Helnwein stellt Kinder nicht nur als hilflose, gequälte Opfer dar, sondern enthüllt auch die subversive Kraft hinter den malträtierten, Fratzen schneidenden Grimassen: die Kraft der Unschuld und des Widerstandes, der Beharrlichkeit und des Ungehorsams. Es sind verbotene, ja böse Bilder, weil sie radikal mit der Illusion der heilen Kindheit brechen, weil sie mit Tabus konfrontieren und die Grundsätze der Gesellschaft hinterfragen.Im vergangenen Jahr wurde dieses zentrale Thema Helnweins in seiner Ausstellung “The Child” im Fine Arts Museum von San Francisco gezeigt.
Mehr als 123.000 Besucher sahen diese vom San Francisco Chronicle zur besten Museumsausstellung 2004 gekürte Schau. Erstmals sind jetzt diese schockierenden und gleichzeitig faszinierenden Bilder, in einer großen Museumsausstellung in Deutschland zu sehen. Die Ausstellung “Gottfried Helnwein – Beautiful Children” entstand in enger Zusammenarbeit von Künstler, Ludwig Galerie und Wilhelm-Busch-Museum Hannover. Nach der ersten Station in Hannover zeigt die Ludwig Galerie Schloss Oberhausen vom 19. Juni bis zum 3. Oktober 2005 die Ausstellung in wesentlich erweiterter Form.
Dabei kann sich der Betrachter der Faszination dieser Bilder kaum entziehen. In ihnen verschmelzen die minutiöse Detailgenauigkeit der Fotografie mit dem inneren Leuchten altmeisterlicher Malerei. Was wie fotografierte Wirklichkeit erscheint, erweist sich bei genauem Hinsehen als gemalt. Seine Bilder über das Kind, aber auch über die Katastrophen der Geschichte und unserer Zeit erscheinen uns deshalb – ebenso wie seine Portraits von Arno Breker bis Andy Warhol, Che Guevara und Marilyn Manson – irritierend vieldeutig: Schein und Sein, Maske und Gesicht, Bild und Wirklichkeit verschwimmen bis zur Unkenntlichkeit.
Gottfried Helnwein überschreitet Grenzen. Er spielt mit den gestalterischen Energien des Rock’n'Roll, der Fotografie und des Comic. Er nutzt ihren provokativen Gestus und ihre mitreißende Gewalt. Marilyn Manson, mit dem er in den vergangenen Jahren kongenial zusammenarbeitete, schreibt: “Ein Künstler, der nicht provoziert, wird unsichtbar. Kunst, die keine starken Reaktionen auslöst, hat keinen Wert. Helnwein hat das verinnerlicht und entspricht damit auch genau dem Kern unserer Musik.”
This entry was posted on Friday, June 17th, 2005 at 8:02 pm and is filed under Kunst. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed.