Die Ausstellung ist bis zum 12. Juni zu sehen.

Evelyn Beyer14. März 2005
Prominenter Auftrieb zur Eröffnung im Busch-Museum: Gottfried Helnwein zieht – und polarisiert.Viele der Werke, meist grossformatige Mischtechniken, sind erstmals in Deutschland zu sehen, entsprechend voll wars zur Eröffnung der Schau, die, so betonte Museumschef Hans Joachim Neyer, den Museumsauftrag, kritische Grafik zu zeigen, wieder mehr in den Mittelpunkt stellt: “Es gibt weniger zu lachen, dafür viel zu diskutieren.”
Hannover. Unter den grimmen Blicken von Rock-Schocker Marilyn Manson an der Wand umarmten sich Künstler und Prominenz: Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer ist mit dem gebürtigen Wiener Gottfried Helnwein seit dem 80er Jahren eng befreundet, besuchte ihn schon in seiner Wahlheimat Irland; Scorpions-Sänger Klaus Meine verabredete gleich einen Termin mit dem Künstler, der 1982 das legendäre Cover für das “Blackout”-Album geschaffen hatte. “Gottfrieds Arbeit ist Rock ‘n’ Roll”, meinte Rock-‘n’-Roller Meine zur Aussstellung “Beautiful Childern” im Wilhelm-Busch-Museum.
Viele der Werke, meist grossformatige Mischtechniken, sind erstmals in Deutschland zu sehen, entsprechend voll wars zur Eröffnung der Schau, die, so betonte Museumschef Hans Joachim Neyer, den Museumsauftrag, kritische Grafik zu zeigen, wieder mehr in den Mittelpunkt stellt: “Es gibt weniger zu lachen, dafür viel zu diskutieren.”
Seine Starbilder und –fotos machten Helnwein bekannt, doch seine “schönen Kinder” sind vor allem verletzte Kinder: missgestaltet, bandagiert, verstört. Holocaust- und Kriegserfahrungen prägten den 56-Jährigen, sind in vielen Motiven präsent. Doch sein “Sonntagskind” streckt trotz Blutes und Blindheit der Welt die Zunge raus: “Die heilige Kinderwelt wird als Lug und Trug entlarvt, sie existiert nur in den Träumen Erwachsener”, wie Kuratorin Gisela Vetter-Liebenow in der Eröffnungsrede sagte.
Aber kann man Helnweins zerstörte Gestalten Kindern zumuten? “Auf alle Fälle”, sagt der Künstler, “Kinder gehen spontan und natürlich mit Verletzung um. Sie lieben im Märchen die Hexe oder den bösen Wolf.” Wichtig sei, über die Empfindungen der Kinder zu sprechen, meint Neyer: “Auch Erwachsene sollten hier nicht als Erstes fragen, was die Bilder bedeuten, sondern was sie selbst empfinden.”
Was empfindet er? “Weiss nicht.” Erschrecken? “Ein bisschen.” Drüber nachdenken? “Auf alle Fälle”, sagt der neunjährige Ben wortkarg, der in einer Ecke sehr vertieft – auf seinem Gameboy daddelt.
Bis 12. Juni, Di-Fr 11-17 Uhr, Sa., So. Und feiertags 11-18Uhr. Gespräche: am 24. 4. mit Christian Pfeiffer, Kriminologieforscher, am 3. 5. mit Landesbischöfin Margot Kässmann, am 19. 5. mit Schauspielintendant Wilfried Schulz, jeweils 18 Uhr.
“Ich kenne Helnwein von seinen Marilyn-Manson-Arbeiten und finde die Ausstellung super. Endlich istauch mal einer aus unserer szene hier im Museum zu sehen.”
“Ich bin fasziniert und schockiert, ich weiss derzeit gar nicht, welches Gefühl überwiegt. Ich frage mich, wie er aud diese Bilder und Motive kommt.”
“Noch versteht Adrian die Bilder nicht, sonst hätte ich Bedenken, ihn mitzunehmen. Wir kamen zufällig vorbei – mir selbst gefällts sehr gut.”
“Ich fühle mich nicht provoziert, aber mir fehlt die Seele, es ist kalt. Davon möchte ich nichts an der Wand haben – allenfalls das Foto von Charles Bukowski.”
“ich finde die Schau sehr, sehr interessant und will unbedingt die Sonderveranstaltungen nutzen – diese Bilder möchte ich nicht nur allein verarbeiten.”
