
Helnwein (ZDF) - Gottfried Helnwein, Grimassenmaler aus Wien versteht eine Menge vom Malen. Da hegt der Betrachter überhaubt keine Zweifel. Wie schön er es macht beziehungsweise wie gut er es macht beziehungsweise wie gut er es meint, ist eine andere Frage. Die steht hier nicht zur Debatte. Peter Hajeks Film jedenfalls stellt uns die Bilderwelt, das Umfeld und die Figur dieses subversiven Naturalisten in einer Weise zur Schau, die mich für beide sehr einnimmt: für den Autor des Films und den Magus der Monstren.
Es war ein reines Ergötzen, die aufgerissenen Mäuler, hechelnden Zungen und verzerrten Visagen der Bildkreaturen, blutbespritzt und besudelt, gewissermaßen lebendig werden zu sehen und dabei die sanfte Stimme des Malers vom Unfug des Schönen und der Fadheit der klassischen Künste greinen zu hören. Nein, von Kunst hält er nichts. Hat nie das Malen gelernt, ist ja einfacher Herkunft. Er macht nur nach was er sieht. So ist es halt. Porträtiert das Scheusal Mensch wie es ist. Und richtig. Bald war dem Zuschauer so, als sei das Monströse normal und die Normalität seines Alltags ein elender Spuk. Was ja im Hinblick auf die Lage der Dinge, die für unsereins den Alltag bedeuten, auch stimmt.
Helnweins Kinderchen und ihre schöne Mutter haben es gut. Ihr Maler hat sie in eine Gespensteridylle entrückt, und sie geistern dort froh und gemütlich. Der Boxer Ali hingegen, ein trauriger Onkel aus Fleisch, erschien in dieser Umgebung wie ein versehentlich in der Erdenhölle gestrandeter Marsmensch. Ein fremder Körper. Ganz fremd.
Am Ende des Films befand sich der Augenzeuge in einem ähnlichen Zustand. Er sah in den Spiegel und sah einen anderen: schiefmäulig, sabbernd, besudelt, vernäht und vernagelt. Das haben der Helnwein und der Hajek geschafft. Suggestiv nennt man so was. Höchst suggestiv.