Im Zentrum der bis zum 3. Dezember geöffneten Ausstellung stehen Hochformate, deren figurativer Anspruch gerade noch eingelöst werden kann. Immer wieder hat dieser detailbesessene Hyperrealist, der auch durch Rudolf Hausner und den Phantastischen Realismus der Wiener Schule beeinflußt worden ist, auf seine Suche nach Reduktion, nach dem für die dargestellte Sache unbedingt Notwendigen hingewiesen.
Geradlinig verfolgte der mittlerweile zum Höllen-Breughel der Populärkultur aufgestiegene Künstler diesen Weg sicherlich nicht. Wie bereits in seinen frühen Aktionen mit bandagierten und künstlerisch 'verletzten' Kindern, die immer wieder als Symbole einer durch Erwachsene vergewaltigten Phantasiewelt geradezu kraftvoll verkrüppelt im Werk auftauchen, ist auch in den jüngsten Arbeiten das Thema "Kind" präsent.

Auch in der jüngsten Werkphase wird die Fotografie zum Bindegliedes Künstlers zwischen sich und der Wirklichkeit. Helnwein bezeichnet sich als Kind des Medienzeitalters, und nichts besitzt für ihn größere Intensität als das, was er reproduziert sieht: - Zeitschriften, Fotografien, Fernsehen als künstlerischer Ausgangspunkt und intensiv wirkende Inspirationsquelle. Dieses Bekenntnis zum Kommunikationszeitalter, zu den Bildformen des Massenbetriebs, brachten Helnwein Anfang der achtziger Jahre den großen Erfolg. Waren es kurz zuvor noch fein gestrichelte düstere Phantasien, die in der schon klassischen Österreich-Tradition Schielens und Kubins standen, folgte jetzt die porentief realistische plakative Aufbereitung kollektiver Ängste. Fotos vom schmerzverzerrten eigenen bandagierten Gesicht wurden aquarellistisch verfremdet, mit medizinischem Werkzeug bestückt. Die schneidend sichtbare Körperkälte hat sich in bewußt vermarkteten Poster-Reproduktionen niedergeschlagen: Verzerrte Gesichter, umgeben von, atomarer Bedrohung, Frauenfeindlichkeit, faschistoider Dumpfheit und Drangsalierung. Andererseits wurden die trivialen Mythen und Idole hyper-fotorealistisch aufbereitet - synthetisch aufgeblähte Wesen des Unterhaltungskosmos: Superman, Mick Jagger, James Dean, Peter Alexander oder Andy Warhol.

