmissverstandliches Zeichen, dass die Zeit für eine nächste, sich selbstbewusster gebende Generation angebrochen ist.
Unterschiedlich geglückt ist die Personenführung. Oder war es Steiers Absicht, dass die Marschallin erst zum Schluss zu ihrer vollen, natürlichen Ausstrahlung findet, wie es die anfänglich auch vokal weniger überzeugende Diana Damrau demonstrierte? Angela Browers Octavian ermangelte es stimmlich wie darstellerisch einigermaßen an Charme und Eleganz. Und in der Sophie steckt mehr an Innigkeit und Liebreiz als es Emily Pogorelc an diesem Abend vorzeigte. Von Günther Groissböcks wie stets souveränem Ochs hätte man sich mehr delikaten Witz gewünscht, von Bo Skovhus‘ Faninal mehr Leuchtkraft erwartet. Untadelig die übrigen, teilweise mit Masken, teilweise mit ungewöhnlichem Kopfschmuck bestückten, stets in fantasievolle Kostüme gehüllten Comprimarii. Gcnz zum Schluss eilt Mohammed herbei, verkleidet als Käfer — ein augenzwinkerndes Helnwein-Adieu, ehe der Vorhang fällt.