March 29th, 1987
Leopold-Hoesch-Museum
Gottfried Helnwein
Dorothea Eimert
Direktorin
one man show
Die Befreiung aus den Fesseln der Vergangenheit, der Rückzug in die Stille und Besinnlichkeit hat bei Helnwein einen Arbeitsrausch hoher schöpferischer Güte ausgelöst. Sensibler und leiser, aber um so intensiver und kraftvoll formuliert er sein Thema vom verletzten und verwundeten Menschen, von seinen Leiden, seiner Sprachlosigkeit und von seiner Einsamkeit. Immer wieder konterfeit Helnwein sich selbst als Verwundeten, mit Mullbinden Verbundenen, als Kopf mit eingeschnürten Sinnesorganen, als jemand, der nichts mehr in sich aufnehmen und nichts mehr von sich geben kann. Die jüngste, vielteilige Reihe mit Selbstportraitköpfen erschein wie ein Befreiungsakt in die Welt der farbenfreudigen Abstraktionen und differenziert schillernden Monochromie. Die Ohnmacht vor dem Destruktiven, Unangenehmen und Hässlichen, die Helnwein in seinen realistischen Bildern verdeutlicht, führt in den neuen Selbstportraits zur Auflösung in den abstrakten Farbrausch.

Die neuesten Bilder stellen einen Hellnwein vor, der sich oft von der Eindeutigkeit des Realismus abgekehrt und einer feinnervig-abstrakten, monochrom - erzählerischen Formensprache zugewand hat. Das Verlassen der Heimatstadt Wien im Mai 1985 und die Übersiedlung an den Rhein nach Burgbrohl wirkt im Rückblick wie ein notwendig gewordener Akt der Befreiung, wie eine Abnabelung aus dem geistigen und gesellschaftlichen Eingebundensein, wie eine Sprengung des selbst konstruierten Eigen - Klischees.

In den neuen Bildern erprobt Helnwein mit virtuoser Leichtigkeit und handwerklicher Meisterschaft eine variationsreiche Palette unterschiedlicher Stilrichtungen und verschiedener Techniken. Fotografie steht neben Malerei oder Aquarell, Bunt-Foto neben Schwarz-Weiß-Foto und neben Malerei, Realistisches gesellt sich zu Abstraktem, Farbenfreude korrespondiert mit Monochromie. Zitate aus Politik und Malereigeschichte werden eingeflochten und kommentiert. Die Diptycha und Triptycha leben vom Dualismus, von Dynamik und Spannung.

Die Befreiung aus den Fesseln der Vergangenheit, der Rückzug in die Stille und Besinnlichkeit hat bei Helnwein einen Arbeitsrausch hoher schöpferischer Güte ausgelöst. Sensibler und leiser, aber um so intensiver und kraftvoll formuliert er sein Thema vom verletzten und verwundeten Menschen, von seinen Leiden, seiner Sprachlosigkeit und von seiner Einsamkeit.

Immer wieder konterfeit Helnwein sich selbst als Verwundeten, mit Mullbinden Verbundenen, als Kopf mit eingeschnürten Sinnesorganen, als jemand, der nichts mehr in sich aufnehmen und nichts mehr von sich geben kann. Die jüngste, vielteilige Reihe mit Selbstportraitköpfen erschein wie ein Befreiungsakt in die Welt der farbenfreudigen Abstraktionen und differenziert schillernden Monochromie. Die Ohnmacht vor dem Destruktiven, Unangenehmen und Hässlichen, die Helnwein in seinen realistischen Bildern verdeutlicht, führt in den neuen Selbstportraits zur Auflösung in den abstrakten Farbrausch.

Auch in den Zeichnungen Helnweins zeigt sich der Neubeginn. Erstmals stellt er vielfarbige Farbstrichzeichnungen vor. Der Strich ist wie ehedem flockig, sicher und schnell. Gitterartig sich überlagernde Strichelungen beschreiben eine tiefe Räumlichkeit und leuchtende Plastizität. Ungeheure Wärme und Innigkeit entströmt diesen intimen Kinderszenen.