February 26th, 2005
Allgemeine Zeitung
Sie hat gegessen, was auf den Tisch kam
Frank Schmidt-Wyk
Wie Dagmine Wolf und Michael Müller im Bassenheimer Hof Laura Bush bewirteten
Drei Tage, nachdem Laura Bush, Gattin des US-Präsidenten, dort fürstlich getafelt hatte, lud sich die AZ ins Restaurant/Bistro Bassenheimer Hof ein - zum Espresso mit Besitzer Michael Müller und Restaurantleiterin Dagmine Wolf. Also, wie war das am Dienstagabend, die Frau des mächtigsten Mannes der Welt zu bewirten? Diskretion ist das oberste Gebot von Michael Müller und Dagmine Wolf, auch deswegen ist das schnuckelige Restaurant bei der Prominenz so beliebt. Wer war hier nicht alles zu Gast, seitdem die beiden in einem mehr als 200 Jahre alten Winzerhaus mitten im "Acker", einer lauschigen Seitenstraße des Schillerplatzes, eröffneten: Dieter Wedel, Gottfried Helnwein, Harald Schmidt, Teresa Orlowski... die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Doch weder im Bistro im Erdgeschoss noch im Restaurant im ersten Stock weist irgend etwas darauf hin. Anders als mancher Konkurrent tapeziert Müller die Wände eben nicht mit Schnappschüssen seiner prominenten Gäste und greift auch nicht sofort zum Telefonhörer, um die Presse zu informieren, wenn mal wieder Mario Adorf bei ihm reinschneit. Spuren haben die berühmten Feinschmecker nur im Gästebuch hinterlassen, zum Beispiel den hübschen Butt, den Günter Grass mit Kugelschreiber skizziert hat. Deswegen ist es auch wichtig, dass hier jetzt dieser Satz steht: Es war die AZ, die sich bei Dagmine Wolf und Michael Müller gemeldet hat und nicht umgekehrt.Auch am frühen Dienstagabend klingelte bei Wolf zu Hause das Telefon. Wer dran war, will er nicht verraten; es muss jemand gewesen sein, der ziemlich nah dran war am Tross von Laura Bush, die kurz vorher im Hotel Hyatt Regency eingetroffen war. "Es kommt jemand Wichtiges", erfuhr Müller zunächst nur, der an diesem Abend eigentlich mal daheim bleiben wollte. Wer sollte das schon sein? "Ich wusste jedenfalls sofort, dass meine Anwesenheit gefragt war."Als Müller am Bassenheimer Hof eintrudelte, war schon die ganze Straße verstopft mit den Karossen der Sicherheitsleute von BKA und Secret Service. "Die Amerikaner sahen super aus", schwärmt Dagmine Wolf: "Schwarze Mäntel, weiße Hemden, polierte Schuhe." Und alle hatten sie den verräterischen Knopf im Ohr. Spätestens jetzt stand fest: Niemand anders als Laura Bush kommt zum Essen. "Es war gut für uns, dass wir vorher nichts wussten, sonst hätte ich mir sooo einen Kopf gemacht", meint Müller. So blieb ihm nichts anderes übrig, als mit seinem Küchenchef Jochen Dietz die Vorräte zu sichten und ein Menü zu improvisieren. Dagmine Wolf stellte noch schnell das Weinangebot zusammen, und dann kam sie Espressoauch schon durch die Tür, die Präsidentengattin mit US-Botschafter Daniel Coats und dessen Frau im Schlepptau. "Sie gab mir lächelnd die Hand und sagte, dass sie sich freue, hier zu sein", berichtet Wolf.Gedeckt war im "Biedermeier-Zimmer", einem gemütlichen, separaten Raum im ersten Stock. Viele der übrigen Gäste bekamen von dem hohen Besuch gar nichts mit, weder im knackvollen Bistro im Erdgeschoss noch oben im Restaurant, wo ein Pulk von Sicherheitsleuten Laura Bush durchschleuste und sich dann an zwei Tischen niederließ. Während die hohen Gäste gemütlich und in ausgelassener Stimmung tafelten, lief der übrige Betrieb normal weiter. Dass der Bassenheimer Hof durch deutsche Polizisten und amerikanische Security-Leute umstellt und von der Außenwelt abgeriegelt war, erfährt Dagmine Wolf erst jetzt, durch die AZ: "Ich werf´ mich weg!" Sie und Wolf hatten den Eindruck, dass es sich bei dem Essen um "eine entspannte Sache ohne jeden Stress" handelte, das Security-Getue habe sich in Grenzen gehalten - womöglich, weil die Einkehr im Bassenheimer Hof spontan angesetzt wurde, vermuten die beiden.Nach zwei Stunden war nichts mehr übrig vom Kalbsbäckchenragout, dem Zackenbarschfilet und dem Rinderbraten in Balsamessig-Caramelsauce, alle Teller waren leer geputzt - auch das ein Beleg dafür, dass es den Gästen gefallen hat. An dem vorgeschlagenen Menü hatte die Präsidentengattin nicht das geringste auszusetzen. Sie hat also artig gegessen, was auf den Tisch kam? "Genau", bestätigt Wolf. Während im "Biedermeier-Zimmer" noch ein Kaffee zu sich genommen wurde, beglich eine Mitarbeiterin draußen die Rechnung diskret per Kreditkarte - das Trinkgeld gab´s in harten Dollars.Laura Bush trug sich noch ins Gästebuch ein ("With thanks for a wonderful dinner!"), dann hielt sie im Innenhof kurz inne und winkte durch das kleine Fenster den Gästen zu, die unten im Bistro saßen. "Alles reckte wie auf Kommando sofort die Arme zum Himmel und winkte zurück", berichtet Müller. Dann stürzten die Leute an die Scheibe und sahen zu, wie die First Lady der USA ins Auto stieg und davon brauste.Eine Frage ist noch offen: Was halten die beiden Gastronomen eigentlich so von George W. Bush und seiner Politik? Wie gesagt - Diskretion ist das oberste Gebot von Michael Müller und Dagmine Wolf, das wollen auch wir an dieser Stelle berücksichtigen.