„Eine Fülle von Ideen“ hat das Lentos laut seiner Direktorin Stella Rollig für die „Europäische Kulturhauptstadt Linz 2009“ im Köcher. So möchte Rollig nicht nur die neun übermannsgroßen Metallskulpturen im Donaupark „aufpolieren, renovieren und revitalisieren“. Zu den Reminiszenzen an das „Forum Metall“ des Jahres 1977, als internationale Künstler dort 13 Plastiken und Objekte zeigten, sollen neue, zusätzliche Skulpturen in Auftrag gegeben werden. „Das ist natürlich auch eine Frage des Geldes, aber: Ich würd's mir wünschen“, so Rollig zum VOLKSBLATT, die dafür bereits Zustimmung von Bürgermeister Franz Dobusch geortet haben will. - „Bauhaus“-Schau um oö. Künstler Herbert Bayer - Im Lentos selbst will Rollig 2009 eine große „Bauhaus“-Ausstellung zeigen. „Bauhaus“ nannte sich die von Walter Gropius 1919 in Weimar gegründete Hochschule, in der unter Führung der Baukunst alle bildenden Künste, Handwerk und Technik vereint werden sollten. Diese Pionier-Einrichtung des Industriedesigns ist untrennbar mit Künstlern wie Paul Klee, Wassilij Kandinsky, Laszlo Moholy-Nagy oder Mies van der Rohe verbunden — und mit dem oö. Maler, Plastiker und Architekten Herbert Bayer (1900—1985), von dem das Lentos 24 Gemälde besitzt.
Nicht nur deshalb sei „die erste große Museumsausstellung zum ,Bauhaus' überhaupt“ gerechtfertigt: Linz erhebe ja auch den Anspruch, durch Einrichtungen wie das AEC ein „Labor der Zukunft“ zu sein — „und genau das war das ,Bauhaus' zu Beginn des 20. Jahrhunderts“, so Rollig. - Außerdem neu im Lentos: Ab sofort kann die Sammlung auch im Internet — ww.lentos.at — besichtigt werden. Von den 13.000 Gemälden, Skulpturen, Grafiken und Fotos sind bereits über die Hälfte nach Künstlern, Werktiteln, Arbeitstechniken, Datierungen abrufbar.
- Was die zuletzt in die Kritik geratenen Besucherzahlen angeht, räumt Rollig ein, dass man heuer nochmals„knapp unter den 80.000 vom Vorjahr bleiben“ werde. Damit sei aber die Talsohle erreicht, „2006 sollte es wieder aufwärts gehen“. Auch das Kunsthaus Graz habe heuer bis Mitte Juli erst vergleichbare 42.984 Besucher verzeichnet — freilich nach 118.000 im gesamten Jahr 2004. Von ihrem eingeschlagenen Weg will Rollig dennoch nicht abrücken: „Ich bleibe bei zeitgenössischer Kunst.“
Publikumsrenner wie die Ausstellungen mit Werken von Marc Chagall oder Henri Toulouse- Lautrec, noch unter Rolligs Vorgänger Peter Baum, wird es demnach auch künftig nicht geben: „Schon weil nicht viele Künstler so ziehen wie ein Chagall“, wie Rollig meint. So habe sie kürzlich in Köln, wo sie wegen einer für 2007 im Lentos geplanten Schau mit Werken des deutschen Expressionisten Max Beckmann (1884—1950) verhandelte, die Erfahrung gemacht, dass „selbst bekannte Namen wie dieser gar nicht so gut gehen.“ - Rollig: „Man kann auch mit der zeitgenössischen Schiene viele Besucher erreichen“ — die von März bis Juni 2006 geplante Schau mit Pop-Art von Gottfried Helnwein soll's beweisen.