Verstörend wirkt dieses letzte Bild von Uwe Barschel immer noch. Seine Schockwirkung verfehlt es auch nicht auf die Besucher einer Ausstellung von Arbeiten des Wiener Künstlers Gottfried Helnwein, die derzeit im Tübinger Deutsch-Amerikanischen-Institut (d.a.i.) zu sehen ist.
Helnwein zeigt hier eine Serie aus vier farblich verfremdeten Barschel-Fotos. Zuerst in der Illustrierten "Stern" veröffentlicht, wurde dieses Bild wohl zu einem der Medienereignisse der Achtziger und zum festen Bestandteil der Ikonografie dieser Jahre.Den Toten in der Badewanne ließ Helnwein als Bühnenbildner und Ausstatter am Heidelberger Theater in Johann Kresniks "Macbeth"-Inszenierung wiederauferstehen. Eine gleichermaßen gefeierte wie umstrittene Aktualisierung des Kampfs um Erfolg und Macht. Nutzt der Künstler hier auf scham- und pietätlose Weise die öffentlich schon reichlich zelebrierte Demontage des CDU-Politikers für sich aus? Ist Helnwein also einer in der Reihe derer, die das spektakuläre Ereignis ausschlachten? Antworten auf solche Fragen bleibt der Künstler in seinem Werk nicht schuldig. Er entwickelt seine Handschrift aus zu Bild geronnenen Katastrophen und Gewalttaten, er inszeniert Entsetzen, er betreibt Selbstdarstellung bis ins Absurde.Selbstbildnisse sind charakteristisch für das Werk des aus der Wiener Schule Rudolf Hausners stammenden Künstlers. Mit seinen Auto-Porträts agiert er um ein Paradox. Man sieht das Gesicht des Künstlers nicht, doch man erkennt es an seiner Vorhüllung. Bandagierte Köpfe, bezwungen und gehalten von einem Arsenal chirurgischer Instrumente, die hier allerdings an Folter und nicht an Medizin denken lassen. Helnwein spielt dabei mit den Bild-medien. Er färbt seinen Kopf blutrot und fotografiert dieses "Gemälde", dann wieder projiziert er ein Foto auf eine Wand und mischt sich als Außenstehender in die fotografierte Szenerie ein. So geschehen etwa in einer Serie von Vietnamkriegsbildern, die ebenfalls im d.a.i. gezeigt wird - "Tanz der Affen".Helnwein gehörte nur weitläufig dem Kreis der Wiener Aktionisten von Mühl und Nitsch an. Von seiner Happening-Vergangenheit hat er sich zwar inzwischen entfernt; doch seine Bilder, die er mittlerweile eher der konzeptionellen Kunst zuordnet, betonen immer noch eine theatralische Seite: Sehr wienerisch, böse und moralisch zugleich, manchmal ekelerregend und um die Gefahr einer Ästhetisierung von Gewalt und Greueln oszillierend.Barbarei zeichnet sich bei ihm vor allem in einer unmittelbaren Konfrontation von Täter und Opfer ab - zwischen Lust und Schmerz. Die Sujets signalisieren zwar deutlich "Helnwein", doch der künstlerische Ausdruck floatiert zwischen Popart und - in den besten und abstrakteren Momenten Helnweinscher Arbeit - dem britischen Künstler Francis Bacon. Die meisten Bilder, die im d.a.i. gezeigt werden, gehören zu Helnweins Selbstporträt-Zyklus "der Untermensch" - ein Titel, der charakteristisch ist für sein künstlerisches Repertoire.Ein aufklärerischer Anspruch scheint hier nie durch, sondern wird höchstens hintersinnig betrieben.
Das dritte Südwest-Programm zeichnet am Freitag abend in der Reihe "Kulturszene" ein Porträt des Künstlers.
Die Ausstellung "der Untermensch" von Gottfried Helnwein bleibt bis zum 14. April 1988 im d.a.i. und ist montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Dienstags und donnerstags wird jeweils um 16 Uhr Peter Hajeks preisgekröntes Filmporträt des Künstlers im Konferenzraum des Instituts gezeigt.