Beautiful Children, also schöne Kinder, das klingt ja zunächst putzig. Doch wer die lange Karriere des 1948 in Wien geborenenHelnwein kennt, weiß, dass die hyperrealistische Oberfläche seiner Kunst keineswegs glatt ist.Jede Falte eines Rock'n'Roll-Lebens zeigte er in seinem Porträt von Mick Jagger, für die Scorpions-LP "Blackout" stellte sich Helnwein mit Kopfverband, durch Gabeln geblendet, schreiend dar. Selbst als er die Comic-Welt für sich entdeckte, fletschte Mickey Mouse in Helnweins Bildern die Zähne.
Auch diese Motive streift die Oberhausener Schau, aber im Mittelpunkt stehen eben die Kinder-Darstellungen. Mal nähert sich Helnwein dem Thema als Maler, mal als Fotograf. Wobei er die Grenzen bewusst verschwimmen lässt: Gemaltes wirkt fotografisch, große Digitalfotos auf Leinwänden könnten auch hyperrealistische Gemälde sein.
Vom Klischee der glücklichen Kindheit sind Helnweins Bilder Lichtjahre entfernt.Oft bricht er Tabus: Das Thema Missbrauch behandelt er in großformatigen Werken wie "Epiphany I und III", die wehrlose Kinderin Gesellschaft ihrer Peiniger zeigen.Geradezu beruhigend wirken dagegen trotz ihrer monströsen Effekte die Gemälde abgestorbener Föten "Angel sleeping".
Das Thema Kindheit ist in allen Werkphasen des Künstlers präsent, Helnwein sagt sogar: "Kinder waren der Grund, warum ich angefangen habe zu malen." An seine eigene Kindheit erinnert sich der Künstler so: "In Wien erschien mir damals alles sehr düster,alle wirkten unfreundlich."
Die unglaublich realistische Malweise könnte man als eine Art Trick bezeichnen, mit dem Helnwein die Betrachter für seine Bildthemen sensibilisiert: "Sie treten an das Bild heran, weil sie sich fragen:Wie hat er das gemacht? Und plötzlich beschäftigen sie sich mit dem Inhalt des Dargestellten."
Helnweins intensiv wirkenden Schwarz-Weiß-Fotos u. a. von Jagger, Willy Brandt und Leni Riefenstahl zeigt Oberhausen ebenso wie großformatige Arbeiten, in denen sich Schock-Rocker wie "Rammstein" oder Marilyn Manson für Helnwein inszenierten. Überhaupt hat der heute in Irland und den USA lebende Künstler in mehreren Inszenierungen die Gestaltung übernommen, etwa für die Oper "Rake's Progress" in Hamburg unter Jürgen Flimms Regie oder für den "Rosenkavalier" der Los Angeles Opera.
19. 6. bis 3. 10. Di bis So 11-18 Uhr.Ludwig Galerie Schloss Oberhausen,Konrad-Adenauer-Allee 46.Kat. 24,50 Euro.