Nürnberg tut sich schwer im Umgang mit seinem architektonischen Nazi-Erbe. Während die Stadt mit ihrer mühsam erarbeiteten Dokumentationsausstellung "Faszination und Gewalt" im Goldenen Saal der ehemaligen Reichsparteitags-Tribüne eine vorerst noch zaghafte "Antwort auf die Worte aus Stein" geben konnte, versuchen inzwischen finanzkräftige Investoren aus dem Kongreßhallen-Torso wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen. Nach deren Plänen, die der Stadtrat nicht abgelehnt, sondern mit spitzen Fingern erst mal auf Eis gelegt hat, sollte der symbolträchtige Monumentalbau, dessen Baumaterial aus KZ-Steinbrüchen stammt, umfunktioniert werden in ein postmodernes Einkaufsparadies mit den vielfältigsten "Erlebniszonen" von Sporteinrichtungen bis zum Seniorenheim. Bei einem Symposium unter dem Thema "Das Erbe - Vom Umgang mit der NS-Architektur" stellen heute ab 19 Uhr) und morgen (9 bis 22 Uhr im Vortragsaal des Germanischen Museums) namhafte Historiker, Architekten, Künstler und Publizisten ihre Standpunkte zur Diskussion. Möglicherweise ergeben sich daraus sogar praktische Ratschläge, wie die Stadt künftig mit ihrem jahrzehntelang als Kotz am Bein ihrer Geschichte behandelten Architektur-Erbe aus der Nazi-Zeit unverkrampfter umgehen kann. Die Abendzeitung befragte dazu einige Teilnehmer des Symposiums.
Professor für Kunstgeschichte an der Pädagogischen Hochschule Berlin.
Professor für Politikwissenschaften an der Uni Passauund wissenschaftlicher Leiter der Berliner Dauer-Ausstellung "Widerstand gegen den Nationalsozialismus".
Professor für zeitgenössische Kunst an der Gesamthochschule Kassel.
Professor für Neuere and Neuste Geschichte an der Uni Münster.
Wiener Maler und Aktionskünstler,der für den Goldenen Saal ein multimediales Projekt zum Thema "Der Untermensch" plant:
"Das gesamte Reichsparteitagsgelände sollte stehen bleiben als Monument. Die Stadt müßte aber Künstlern, die sich mit der Thematik befassen, Gelegenheit geben, die Nazi-Architektur durch Gegenästhetik zu brechen. Dabei darf man allerdings nichts wegkreiern: die künstlerische Auseinandersetzung müßte mit diesem Monument korrespondieren. Vielleicht läßt sich dann erreichen, daß das Gelände den Nimbus eines Wallfahrtsorts verliert."