Die einzige Bedingung seiner Auftraggeber: Die Fotos müssen "typisch amerikanische" Situationen darstellen. Helnwein zauberte Bilder, die geheimnisvolle Geschichten erzählen. Seit seinen öden Wiener Kindertagen in einem engen, korrekten Elternhaus ist ihm jedes Mittel recht, sein Leben aufregend, chaotisch und abenteuerlich zu gestalten.
Mit seiner Fotoserie für Kathleen Madden erfüllte sich der 41-jährige gleich noch einen alten Kindheitstraum: Krimi spielen. Um ein Model im engen schwarzen Kleid mit Maschinenpistole als echte New Yorker Gängsterbraut darzustellen, engagierte Helnwein einen Spezialisten, der hinter der Schönen in einem verrotteten Winkel von Queens einen spektakulären Autobrand inszenierte. Doch das Foto gelang erst beim zweiten Anlauf: "Undercover-Polizisten haben uns mit gezückter Pistole verjagt, weil sie uns für eine randalierende Jugendbande hielten", erzählt Helnwein.
Der Branchenneuling liegt genau im Trend: Er bettet Modefotos fast beiläufig in Geschichten ein. Vor den dramatischen Kulissen des Freilichtmuseums "Intrepid" in Manhattan oder auf einem runtergekommenen Polizeirevier in Soho: Außer dem Model ist alles echt. Die Handschellen und die muffig dreinblickenden Cops. "Ich wollte eine möglichst realistische Situation", erzählt Helnwein. "Ständig wurden Leute in Handschellen durch den Raum gezerrt und in kleinen Käfigen gefangengehalten. Als Haustier hatten die Cops eine riesige Schlange, an die sie Ratten verfütterten." Einer der Beamten entpuppte sich als Mr. Hutton aus Brooklyn. Seine Eltern waren waschechte Wiener und er ein begeisterter Sammler von Helnwein-Postern.