Das Unterfangen ist heikel, der Anspruch gewaltig - ein Scheitern wäre mehr als eine künstlerische Blamage. Wie von der NZ bereits berichtet, will der Wiener Präzisionsrealismus-Maler Gottfried Helnwein des 50. Jahrestages der Nazi-Offensive auf die Kunst in Deutschland künstlerisch gedenken. Am 19. Juli 1937 eröffnete in München die Ausstellung "Entartete Kunst". Helnwein, dessen abbildexakte Malerei panische Angstmomente in Szenerien gepeinigter Menschenkreatur fixiert, will in einer Art "Performance-Oper" gegen die Verführungsästhetik des braunen Reiches eine Ästhetik der Anschauung des Schreckens setzen.
Im "Goldenen Saal" der ehemaligen Reichsparteitagstribüne auf dem Zeppelinfeld gab Helnwein jetzt über dieses facettenreiche Projekt aus Installation, Gesang, Maibild, Videoeffekte und Tanz erste, aber kärgliche Auskunft. Viele Ideen sind im Schwange, nur über wenige will er sprechen. So will er selbst einen Tanz mit mongoloiden Kindern, die die Nazis ehemals als minderwertig ansahen und ermordeten, einstudieren. Dieses Ballett des Leids soll an einer Katastrophenästhetik mitwirken, die die Perversion des Nazismus einmal nicht in Begriffen, sondern in direkter Wahrnehmung vor Augen führen soll.
Helnwein schließt nicht aus, daß er auch die hohlen Idyllen und das verlogene Kriegsheldenpathos in Nazikunstwerken einbezieht. Das naheliegende Bedenken, daß - gerade vor dem Heile-Welt-Schwulst der Nazikunst - die inszenierten Schocks und Traumabbilder eher Abweisung herausfordern und fehlgeleitete Abwehr-Sympathien fördern, weist Helnwein von der Hand.
Wie auch immer - vorerst muß Helnwein noch Geld für sein hochgreifendes Projekt sammeln. Eine Zusage des Pädagogischen Instituts, ob er den "Goldenen Saal" überhaupt bekommt, liegt auch noch nicht vor. Institutsleiter Wolfgang Weiß läßt alles offen: "Wir sperren uns nicht, möchten aber erst einmal Näheres wissen."