Die internationale Studentenbewegung und -Revolten von 1968 sowie das legendäre Woodstock-Festival mit der Order von Love and Peace können als Auslöser der Arenabewegung angenommen werden. Der Theaterwissenschaftler Erich Gindl dazu: "Das Jahr 1968 mit seinen internationalen Studentenrevolten machte dennoch vor Österreich nicht halt. Man darf jedoch nicht verschweigen, dass der Generationskonflikt wohl nirgends in Europa so gut zugedeckt blieb wie in Österreich." Und Gindl an anderer Stelle: "Die Kultur, welche seit 1955 hauptsächlich Repräsentationscharakter hatte, konnte sich den geänderten Anforderungen nicht mehr anpassen. Daher brachen viele Kulturschaffende mit traditionellen Begriffen von Kunst und Kultur. Kunst und Arbeit sollten eine Symbiose eingehen, sich gegenseitig befruchten."1968 sah man im Fernsehen "Der goldene Schuß" mit Vico Torriani und "Einer wird gewinnen" mit Hans Joachim Kullenkampff - noch in Schwarz-Weiß. Farbfernsehen kam ein Jahr später. 1968 war auch das Jahr, in dem Günter Brus von den Wiener Aktionisten in einem Uni-Hörsaal die Bundeshymne sang, während er onanierte und sich mit Kot beschmierte. Er bekam dafür 6 Monate unbedingt. 1970 sang Marianne Mendt den vielleicht ersten Austro-Pop-Song "Wia a Glock´n". 1971 folgte dann Wolfgang Ambros Song "Da Hofa". 1972 war der Besuch Nixons in Salzburg. Kreisky ließ den Demonstranten viel Freiheiten, was auf eine gefestigte Position hinweist. Unter den Demonstranten war auch Peter Kreisky , der Sohn des Kanzlers. Manfred Deix und Gottfried Helnwein erregten mit ihren Bildern 1972 und 1973 erstmals die Gemüter. 1974 wurden die ersten Folgen von Hinterbergers "Ein echter Wiener geht nicht unter" ausgestrahlt. 1976 ermittelte zum ersten Mal ein gewisser Kottan im Fernsehen. 1978 wurde mit einer Volksabstimmung gegen die friedlichen Nutzung der Atomkraft in Österreich gestimmt. 1984 gab die Aubesetzung bei Hainburg im weiteren den Impuls für eine Grün-Partei in Österreich. 1986 wurde Kurt Waldheim Bundespräsident, gleichzeitig bekam Jörg Haider zusehends politische Bedeutung.Aber wieder zurück ins Jahr 1976! Die Stimmung dieses Jahres fing wohl Wolfgang Ambros sehr treffend mit dem Song "Hoiba zwöfe" ein.Hoiba zwöfe, da Wirt macht an Bahö -hoiba zwöfe, mie soll´n endlich geh´n.Hoiba zwöfe, die Stimmung ist dahin,weu um hoiba zwöfe is finsta in mein Wien.Die Arena, eine Veranstaltungsreihe der Wiener Festwochen , gab es seit 1970. Ulrich Baumgartner war deren Begründer. Sie sollte dem vom Mainstream Abweichenden bei den Festwochen eine Plattform geben. 1975 machte man erstmals den Auslandsschlachthof von St. Marx zum Veranstaltungsort. 1976 entdeckten Architekturstudenten aus der Klasse Peichl die bereits vorliegenden Abrisspläne des Auslandschlachthofes von St. Marx. Sie - unter ihnen der heutige Leiter des Wiener Architekturzentrums Dietmar Steiner - verteilten Flugblätter mit der Forderung "Der Schlachthof darf nicht sterben" Am 27. Juni 1976 war der letzte Veranstaltungstag. Das Publikum des Musicals "Schabernack" wurde zum Bleiben aufgefordert. Am gleichen Tag war das Fest gegen die Schleifung des Naschmarktes angesetzt. Die dort auftretenden Gruppen "Schmetterlinge" und "Keif" riefen ihr Publikum zur Übersiedlung in die Arena auf. Um 22 Uhr etwa hatten sich gegen 1300 Jugendliche in der Arena versammelt. Die Veranstalter alarmierten die Polizei. Die große Theaterhalle wurde abgeriegelt. Vor der Halle auf der Wiese fand unter der Leitung von Willi Resetarits eine Diskussion statt. Unterschriftlisten wurden vorbereitet. Die Versammelten verschafften sich trotz Polizei Zugang zur Veranstaltungshalle. Der Intendant Ulrich Baumgartner lehnte Gewaltanwendung ab. Die Polizei, die sich daraufhin zurückgezogen hatte, blieb im Hintergrund. Die Rettungsaktion ging in eine Besetzung über, die bis in den Herbst hinein andauerte.Zwei Bürgerinitiativen, eine zur Rettung des Naschmarktes, die andere zur Rettung des Spittelberges - brachten eine gewisse Trendwende in der Stadtpolitik. Das Musical "Schabernack" von der Gruppe "Misthaufen" spielte übrigens auf die lokalpolitischen Begebenheiten an: So sollte der Naschmarkt einer Autobahn geopfert werden. Ein Kompromiss im Gemeinderat rettete den Naschmarkt in jener Form, wie er heute noch besteht. Der Großmarkt wurde nach Inzersdorf verlegt.Aber zurück zur Arena! Die Besetzung und die Veranstaltungen gingen weiter. Sogar Leonard Cohen trat in der Arena auf; von der heimischen Prominenz Wolfgang Ambros, Georg Danzer, Peter Turrini und viele andere ...Das Ensemble des Kärtnertortheater gastierte mit Brechts "Die heilige Johanna der Schlachthöfe". Die "Kronenzeitung", die - man staunt - der Arena-Bewegung positiv gegenüberstand, schlug als Alternativgelände das Simmeringer Neugebäude vor. Eine weitere Alternativvariante war eine Lederfabrik in Meidling. - In der "Zeit im Bild 2" fand zur Arena eine große Diskussion statt. Eine IFES-Befragung im Juli 1976 ergab u. a., dass ein Viertel der Wiener mit der Arena nichts zu tun haben wollte, knapp die Hälfte wünschte sich einen Kompromiss.Die damalige Kulturstadträtin Gertrude Fröhlich-Sandner wollte "jungen Menschen die Chance geben, sich selbst zu verwirklichen". Andrerseits wollte und konnte man von Seite der Stadtverwaltung aus bestehenden Verträgen nicht aussteigen. Da gab es Verträge mit einem späteren Modecenter und einer Tiefkühlfirma. Als besondere Ironie der Geschichte darf angesehen werden, dass im 3. Bezirk vom SPÖ-Abgeordneten Dr. Heindl gegen die Arena Stimmung gemacht wurde. Man befürchtete, dass Schaufenster in Schöps-Filialen eingeschlagen würden und "Madl an die Wand gestellt wern". Die Genossen waren überzeugt, wilde Arena-Horden terrorisierten das gemütliche Wien.Am 22. September 1976 wurde der 71.927 Quadratmeter umfassende Auslandschlachthof an die WIBAG - Wiener Betriebsansiedlungsgesellschaft endgültig verkauft. Der Auslandsschlachthof wurde somit zum Abbruch freigegeben, Strom und Wasser wurden Anfang Oktober abgedreht. Die Besetzung war ab diesem Zeitpunkt illegal. Caspar Einem, zunächst im Arena-Publikum, bemühte sich nach der Auflösung der Arena um Randgruppen, gründete Wohngemeinschaften, damit die gefährdeten Jugendlichen sich wieder in der Gesellschaft stabilisieren konnten..Ein Jahr nach Abbruch des Auslandschlachthofes wurde im Inlandsschlachthof die neue Arena weitergeführt. Das ursprüngliche Modell hat man aber nicht weiterbeleben können. 1981 gelang es einer Initiativgruppe den Inlandsschlachthof für Jugendliche wieder interessant zu machen. Recht viel mehr als ein Veranstaltungsangebot ist dabei nicht herausgekommen.
Das WUK ist mit seinen 12. 000m2 Fabrikgelände aus der Gründerzeit eines der größten soziokulturellen Zentren Europas.Seit 1981 hat sich das Haus als professioneller Kulturbetrieb mit Konzerten, Theater- und Tanzproduktionen, Kinderkultur, zukunftsweisenden Ausstellungen und interdisziplinären Projekten etabliert. Eingebunden in nationale und internationale Netzwerke wird das Haus seit 20 Jahren als lebendiger Teil der Kunst- und Kulturszene wahrgenommen. Die aktive kulturpolitische Auseinandersetzung trägt ihren Teil zur Positionierung abseits des Mainstream bei. Als außergewöhnliche Konstellation zeigt sich vor allem das Nebeneinander von Kunstproduktion und -präsentation an einem Ort.Europaweit einzigartig ist der große, gut funktionierende autonome Teil des WUK. In Selbstverwaltung arbeiten 130 Gruppen in sieben Bereichen. Von Ateliers, Tanz-, Theater- und Performance-Gruppen bis zu Kindergruppen, SeniorInnenzentren, Werkstätten und sozialen Initiativen, übernimmt das Haus unverzichtbare soziale Verantwortung und Arbeit. Engagiert zeigt sich das WUK auch mit den inzwischen acht Ausbildungs- und Beratungsprojekten, die arbeitlosen Jugendlichen eine Chance auf Integration in den ersten Arbeitsmarkt eröffnen.Die vielschichtigen Inhalte und die komplexe Organisationsstruktur des WUK erschließen sich nicht auf den ersten Blick. Auf der inhaltlichen Ebene kristallisieren sich die drei Schwerpunkte WUK Kultur, WUK Sozial und WUK Idee heraus, die auch auf diesem Webportal ihre Entsprechung finden.WUK KulturDer Blick auf WUK Kultur zeigt eine Fülle an Produktions- und Veranstaltungsaktivitäten. Das Spektrum reicht vom gut ausgelasteten Konzert bis zur experimentellen Performance im kleinen Rahmen und weiter bis zu interdisziplinären und internationalen Projekten, an denen sich das Haus regelmäßig beteiligt.