Um mal eine ganz andere Literaturempfehlung zu geben, sei hiermit eine Lanze für einen der größten Schriftsteller und Zeichner des 20. Jahrhunderts gebrochen!Ich spreche von Carl Barks, geboren am 27. März 1901, gestorben am 25. August 2000. Sein Wahlspruch war trotz der Größe und das Umfang seines Schaffens ein Satz in stiller und tiefer Demut: "Ich würde gern als Mensch in Erinnerung bleiben, der gute Arbeit gemacht hat..." - Ich verneige mich vor soviel Souveränität!
Carl Barks ist der Hauptschöpfer des Universums von Entenhausen mit Donald Duck und seinen 3 Neffen und mit Daisy Duck. Er kreierte Gustav Gans (Gladstone Gander) und Daniel Düsentrieb (Gyro Gearloose), die Panzerknacker (Beagle Boys) und vor allem the one and the only Dagobert Duck (Scrooge McDuck), gemeinhin bekannt als der reichste Mann der Welt, ein Mann mit konkreten Vorstellungen von irdischen Werten: Gold, Öl und allerlei andere Dinge bestimmmen seinen Reichtum, der übrigens nach etlichen Fantastilliarden zählt.
Donald Duck gab es zwar schon vor dem Einstieg von Carl Barks in die Firma von Walt Disney, nur Barks machte Donald Duck zur bekanntestens Ente der Welt und jedesmal wenn ich Ente a l'Orange esse, halte ich von bitterem Schmerz durchzuckt die Welt für den Bruchteil einer Ewigkeit an.
In den harten Zeiten, in denen wir derzeit leben und die genau das Gegenteil vom Ende der Geschichte sind - was uns ja einige Dummbabbler aus dem Lager der Neokonservativen einreden wollen - ist letztendlich und in erleichternder Konsequenz nur Donald Duck unter Mitarbeit seiner Neffen Tick, Trick und Track in der Lage, die Fährnisse unseres Alltags-Lebens der Gegenwart überhaupt noch zu bewältigen. Selbst die profitorientierte und imperiale Welt des Überkapitalisten namens Dagobert Duck gewinnt durch den Einfluß von Donald und den Neffen Züge der Menschlichkeit, sie bremsen sehr oft Dagobert aus und reißen die Mauer des Gewinnstrebens ein und holen das Herz von Dagobert ans Licht, erwecken seine Milde und führen die Geschichte zu einem humanen Schluß.
Nicht zuletzt ist für die Anhänger feinsinniger bittersüßer Erotik die "everlasting love affair" zwischen Daisy und Donald eine Überhöhung unserer doch manchmal so kargen und spröden Liebesbeziehungen im Alltag, sie ermahnen uns die Liebste stets im Herzen und im Auge zu haben - denn - wie es uns stets am Beispiel von Gustav Gans gezeigt wird, ist die Frau der stärkere Mensch auf Erden und nicht wir Männer.
Für den deutschen Sprachraum ist die kongeniale Übersetzungsarbeit von Frau Dr. Erika Fuchs ein Meilenstein in der deutschen Sprachgeschichte ab 1951 - wenn in 50 Jahren von der Vielzahl einiger Schreiberlinge kein Mensch mehr spricht, wird wie ein Urgestein das Werk Carl Barks in der Übersetzung von Frau Dr. Erika Fuchs weiter wie ein Fels in der Brandung stehen und weitere Generationen werden in Deutschland mit dem Paralleluniversum von Entenhausen und Umgebung aufwachsen!
1) Walt Disney: (Carl) Barks Comics & Stories, Editorische Vorwörter: Wolfgang J. Fuchs, Egmont Ehapa Verlag GmbH Berlin 2001 ff. Großformat, Hardcover - Ausgabe, 17 Bände, jeder Band rund 164 Seiten.In dieser 17bändigen Bibliothek sind alle 10-seitigen Geschichten von Donald Duck veröffentlicht, die von 1943 bis 1966 von Carls Barks geschaffen wurden. Die Bücher sind qualitativ in jeder Hinsicht hochwertig.Diese ten-pagers sind mit den zusammen längeren Abenteuergeschichten das Kernwerk des Schaffens von Carl Barks.In der Fortsetzung werde ich die wichtigsten Merkmale und Kernaussagen der ten-pagers darstellen.
Ich vergaß im ersten Beitrag etwas Sekundärliteratur anzugeben, dafür jetzt zwei absolute Heuler:2) Gottfried Helnwein, Wer ist Carl Barks, Neff (=Imprint der Verlagsunion Pabel-Moewig KG) Rastatt, 296 Seiten Kunstdruckpapier in Fadenheftung, Großformat.Ein Traum von einem Buch und ein unbedingtes Muß für den Freund/in des Künstlers Carl Barks. Helnwein stellt sein Buch ein Motto von Pablo Picasso voran, der am 14. 10. 1966 im "France Soir" schrieb: "DAs einzige, was ich in meinem Leben bedaure, ist, keine Comics gezeichnet zu haben."Helnweins Buch ist wie ein opulentes Mahl - die schönsten Zutaten, die man sich nur wünschen kann: brilliante Texte, hervorragende Reproduktionen, Skizzen von Barks in feinster Auswahl, ein schönes, herzliches und sehr interessantes Gespräch von Helnwein mit Barks aus dem Jahr 1992, wundervolle Barks-Titelbilder und und und - nochmal, ein Traum!Allein dieses Buchs wegen ist ein Nachmittag in einer Bibliothek eine Reise in eine wundervolle Welt in unserer Welt. Nochmal - ein Muß!