Helnwein schafft es durch Nahaufnahmen, Lichtwahl und Nachbearbeiten der Fotos, die Oberfläche, das für jeden "Knipser" Ablichtbare, zu durchbrechen. "Helnweins Bilder entlarven", sagt Reinhold Mißelbeck vom Museum Ludwig Köln.
Meisterhaft seine Portraits von den "Rolling Stones" Keith Richards und Mick Jagger. Das Verschlagene des Keith Richards', sein "schattenhafter Charakter", sind tatsächlich abgebildet. Helnwein fotografiert ihn so, daß man Richards' Furchen im Gesicht sieht - und eine Gesichtshälfte verschwindet im Dunkeln.
Oder Andy Warhol, kurz vor seinen Tod. Sein Gesichtsausdruck ist bereits tot, seine Haut wirkt unnatürlich wächsern. Entlarvend ist das Portrait von Michael Jackson: Seine Haare scheinen aufgeklebt, die Haut künstlich, die Bartstoppeln wie nachträglich aufgetragen. Der Popstar als Kunstprodukt seiner selbst.
Helnweins Kunst des Portraitierens gipfelt in den Fotos von Charles Bukowski. Dessen wüstes Leben hat sich in den Runzeln eingenistet. Es schüttelt den Betrachter geradezu angesichts dieser Fotos, auf denen jede Pore und jede Bartstoppel sichtbar wird, man die Warzen zählen kann. Bukowski, wie er leibt und lebt, wie ihn seine eigenen Bücher besser kaum beschreiben können.
Gottfried Helnwein: "Faces". Edition Stemmle, Schaffhausen. 96 Seiten mit ca. 40 großformatigen Abb.